„Aller guten Dinge sind drei“

blog redensarten aller guten dinge sind drei, Richterhammer, Foto Tim Reckmann_pixelio.de

Aus dem Fundus unserer Sprache

Die heutige Redensart ist auch in unserer Zeit noch geläufig. Gerade deshalb wählte ich sie aus, denn wissen wir wirklich um die Bedeutung und Herkunft? Eingesetzt wird die Redewendung „Aller guten Dinge sind drei“ fast immer richtig, aber wer hat sich schon Gedanken darüber gemacht, wo sie herkommt? Und allzu oft kommen Zahlen in einem Sprichwort auch nicht vor. Grund genug einmal nachzuforschen.

„Ja, diese Redensart kenne ich und wende sie auch selbst an. Wenn man sich das dritte Mal trifft zum Beispiel, oder wenn zwei Mal etwas schief gelaufen ist und dann das dritte Mal auch, das sind die Situationen für dieses Sprichwort“, sinniert ein 26jähriger. Er denkt dabei auch an sein Hobby Fußballspielen und gewisse Torsituationen. Die Redewendung sei schon älter und auf jeden Fall bekannt, meint er schließlich.

Wie schon erwähnt kommen Zahlen oder Ziffern nicht so oft in unserem täglichen Sprachgebrauch der Redensarten vor. So erstaunte mich dann die Antwort des 89jährigen Theologen Pfarrer Franz K. (Name der Autorin bekannt), der „Aller guten Dinge sind drei“ auf die Trinität (Dreifaltigkeit) Gottes, Vater, Sohn und Heiliger Geist zurückführt. „Die Familie ist das Abbild der Trinität Gottes, sie ist die Kirche im Kleinen“, sagt er und denkt dann noch einmal in eine andere Richtung. Es gehe wohl auch darum, dass sich zwei Leute treffen und ein Dritter, ein Vertrauter käme hinzu. „Nein, ich benutze diese Redensart nur selten“, endet Pfarrer K.

Und obwohl ich persönlich häufig und gerne diesen Spruch anwende, war auch mir die Herkunft bisher nicht bekannt. Gehen wir zurück ins Mittelalter und betrachten die Sprechweise der Menschen damals, dann steht fest, dass die Zahl „Drei“ „Driu“ genannt wurde und überhaupt die Redensart aus einem völlig anderen Gebiet hervorgegangen ist. Mit Recht und Ordnung hat es zu tun, genauer gesagt, mit der Rechtsprechung oder Rechtspraxis des germanischen Mittelalters. Denn „Ding“ bedeutet „thing“, bedeutet aber nicht, dass es sich um einen Gegenstand oder eine Sache handelt. Damals benutzten die Germanen das Wort für eine Gerichtsversammlung oder –verhandlung. Und diese wiederum fand nur drei Mal im Jahr statt. Wörtlicher: Drei Mal jährlich wurde Gericht (Ding) gehalten.

Aber nicht nur das – drei Mal konnte der Beklagte vorgeladen werden. Erschien er nicht vor Gericht, wurde das Urteil in Abwesenheit gesprochen. Fazit: „Aller guten Dinge sind drei“ bedeutet also, dass etwas zum dritten Mal versucht wird oder passiert, dass etwas drei Mal getan wird – auch oder gerade weil zwei Mal vorher ein negatives Ergebnis hervorging.

Unabhängig von Redensarten und Sprichwörtern gehört die Zahl „Drei“ durchaus zu den heiligen Zahlen. Wie Pfarrer K. erzählte, steht sie für die Dreifaltigkeit, kommt vor bei den Heiligen Drei Königen, der Heiligen Familie und der Auferstehung Christi am dritten Tag. Auch in der Kunst findet sich die Zahl Drei wieder. Ein Bild, bestehend aus drei Teilen, wird Triptychon genannt. Ein Musikstück oder Buch in drei Teilen, sowie Filme als Dreiteiler nennt man Trilogie. Im Märchenland verschenkt die gute Fee drei Wünsche, der Lebenszyklus lautet Kindheit – Erwachsenenalter – Alter, oder auch Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Die Zahl symbolisiert das Dreieck, steht im Karneval für drei tolle Tage, ist aus der Mathematik bekannt mit dem Dreisatz.

Und nicht zuletzt hat sich sogar der Sänger Reinhard Mey mit dem Sprichwort beschäftigt. In seiner Ballade „Aller guten Dinge sind drei“ singt er in liebevoller und lustiger Beschreibung seines Vater-Alltags von seinen drei Kindern.

Vielleicht begegnet Ihnen nun im Alltag die Zahl Drei öfter als vorher, wo und wie auch immer oder vielleicht achten Sie nun mehr darauf. Ganz sicher aber werden Sie erstaunt sein, wie häufig diese Zahl auftaucht.

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