Berlin Tipp – Zitadelle

Berlin Zitadelle, Teilausschnitt, Foto Ute Boysen

Im Moment fällt das Urlauben oder Reisen leider aus gegebenem Anlass aus. Selbst kurze Städtereisen sind mehr oder weniger nicht möglich. Aber dennoch möchte ich Ihnen einen Berlin Tipp weitergeben, denn irgendwann können wir wieder andere Städte, Regionen oder Länder besuchen. Und dann schauen Sie einmal, was Berlin noch so zu bieten hat:

Als wir vor einigen Wochen ein paar Tage in Berlin verbrachten, hielten wir uns fern von den Sehenswürdigkeiten, die wir erstens schon sehr genau kennen und zweitens aufgrund der vielen Besucher eher meiden wollten. Was also konnten wir unternehmen? Mir fiel die „Zitadelle“ in Spandau ein. Bei einem sehr kurzen Städtetrip wird diese eher selten auf dem Plan stehen und so hatten wir viel Zeit, um uns einmal eine ganz andere Sehenswürdigkeit in dieser so großen weitläufigen Stadt anzuschauen.

Berlin Zitadelle, Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum, JEIN danke Plakat, Foto Ute Boysen

Mit der U-Bahn ist man wirklich sehr schnell in Spandau, wenngleich der Stadtteil etwas außerhalb des Kerns liegt. Spandau hatte und hat schon immer einen Sonderstatus eingenommen in der langen Stadtgeschichte und wollte im Jahr 1920 partout nicht eingemeindet werden zu Berlin. Hierzu gibt es sehr umfangreiche und detaillierte Informationen jeder Art im Stadtgeschichtlichen Museum Spandau, welches sich im Zeughaus der Zitadelle befindet. Die Dauerausstellung zeigt Hunderte von Gegenstände, Dokumente, Fotos oder Zeitungsausschnitte, die diesen Wiederstand belegen.

Berlin Zitadelle, Ausstellung JEIN danke, Zeitungsnotiz, Foto Ute Boysen

Eine derzeitige Ausstellung namens „JEIN danke! Spandau und die Gründung von Groß-Berlin 1920“ findet noch bis zum 15. Mai 2021 statt. Ob und wann diese tatsächlich besucht werden kann in der laufenden Corona-Krise ist nicht vorhersehbar.

Die Kurzbeschreibung zu „Zitadelle“ lautet unter www.wikipedia.de wie folgt: „Eine Zitadelle ist eine kleine in sich abgeschlossene Festung, die entweder innerhalb einer größeren liegt oder einen Teil der Enceinte der größeren Festung bildet. Bei einer Erstürmung der Stadt durch feindliche Truppen diente sie als Rückzugsort für die Garnison und letzter Widerstandskern der Stadt.“ (Enceinte, französisch, Innenraum, abgeschlossener Bereich) eigene Anmerkung.

Eine kleine Festung also. Aber der Begriff klein ist dehnbar, denn als wir die Zitadelle erreichten, erstaunten uns sowohl die Weitläufigkeit der Anlage als auch die Vielzahl an Gebäuden. Was uns aber sehr erfreute war die Tatsache, dass wir fast allein diese so interessante Sehenswürdigkeit in aller Ruhe und Beschaulichkeit erkunden konnten.

Berlin Zitadelle, Ausgrabung Slawische Siedlung, Foto Ute Boysen

Beginnen sollte man den Besuch im „Archäologischen Fenster“, einem Gebäude, das nicht auf Anhieb zu sehen und zu finden ist. Aber hier an dieser Stelle sind durch Grabungen faszinierende Funde freigelegt worden, die unter anderem auf eine slawische Besiedlung hindeuten. Allein schon das Stadtgeschichtliche Museum Spandau ist einen Besuch wert.

Berlin Zitadelle, Denkmäler, Foto Ute Boysen
Berlin Zitadelle, Überlebensgroße Denkmäler, Foto Ute Boysen

Betreten Sie allerdings im Proviantmagazin der Zitadelle die Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“, dann werden Sie erstaunt und überrascht sein. In gewaltiger Größe stehend oder sitzend wurden hier kulturhistorische politische Persönlichkeits-Denkmäler aufgestellt. Wie uns einer der Mitarbeiter erzählte waren diese überall in der Stadt Berlin an verschiedensten Stellen und Plätzen aufgestellt. Bevor sie kriegsbedingt zerstört werden konnten, wären sie der Erzählung nach abgebaut, versteckt und vergraben worden. Wir waren wirklich beeindruckt.

Berlin Zitadelle, Großfoto mit historischer Maschine, Foto Ute Boysen
Berlin Zitadelle, Kanonen und Kriegsmaterial, Foto Ute Boysen

Im so genannten Kommandantenhaus wiederum wird durch eine Ausstellung die gesamte Historie der Zitadelle nahegebracht. Auch hier sind in großer Zahl sowohl Gegenstände als auch zeitgeschichtliche Niederschriften oder Fotografien zu besichtigen und gewähren eine umfassende Information zur Festungsanlage. In der Exerzierhalle wurden wir erneut überrascht von der großen Anzahl erhaltener Kanonen, Geschütze, Waffen, steinerner Wurfgeschosse und vielem mehr. Diese Sammlung reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert und ganz nebenbei erfährt der Besucher, dass Spandau die Waffenschmiede Preußens war.

Zitadelle Berlin, Kunsthandwerkshaus, Glaskunst, Foto Ute Boysen

Der Rundgang führt letztendlich zu einem alten langgestreckten Gebäude, in welchem unter anderem kunsthandwerkliche Kleinbetriebe ihrer Arbeit nachgehen. Das „Gerd-Steinmöller-Künstlerhaus“ beherbergt unter anderem neben einer „Wollwerkstatt“ den

Zitadelle Berlin, Kunsthandwerkshaus, fertiggestellte Glasgegenstände, Foto Ute Boysen

„Klang-Holz e.V. –

Zitadelle Berlin, Kunsthandwerkshaus, Instrumente aus Holz, Foto Ute Boysen
Zitadelle Berlin, Kunsthandwerkshaus, Instrumente aus Holz Herstellung, Foto Ute Boysen

Musikinstrumente bauen und spielen“, sowie einen „Fledermauskeller“ oder die „Glasgravur“. Leider haben alle Kleinbetriebe unterschiedliche Öffnungszeiten. Obwohl wir zu einer Zeit mit vielerlei Einschränkungen die Zitadelle Spandau besuchten und auch der Turm nicht besichtigt werden konnte, haben wir ein paar bemerkenswert interessante und lehrreiche Stunden hier verbracht. Für eine Berlin-Reise ohne Zeitnot ein wirklich guter Tipp!

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