Ab wann bin ich Seniorin?

Rein zufällig gelangte ich im Internet auf verschiedene Seiten, die sich damit befassen, ob und wann jemand bereits zu den „Senioren“ der Gesellschaft zählt. Hm – die Aussagen (teils recht junger Leute) waren doch teilweise irritierend. Ich konnte nicht immer zustimmen, schüttelte häufig den Kopf und verdrehte die Augen. Doch Vieles stimmte und ich nickte unbewusst bestätigend. Deshalb die Frage „bin ich schon Seniorin – oder noch nicht?“.

Senioren Tango Tanzpaar, Foto Brigitte Werner auf pixabay

Wird der Begriff „Senior“ mit einem feststehenden Lebensalter in Verbindung gebracht? Oder mit den fehlenden Farbpigmenten der Haare? Mit dem Kleidungsstil oder der Gangart? Ab wann ist ein Mensch ein sogenannter „Senior“ oder eine „Seniorin“? Und ja, irgendwie erscheint mir der Begriff jugendlichen Schwung zu nehmen, das Interesse an zahlreichen Hobbies, die Freude an farbenfroher lebendiger Kleidung oder was auch immer mit „Senioren und Seniorinnen“ so gar nicht in Einklang zu bringen scheint.

Bedenkt man allerdings, dass auch im Berufsleben der Begriff „Seniorpartner“ beispielsweise in einer Rechtsanwaltskanzlei zu finden ist oder in einer Stellenbeschreibung ein „Senior Consultant“ (deutsch: Senior Berater, leitender Berater im Management) gesucht wird, dann hat es in erster Linie mit Geschäftspartnern, Vorgesetzten oder Mitarbeitern zu tun, die über erhebliche Berufs-Erfahrungen verfügen. Diese werden in Unternehmen sehr geschätzt und ja, es handelt sich in vielen Fällen auch hier um ältere Menschen.

Senioren Hand in Hand, Foto pasja1000 auf pixabay

Da fragt man sich gleich wieder „aha – ältere Menschen“. Es ist einfach nicht an einem bestimmten Alter festzumachen, ab wann ein Mensch „älter“ ist. Es gibt reichlich verschrobene 40jährige (was nicht negativ gemeint ist), die weit über ihr tatsächliches Alter hinaus „älter“ wirken. Aber genauso finden wir immer wieder Mitmenschen, die tatsächlich in einem Alter von 65+ rein äußerlich und auch in ihrer ganzen Art jugendlich wirken und bei anderen jünger eingeschätzt werden.

Um also nicht nur die Begriffe „Senior und Seniorin“ verwenden zu müssen, erfand irgendjemand irgendwann die Beschreibungen „Best Ager“ und „Silver Generation“. Ist ja auch viel werbewirksamer und vor allem klingt es besser? Die Bedeutung? „Best Ager oder Best Agerin“ wird laut Nachschlagewerk Duden in der Werbung diejenige „Person genannt, die zur anspruchsvollen, konsumfreudigen Kundengruppe der über 40- bzw. 50-Jährigen gehört“. Aha, also schon die über 40-Jährigen…
Und „Silver Generation“? Laut wikipedia gehören auch solchermaßen genannte Mitmenschen in die Gruppe derjenigen, die im Marketing und in kommerziellen Bereichen Personen im Alter über 50 Jahren ansprechen. Über 50 Jahre also.

Ich habe schon oft erfahren, dass die 40- oder 50Jährigen sich relativ lautstark dagegen aussprechen, als Senior(in) oder Best Ager(in) betitelt zu werden. Ganz zu schweigen davon, dass sie angeblich in die Gruppe der „Silver Generation“ gehören… Aber warum? Wenn doch „das Ältere, der Begriff Senior/in oder Best Ager/in“ immer verbunden werden mit höherer Berufserfahrung, weitreichender Lebenserfahrung, Wissen – warum sträuben sich dann so viele Menschen dagegen hier dazuzugehören?

Online sein zum Arbeiten oder Spielen am Computer, Foto cocoandwifi auf pixabay

Ich kann nur meine persönliche Einschätzung abgeben oder im Internet abschreiben, was Psychologen, Philosophen oder Buchautoren dazu ausführen. Also beschränke ich mich auf meine eigene Meinung. Weil leider all‘ diese Begriffe gleichgesetzt werden mit „Alt“. Und das möchte niemand so gerne über sich selbst hören. Alt zu sein, heißt ja leider auch häufig, nicht mehr mithalten zu können, keine Ahnung mehr zu haben, desinteressiert sein am Fortschritt, unbeholfen sein im Umgang mit den neuen Medien.
Bei vielen Senioren ist das vielleicht so – aber auch hier wieder die Frage „wie alt sind denn genau diese Personen“? Über 70, über 80? Über 90? Aber meiner Meinung nach haben genau diese Altersgruppen überhaupt kein Problem damit, Senior oder Seniorin genannt zu werden. Sie stehen so oft noch im Sportverein, besuchen die Volkshochschule oder Computerkurse, dass die Bezeichnung ihrer selbst etwas völlig Belangloses darstellt. Und das ist gut so!

Ich bin eine Seniorin, bin 66 Jahre alt, erfreue mich an meiner wieder erlangten Gesundheit, fühle mich wohl in meiner Haut. Genieße die Zeit mit Kindern und Enkelkindern und ganz besonders auch die Zeit mit meiner 88jährigen Mutter. Hobbies, Reisen, Bücher – die Liste meiner Interessen ist lang. Ich lebe und lasse leben. Und es ist mir herzlich egal, in welche „Schublade“ wir in unserem Alter gesteckt werden.

Märchen, Geschichten laut vorlesen, Großmutter und Enkelkinder,Foto dassel auf pixabay

In diesem Sinne, erfreuen Sie sich an kunterbunter Kleidung (auch oder gerade, weil diese Farben doch in diesem Sommer so gar nicht „in“ sind), tragen Sie Modeschmuck in allen Größen, schrille Brillen und Sonnenbrillen und Hüte! Und lassen Sie sich von nichts und niemandem erzählen, dass „Senioren(innen)“ besser gedeckte Farben, knieumspielende Röcke und dezenten Schmuck tragen sollten!

Ich wünsche Ihnen, egal in welchem Alter Sie sich gerade befinden, Lebensfreude!

Quellen:
https://www.ntvital-shop.de/ratgeber/ab-wann-ist-man-ein-senior/
www.wikipedia.org
www.duden.de

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