Bezaubernde Jeannie – unvergessliche TV-Serien

Magie, Foto Briam Cute auf pixabay

Im Jahr 1967 hatten wir bereits verschiedene Serien im deutschen Fernsehen lieben gelernt und mit Cowboys oder Tieren mitgefiebert, gelitten oder gebangt. Es handelte sich für uns Zuschauer immer um mehr oder weniger nachvollziehbare Geschichten oder Alltagserlebnisse in, zugegebenermaßen, fremden Ländern oder sogar Erdteilen. Wir verstanden die Verhaltensweisen und Beweggründe der Seriendarsteller in ihren Rollen und waren zufrieden.

Doch dann erschien die „Bezaubernde Jeannie“ auf dem deutschen Bildschirm und wirbelte alles durcheinander. Denn mit dieser amerikanischen Serie hatte das ZDF ein neues Genre ausprobiert. Wir wurden in die Welt der Märchen, der Fantasy, des Staunens katapultiert. Und damit das Ganze nicht als „Mädchenkram in Rosa und Pink“ abgetan werden konnte, wurde kurzerhand zum Flaschengeist „Jeannie“ ein Astronaut der NASA als zweite Hauptfigur integriert. Was dabei nun herauskam – das fasziniert bis heute weibliche und männliche Serienliebhaber, denn eine gehörige Portion Humor ist aus dieser Serie nicht wegzudenken.

Worum geht es nun bei den Episoden der bezaubernden Jeannie und wer ist sie überhaupt? Eine kleine aber feine märchenhafte Geschichte, kombiniert mit der kühlen, sachlichen Arbeitswelt des NASA-Astronauten Captain Tony Nelson hat folgenden Hintergrund: 2000 Jahre zuvor wurde Jeannie, ein weiblicher Geist, durch einen erzürnten Dschinn dazu verbannt, fortan in einer Flasche zu leben (ein Dschinn ist in der islamischen Vorstellung ein übersinnliches Wesen, das aus rauchlosem Feuer erschaffen ist, über Verstand verfügt und neben den Menschen und den Engeln mit anderen Dschinn die Welt bevölkert, Quelle: Wikipedia).

Diese Flasche findet Captain Tony Nelson auf einer entlegenen Pazifik-Insel, auf der er nach einem Absturz gestrandet ist. Und wie schon aus anderen orientalischen Märchen bekannt, befreit er aus dieser Flasche den Dschinn Jeannie. Natürlich ahnt Nelson nicht, dass er ab sofort der „neue Meister“ dieses Geistes sein wird. Hierzu soll erwähnt werden, dass direkt in der ersten Folge den Geist als „frei“ bezeichnet wurde.

Der geöffneten Flasche entsteigt aus einer Rauchsäule eine blonde, sehr hübsche Frau, bekleidet mit orientalischen Beinkleidern, zarten schleierartigen Kopfbedeckungen und bauchfrei – wie man sich einen Flaschengeist bisher so nicht vorstellen konnte. Wie gesagt, es prallten zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein können, aufeinander und bescherten uns Zuschauern so manch ein Schmunzeln. Jeannie schlägt die Arme waagerecht übereinander, zwinkert mit den Augen – und ein Wunsch, eine Wunschvorstellung, eine Bitte – wird erfüllt.  Ein Gedanke, der ja erst einmal auch uns Erwachsene absolut fasziniert.

Doch was alles missverständlich dabei herauskommen kann, mit welchen fatalen Folgen ab sofort der NASA-Astronaut sein Leben meistern muss, das zeigen uns die vom ZDF ausgestrahlten ersten 13 Folgen Ende des Jahres 1967 und spätere 65 Episoden. So gelingt es Jeannie, sich und den Captain von der Insel wegzuzaubern, ihm heimlich nach Florida in seine Heimat zu folgen und fortan für allerlei Wirbel und Unfug zu sorgen. Niemand weiß von Jeannie. Einzig Tonys Freund Roger ist eingeweiht.

Die insgesamt 139 Episoden umfassende Serie wurde im Jahr 1989 vom Sender Sat1 wiederholt und im Jahr 2005 noch einmal vom Sender Kabel 1 ausgestrahlt. Beide Male mit großem Erfolg. Verschiedene Neuverfilmungen in Spielfilmlänge begeisterten die Zuschauer gleichermaßen. Und wer einmal hineinschauen möchte, der findet im Internet Auszüge aus den einzelnen Folgen und Staffeln oder kann die komplette Serie käuflich erwerben.

Letztendlich kann Jeannie alles herbeizaubern, was das Herz begehrt. Ob ein blitzschneller Hausputz, Zeitreisen zu längst verstorbenen Dichtern oder Feldherren, Gegenstände, die den Captain eher verwundern – Jeannies Magie kennt keine Grenzen. Leider aber hat „ihr geliebter Meister“ andere Vorstellungen von seinem Leben und lehnt herbeigezauberte Reichtümer, Unterstützung in seinem Berufsleben oder andere magische Hilfen rundheraus ab. Immer wieder kommt es zu Verwirrungen, Verwicklungen und humorvollen oder peinlichen Situationen. Genau das macht den Erfolg der Serie aus, denn obwohl es sich um einen weiblichen Flaschengeist handelt, der innerhalb der Flasche eine pinkfarbene Plüschwelt bewohnt, bringen die Episoden auch die männlichen Fernsehzuschauer zum Lachen.

Doch wie bei allen Serien gab es auch bei der „Bezaubernden Jeannie“ das ein oder andere Erwähnenswerte. So wurde die Flasche, in der sie lebte, bereits im Jahr 1964 von der bekannten Whiskey Firma „Jim Beam“ kreiert und auf den Markt gebracht. Schlafzimmerszenen, in denen sich Captain Tony Nelson und der Flaschengeist Jeannie gleichzeitig im Raum aufhielten, durften nicht gezeigt werden. Auch der Bauchnabel der Schauspielerin sorgte für große Aufregung. Hier gab es ein absolutes Verbot, diesen zu zeigen, laut damaliger Medienberichte konnten die Zuschauer nur seltene Male den Bauchnabel sehen, da das Kostüm verrutschte. Sogar die tatsächlichen Bedeutungen der US Air Force, der US Army oder der NASA, die Farben der jeweiligen Uniformen und Zuständigkeiten verwirrten informierte Zuschauer, da sie teilweise fälschlich dargestellt wurden.

Und dann erzählte mir Seniorin Anna W. (84) folgende Begebenheit: „Unsere Roswitha war damals sechs Jahre alt und durfte schon mal mitschauen, wenn wir diese Serie einschalteten. Vom ersten Moment an nahm sie es als wahre Geschichte und versuchte täglich mit den gleichen Armbewegungen und Augenzwinkern ihre Schulaufgaben zu erledigen. Was natürlich niemals geschah. Die Enttäuschung war riesengroß und unsere Tochter um eine Lebenserfahrung reicher“, erinnert sich die Seniorin.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here