Brustkrebs – zum 3. Mal

Löwenzahlblüte wächst aus Steinfugen, Foto Ute Boysen

Diesen meinen Blog wollte ich von Anfang an „redaktionell“ betreiben. Das heißt, interessante, informative Berichte über verschiedenste Themen und für unterschiedliche Leser erschreiben. Doch „Blog“ setzt sich, wie unter Wikipedia beschrieben, aus den englischen Begriffen „Web“ und „Log“ zusammen und bezeichnet ein „Logbuch oder Tagebuch“. So gesehen werde ich jetzt den ein oder anderen sehr persönlichen Eintrag hier erstellen, der sich mit meiner derzeitigen Situation befasst.

Brustkrebs – diese Diagnose hatte ich wieder befürchtet und dennoch zog es mir auch dieses Mal – zum 3. Mal – die Füße unter dem Körper weg.

Doch ich beginne anders, ich beginne mit dem Oktober 2004, als ich gerade nach mehr als 3jährigem Leben in Indien in die Heimat zurückkehrte und nach einigen Wochen, noch nicht einmal im deutschen Alltag angekommen, die Diagnose „Brustkrebs“ erhielt. Damals bin ich zusammengebrochen, war verzweifelt, entsetzt und befand mich für lange lange Zeit in einer Art Schockstarre. Was folgte war eine mehrstündige Operation mit Wiederaufbau, eine Chemobehandlung mit totalem Haarausfall, 33 Bestrahlungen und der Verlust meines Humors. Wie gesagt, ich war noch nicht einmal wieder im deutschen Alltag angekommen, hatte mein Sozialleben noch nicht wieder aufnehmen können und wurde von jetzt auf gleich zu einem anderen Menschen, den ich selbst nicht recht wieder erkannte.

Ich zog mich total zurück. Machte alles mehr oder weniger mit mir selbst aus und versuchte irgendwie weiter zu machen. Die Familie war da. Die Angst vor einer erneuten Krankheit begleitete mich und nahezu drei extrem anstrengende Jahre vergingen, bis ich durch zwei Ehrenämter wieder ins Leben zurück fand, Mut schöpfte, meinen Humor wieder gewann und neue Fähigkeiten entdeckte – das Schreiben.

Vier Jahre später – im Jahr 2008 erwischte es mich ein zweites Mal eiskalt … Ein Narbenrezidiv. Wieder bösartig, wieder eine Operation, anschließend eine Tamoxifen-Behandlung, die ich nach einigen Monaten aufgeben musste aufgrund massiver Nebenwirkungen. Danach fünf Jahre die Einnahme des Medikamentes „Aromasin“. Ich habe auch diese Behandlung gut überstanden, habe positiv nach vorn geschaut, mit meinen Ehrenämtern weitergemacht und gekämpft.

Und nun – 10 Jahre später – zu Beginn diesen Jahres bemerkte ich Veränderungen, Schmerzen, Unwohlsein und ein sehr schlechtes „Bauchgefühl“. Ich suchte nacheinander die Fachärzte auf und letztendlich wurde ich in dieser Woche erneut operiert. Am Dienstag fand die Operation statt und am gleichen Abend erhielt ich die Diagnose. Zum 3. Mal hatte ich Brustkrebs, wieder ein Narbenrezidiv – mein Bauchgefühl war leider richtig.

Gestern, Donnerstag erleichterte mich die Auskunft durch die Pathologen, die mir von der Oberärztin übermittelt wurde „Ausreichend entfernt, die Ränder sind ok“. Eine Bestrahlungsbehandlung wird aber laut Chefärztin sehr wahrscheinlich folgen müssen.

Ich habe es wieder geschafft, bin zu Hause, sehr müde, sehr mitgenommen und stehe irgendwie noch ein wenig neben mir. Am kommenden Montag wird von den verschiedenen Fachärzten die so genannte „Tumorkonferenz“ abgehalten, in welcher über die weitere Behandlung und Vorgehensweise beratschlagt wird. Am kommenden Mittwoch weiß ich dann, was mir die nächste Zeit an Unterstützung der medizinischen Mittel vorgeschlagen wird.

Aber in erster Linie versuche ich positiv zu bleiben, mich zu freuen, dass ich wieder rechtzeitig handeln konnte, zuversichtlich alles anzugehen und meinen Humor zu behalten. Ich lebe – und ich würde gerne verrückte Sachen machen, verrückte Kleidung tragen und verrückte Leute kennenlernen. Wenn nicht jetzt – wann dann?

Bis bald, Eure Ute

4 Kommentare

    • Vielen lieben Dank! Ich bleibe positiver Stimmung!
      Aufstehen – Krone richten – weiterlaufen! LG

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