„Fotografinnen an der Front“

Foto-Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf

Fotoausstellung Düsseldorf, Fotografinnen an der Front, Foto Ute Boysen

Ich möchte Ihnen, sofern Sie wie ich großes Interesse am Fotografieren haben und sich gerne gute Fotos ansehen, eine Ausstellung empfehlen, die wirklich beeindruckende Werke zeigt.

Im Düsseldorfer Kunstpalast wird derzeit unter dem Titel „Fotografinnen an der Front“ eine Vielzahl an unterschiedlichsten Fotografien ausgestellt, die allesamt eines zum Thema haben: „Momentaufnahmen aus verschiedensten Jahrzehnten an verschiedensten Kriegsschauplätzen“. Erstaunlicherweise waren es tatsächlich sehr viele Fotografinnen, die sich an die Front begaben, um eine Berichterstattung aus nächster Nähe liefern zu können. Doch nicht das sichtbare Blutrünstige liegt bei den Fotoreporterinnen im Vordergrund, sondern vielmehr und bei allen acht ausgewählten Fotografinnen gleichermaßen – die Menschen im Alltag, Gesichter, Begebenheiten am Rande des Elends, festgehaltene Sekundenbruchteile von Emotionen, lachende Kinder, verzweifelte Soldaten, Schwarz-Weiß-Aufnahmen.

Es ist eine Ausstellung, die unter die Haut geht. Fotos, die mitnehmen, zum längeren Verweilen einladen. Es handelt sich um weltweite Kriegsschauplätze, wie beispielsweise den Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939, den Gerda Taro und Robert Copa dokumentierten (die Fotografin Gerda Taro erlag ihren Verletzungen an der Front im Jahr 1937 im Alter von 27 Jahren).

Oder Lee Miller (1907-1977), eine amerikanische Fotojournalistin, zugelassen den europäischen zweiten Weltkrieg fotografisch zu dokumentieren. Sie fing auch das Lachen ein, zeigte jedoch auch sehr bedrückende, verstörende Fotos beispielsweise in der USA Vogue im Jahr 1945 unter dem Titel „Nazi Harvest“ (Nazi-Ernte).

So geht es weiter, Raum für Raum ein Portrait der jeweiligen Fotografin und ihre Fotostrecken. Catherine Leroy (1944-2006) hielt sich unter anderem im Vietnamkrieg und im Libanesischen Bürgerkrieg auf. Sie erhielt im Jahr 1976 als erste Frau die Robert Copa – Goldmedaille für die beste veröffentlichte Fotoreportage weltweit.

Christine Spengler (geb. 1945) hat sich im Tschad, in Nordirland oder im Libanon aufgehalten und gearbeitet, keine Kampfhandlungen fotografiert, sondern sich intensiv mit der Bevölkerung und den Folgen des jeweiligen Krieges für den Alltag beschäftigt.

Francoise Demulder, Susan Meiselas, Carolyn Cole, Anja Niedringhaus (1965-2014, erschossen im Rahmen ihrer Berichterstattung über die Wahlen in Afghanistan). Sie alle haben mutig und entschlossen dafür gesorgt, dass über das geschriebene Wort hinaus eine bebilderte Kriegswiedergabe möglich wurde. Und sie haben ihr Leben gelassen oder teilweise dafür im Nachhinein ihren Beruf aufgegeben.

Ich bin sehr beeindruckt von dieser Ausstellung, habe lange verweilt vor den Fotografien und mir meine Gedanken gemacht. Bis zum 10. Juni können Sie im Düsseldorfer Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, diese Ausstellung besuchen. Absolut empfehlenswert.

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