Berühren, streicheln, drücken

Senioren und ihre Haustiere

Französische Bulldogge wird gestreichelt, Foto Jeanette-Wolf-Seniorenzentrum

Die positive Wirkung, welche Haustiere auf uns Menschen haben, ist unumstritten. Egal, ob es sich um Hund, Katze, Vogel oder Goldhamster handelt – hier dreht es sich unter anderem um das Kümmern, das Dasein für ein kleines hilfloses Wesen und das Gefühl nicht allein zu sein.

Wie besonders wichtig dies alles für Senioren ist, lässt sich leicht erkennen. Oft genug ist das geliebte Haustier der einzige kleine Freund, welcher berührt, gestreichelt und gedrückt werden kann. Ob sich ein Goldhamster freut wenn „sein“ Mensch nach Hause kommt ist wohl noch nicht weit genug erforscht. Unumstritten ist  dagegen die große Freude bei Hund, Katze und sogar Vogel, wenn Herrchen oder Frauchen heimkommen. Das warme Gefühl, welches die häufig stürmische Begrüßung des Haustieres hervorruft, mögen die Tierliebhaber nicht missen.Doch irgendwann steht vielleicht einmal der Umzug in eine Senioreneinrichtung an und es stellt sich die Frage „Wohin mit dem kleinen Freund?“.

JWS Seniorin gibt Hündin Gianna leichte Kommandos, Foto Jeanette-Wolf-Seniorenzentrum

Hier entscheiden Senioreneinrichtungen ganz individuell: „In erster Linie muss immer geklärt werden, ob die Verwandten bereit und in der Lage sind, sich gemeinsam mit dem Senior/der Seniorin um das Tier zu kümmern“ so Barbara Bollwerk vom Jeanette-Wolf-Seniorenzentrum. Und weiter „Es spielt eine große Rolle, ob der Senior oder die Seniorin noch rüstig genug ist das Tier zu versorgen und die Tier-Unterkunft, wie zum Beispiel ein Katzenklo, reinigen kann.“

Wie aber können Senioren und Seniorinnen ohne eigenes Haustier trotzdem in den wohltuenden Kontakt kommen mit einem Tier? Darüber hat sich Bollwerk Gedanken gemacht und folgende Lösung gefunden:

Über ihre Mitarbeiterin Monika Hüls-Rasek wurde eine Verbindung zur Therapeutin Marion Mersmann hergestellt. Diese züchtet französische Bulldoggen, welche relativ unbekannt sind und aus diesem Grund häufig von den Bewohnern des Jeanette-Wolff-Seniorenzentrums als Möpse bezeichnet werden. Es handelt sich hier um eine sehr liebe und geduldige Hunderasse. Auch wenn diese Hunde einmal schlechte Erfahrung mit einem Menschen gemacht haben, zum Beispiel ohne böse Absicht gezwickt oder etwas grober angefasst wurden, so gehen sie doch immer wieder freundlich auf diese Menschen zu.

Theo Mispelkamp mit Therapiehündin Gianna, Foto Jeanette-Wolf-Seniorenzentrum

Die Hunde werden zu Therapiehunden ausgebildet und Mersmann besuchte in der Vergangenheit regelmäßig mindestens zweimal wöchentlich mit ihnen die Senioreneinrichtung.Mit großer Freude wurden die Hunde dort willkommen geheißen. Die Therapeutin hatte für ihre Hunde einen Kinder-Sportwagen umgebaut, damit diese auf gleicher Sitzhöhe sein konnten wie zum Beispiel ein Bewohner, der auf einem Stuhl oder im Rollstuhl sitzt.

Nach Absprache mit Angehörigen und Betreuern ging Mersmann auch zu den bettlägerigen Bewohnern. Eine spezielle Decke wurde auf das Bett gelegt und die Therapeutin setzte den Hund auf diese Decke. Der Senior oder die Seniorin konnte nun den Hund berühren, streicheln und mit ihm sprechen. Bereits seit drei Jahren erfreut nun die Australian Shepherd Hündin „Gianna“, die ebenfalls zum Therapiehund ausgebildet wurde, die Bewohner des Seniorenheims. „Diese Rasse ist aktiver und auch intelligenter als Französische Bulldoggen“, erklärt die Leiterin des Seniorenheims. Begleitet und angeführt wird die Hündin von Theo Mispelkamp, der durch Therapeutin Mersmann entsprechend eingewiesen wurde. Jede Woche besucht er an einem Vormittag mit „Gianna“ die Bewohner und übt diese Ehrenamtsaufgabe mit großer Freude aus.

Seniorin mit Therapiehund Gianna, Foto Jeanette-Wolf-Seniorenzentrum

Bollwerk erzählt begeistert „Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, welch eine positive Kraft von den Hunden ausgeht. Hände, die sonst verkrampft auf der Decke liegen beginnen sich langsam zum Tier hin zu öffnen. Oder die bettlägerigen Bewohner reagieren auf die Tiere, indem sie ihnen mit den Augen folgen. Wir beobachten, dass der Atem ganz ruhig und gleichmäßig wird und dass in physischer und psychischer Hinsicht der Besuch eines solchen Hundes ein großer Erfolg ist für unsere Bewohner.“

So ist es wünschenswert, dass vielen Bewohnern in Senioreneinrichtungen, ob aktiv oder passiv, die Möglichkeit eingeräumt wird, in Kontakt mit Tieren zu kommen. Weil berühren, streicheln und drücken eines Tieres so viel Freude bringen kann.

 

 

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