Brust-Rekonstruktion nach 3maligem Brustkrebs durch eine Diep-Lappen Operation

Persönliches – Krankenhaus vor Weihnachten

Chirurgie, Foto Martin Büdenbender auf Pixabay

Einsam war es. Und still. Ich hätte nicht gedacht, dass in der schwierigen Zeit vor Weihnachten in einem Universitätsklinikum solch‘ eine Stille herrschen kann. Die Hektik, die Überlastung, die Überforderung wurde nur in Kleinigkeiten sichtbar. Nun muss allerdings dazu gesagt werden, dass der Klinikbereich Plastische Chirurgie andere Patienten beherbergt als die Stationen Innere Medizin oder die Intensivstationen. Dennoch war „meine“ Station mit 35 Zimmern voll belegt und die Ärzte(innen) und das Pflegepersonal voll ausgelastet.

Anstrengend war es. Und schmerzhaft. Sehr viel schmerzhafter als ich zuvor schon befürchtet hatte. Aber ich habe es geschafft. Die 6stündige Operation, die Zeit auf der Intensivstation, die Tage der absoluten Bettruhe und die damit verbundenen Schmerzen – geschafft. Ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen kann ich nur sagen, wie wunderbar es sich anfühlt, wieder selbständig die Pflege übernehmen zu können. Wie super fühlte es sich an, endlich wieder aufstehen zu dürfen. Auch wenn der Kreislauf nicht mitmachen wollte, auch wenn die Wundschmerzen nur eine gebückte Fortbewegung erlaubten – ich sah Licht am Ende des Tunnels. Sehr schmerzhaft empfand und empfinde ich das Tragen des Thorax-Abdominal-Stütz-Gurtes. Sehr breit reicht er über den gesamten Bauch und wird eng angelegt mit Klettverschlüssen befestigt. Diese enge medizinische Bandage dient der Stabilisierung, da ein Stück Bauchmuskel mit entfernt wurde. Insgesamt sechs Wochen soll ich diesen Gurt rund um die Uhr tragen.

Und so hangelte ich mich durch die stillen Tage. Die einzige Verbindung zur Außenwelt, zur Familie, bestand im Telefonieren. Doch selbst das Halten des Handtelefons (mein Handy lag im Safe) überanstrengte mich und verursachte zusätzliche Schmerzen im Armgelenk. Der Appetit verging mir durch Übelkeit als Begleiterscheinung oder Nebenwirkung verschiedener Medikamente. Das Lesen, meine Leidenschaft, war nicht möglich, weil ich weder ein Buch noch mein Kindl halten konnte. So blieb das Fernseh-Programm. Das Wichtigste daran? Die Stimmen anderer Menschen. Das Gefühl, nicht allein zu sein. Und dann hatte ich es geschafft. Am 8. Tag nach dieser großen, schwierigen Operation durfte ich nach Hause.

Nicht beschwerde- und schon gar nicht schmerzfrei. Aber ich durfte nach Hause. Am 22. Dezember, pünktlich zum Weihnachtsfest. Extrem anstrengende Tage zu Hause folgten. Flaches Liegen – nicht möglich, da die Spannung auf der langen Bauchnarbe vermieden werden muss. Der Oberkörper und die Beine müssen höher gelagert werden als der Bauchbereich. Die Brustnarben auf beiden Seiten sind nicht mehr verbunden, sondern nur leicht abgedeckt durch Mull-Kompressen. Ich kann kaum laufen, mich nur gebückt bewegen und meine Kondition liegt bei Null.

Dann folgte direkt nach Weihnachten, eine Woche nach der Entlassung und 2 Wochen nach der Operation die Nachuntersuchung im Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. Glücklicherweise wurde diese von einem der Chirurgen vorgenommen, der an der Operation beteiligt war. Sehr zufrieden sei er mit der Wundheilung. Ausführlich konnte ich erstmals über die stattgefundene Operation sprechen und bekam viele Fragen beantwortet. Leider war das während meines Aufenthaltes nicht wirklich möglich. Nun sollen alle Narben täglich mit Bepanthen Wund- und Heilsalbe eingecremt werden, und zwar für sechs Monate. Gleichzeitig verordnet wurde ein 3M Tape, welches ich für drei Monate auf alle Narben kleben soll, um ein Verhärten und Zusammenziehen der zahlreichen Narben zu vermeiden. Durch das Tapen sollen die Narben weicher und flacher werden. Hierzu gibt es nur ein Problem: das verordnete Tape ist in Deutschland nicht erhältlich und ein vergleichbares Produkt steht noch nicht zweifelsfrei fest, da es sich bei einem Vliespflaster und einem Tape um sehr verschiedene Produkte handelt. So vergeht die Zeit und ich bin noch keinen Schritt weiter. Nun erhoffe ich mir mehr Klarheit durch eine schriftliche Anfrage bei der Firma 3M Deutschland.

Silvester ist nun vorüber und Tag für Tag geht es mir besser. Ich versuche immer häufiger gerade zu gehen und auch mein Schritt-Tempo ein wenig zu erhöhen. Doch schon nach kürzester Zeit schluffe ich wieder und bekomme starke Rückenschmerzen durch permanent für meinen Körper fremde Haltungen. Aber schaue ich mich so an, 3 Wochen nach der großen Operation, dann bin ich mit mir recht zufrieden.

Wie lange der Heilungsprozess insgesamt dauern wird, wie lange die Nachsorge-Untersuchungen, ich weiß es nicht. Ich hoffe, dass mir mein Kampfgeist, mein optimistisches Denken und letztendlich mein so wichtiger Humor mir helfen werden, so schnell wie möglich wieder zu gesunden.

Und Ihnen liebe Leserinnen und Leser wünsche ich hier ein entspannteres und gesundes neues Jahr, Ihre Ute Boysen

2 Kommentare

  1. Genau das Gleiche habe ich 2018 aufgrund eines DCIS durchgemacht, war aber mit dem endgültigen Ergebnis sehr zufrieden. Leider habe ich gerade ein Rezidiv, deine Beiträge machen mir Mut, dass es nicht das Ende der Welt bedeutet. Danke dafür! LG, Karolina

    • Liebe Karolina, ich freue mich sehr, dass Du meinen Bericht im Dschungel des Netzes
      gefunden hast! Bleibe zuversichtlich, bleibe optimistisch und gehe trotz aller
      möglichen Verzweiflung mit Gelassenheit diese erneute Erkrankung an!
      Ich danke Dir für Deinen Beitrag und glaube fest daran, dass Du es wieder schaffst!
      Ganz liebe Grüße, Ute

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