Alltägliche Chemie – Gefahr oder nicht?

Ja, werden jetzt einige Leserinnen oder Leser sagen, klar, wenn wir auf alles verzichten sollen, was angeblich gefährlich für uns ist, dann dürfen wir nichts mehr essen oder trinken, müssen auf alltägliche Kosmetikutensilien verzichten oder auf gewohnte Putzmittel, dürfen kaum noch Kunststoffe verwenden in Küche und Haushalt und die Kleidung – ach das ist noch einmal eine andere Geschichte… Ist das so? Machen wir uns verrückt? Sind wir zu gleichgültig? Ich glaube tatsächlich, von allem ein wenig.

Alltägliche Chemie, Nagellacke, Foto Bruno Germany auf Pixabay

Nagellack    

Nachgewiesenermaßen sollen Nagellacke gesundheitsschädlich sein – und ja, ich verzichte seit fast zwei Jahren immer öfter auf die wunderschönen Lacke, die unsere Frauenhände hübsch aussehen lassen. Aber um welchen Preis? In vielen Nagellacken sind sogenannte Nitrosamine enthalten (…eine Stoffklasse organisch-chemischer Verbindungen. Sie gehören zu den krebserzeugenden –karzinogenen- Substanzen), Quelle: https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Nitrosamine-Gift-im-Nagellack-nachgewiesen,nagellack142.html. Zahlreiche Seiten im Internet weisen auf Inhaltsstoffe wie den Weichmacher Triphenylphosphat (TPHP), sowie Benzophenon, Formaldehyd oder das Lösungsmittel Toulol hin. Zwar enthält ein kleines Fläschchen sicherlich jeweils nur wirklich wenig dieser Inhaltsstoffe, doch wie häufig lackieren wir unsere Nägel und wie oft geht ein wenig Lack über in die Nagelhaut? Denn nicht der Nagel nimmt diese Giftstoffe auf, sondern die Haut im Nagelbett. Und diese kleinen Missgeschicke des Überpinselns auf die Haut passieren leider öfter.

Alltägliche Chemie, Farbbottiche zum Einfärben von Wolle und Fasern, Foto LoggaWiggler auf pixabay

Kleidung und Textilien   

Aber schauen wir uns die Kleidungs- und Textilherstellung an. Formaldehyd ist häufig in bügelfreier Kleidung zu finden. Aber auch in anderen Textilien, die Etiketten enthalten, auf denen ein Waschen vor dem ersten Tragen empfohlen wird, ist häufig ein höherer Formaldehyd-Anteil enthalten. Unter  https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/textilindustrie#der-herstellungsprozess- erfahren Sie detailliert, wie und mit welchen Chemikalien Garne für die Weiterverarbeitung präpariert und bearbeitet werden. Und wer schon einmal während einer Fernreise in ein asiatisches Land reisen konnte, in dem Stoffe gefärbt werden und dort die Möglichkeit hatte, diesen Vorgang mitzuerleben – der weiß, was Chemie in Stoffen bedeutet. Wir haben in Thailand solch‘ einen Vorgang besichtigen können und waren nicht nur erschrocken, sondern höchst alarmiert. Die dort arbeitenden Menschen stehen barfuß in heftigst stinkenden Farbbrühen, die über die Bottiche laufen, wenn die Stoffe herausgehoben werden. Ein intensiver ekliger chemischer Gestank zieht durch alle Räume oder Hallen. Wenn wir hier bei uns extrem preiswerte Kleidung aus dem asiatischen Bereich kaufen, können wir häufig immer noch diese chemischen Gerüche in den Stoffen wahrnehmen. Es ist dringend erforderlich, neue Kleidung, egal wo sie gefertigt wurde, vor dem ersten Tragen zu waschen, damit wirklich alle eventuell verwendeten Chemikalien weitestgehend ausgewaschen werden. Und viele Kleidungsstücke verlieren tatsächlich beim Waschen viel Farbe.

Alltägliche Chemie, Plastikgeschirr, Foto jhfl auf pixabay

Kunststoff-/Plastik-Gegenstände       

Unter dem Link https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3782.pdf erfahren Sie sehr ausführlich in einer 18-seitigen Abhandlung des Umweltbundesamtes alles über die Chemikalie „Bisphenol A“, kurz BPA genannt. Titel: „Bisphenol A – Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen“. Und schaut man sich an, in welchen alltäglichen Gegenständen diese Chemikalie enthalten ist, dann wird schnell klar, dass es gesundheitliche Schäden hervorrufen kann. Das Innenleben der Konservendosen oder die Kassenzettel aus speziellem Papier sind betroffen. Kunststoffgeschirr oder –Behälter, die nicht ausdrücklich eine BPA-Freiheit aufweisen (wie etwa beim Spezialgeschirr für Mikrowellen), sollten auf keinen Fall mit heißen Getränken oder heißen Lebensmitteln benutzt werden.

Alltägliche Chemie, Cremetopf, Foto Andreas160578 auf Pixabay

Kosmetikartikel    

Hier heißt das umstrittene chemische Zusatzprodukt „Parabene“, welches als Konservierungsmittel eingesetzt wird und je nach Verwendungsmenge den Hormonhaushalt beeinflussen könnte.  Auf der Seite des Bundesamtes für Risikobewertung können Sie unter dem Link https://www.bfr.bund.de/cm/343/verwendung_von_parabenen_in_kosmetischen_mitteln.pdf in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2011 ausführlich erfahren, in welcher Konzentration das Vorhandensein von Parabenen in Kosmetikartikeln als unbedenklich bewertet wurde. Und die seit über 100 Jahren bekannte und beliebte Penaten Creme ist leider auch in den letzten Jahren immer wieder in die Kritik geraten, da die Inhaltsstoffe alles andere als harmlos erscheinen. Auf der Firmen eigenen Webseite https://www.penaten.de/produkte/penaten-creme sind die einzelnen Inhaltsstoffe der Creme aufgeführt. So werden beispielsweise Petrolatum und Paraffinum Liquidum aus Erdöl gewonnen.

Sicher könnte ich diese Liste noch erheblich verlängern. In unserem täglichen Leben umgeben wir uns mehr und mehr wie selbstverständlich mit Gegenständen, die bei näherer Betrachtung als gesundheitsschädlich angesehen werden können. Wir benutzen relativ leichtfertig wohlduftende, geschmeidige und optisch ansprechende Kosmetikprodukte und freuen uns über immer neu im Verkaufsregal auftretende Putz- und Reinigungsmittel. Bio Bio über allem ist der Trend der letzten Jahre – aber auch hierzu habe ich bereits in einem anderen Bericht feststellen können – wo Bio draufsteht, ist noch lange nicht Bio drin!

Es gilt also in unser aller eigenem Interesse: Alltags-Chemie aufspüren und diese Produkte nach Möglichkeit nicht mehr verwenden. Bleiben Sie gesund!

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