„Die Waltons“

Unvergessliche TV Serien

Altes Farmhaus, Foto Emslichter auf pixabay

Ein weißes Haus mit vielen Fenstern an der Frontseite, einsam gelegen. Ein junger Mann sitzt schreibend am Tisch und schaut hinaus, erblickt das Auto seines Vaters und läuft hinunter zur Begrüßung. Nach und nach finden sich alle Familienmitglieder fröhlich am Auto ein. So beginnt eine Serie, die in den Jahren 1972 bis 1981 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde – „Die Waltons“. Und anders als die „Dallas-Familie“ erwärmte uns jede Episode dieser Familie und gab uns zudem sogar wertvolle Tipps für das Zusammenleben.

„Die Waltons“ – es hat mich wirklich erstaunt, wie viele von mir Befragte sofort lächelnd mit einem „Gute Nacht John-Boy“ antworteten. Ja es war gerade die liebevolle allabendliche Verabschiedung der einzelnen Familienmitglieder, die nachhaltig in der Erinnerung vieler Zuschauer haften blieb. Doch beginnen wir mit der Serie an sich. Der eingangs beschriebene junge Mann ist John-Boy, ältestes von sieben Kindern der Familie Walton. Er möchte Schriftsteller werden und beginnt ein Tagebuch über sein Leben zu schreiben. So beginnt jede Folge der Serie. Was jedoch kaum jemand weiß – die gesamte Serie basiert auf dem autobiografischen Roman „Spencer’s Mountain“ von Earl Hammer jr.

Angesiedelt in einem Gebirgszug im Osten der USA, in den „Blue Ridge Mountains“ des Staates Virginia leben drei Generationen einer Familie unter einem Dach. Wir befinden uns zu Beginn der 30er Jahre und in diesem Teil der Welt scheint noch alles in Ordnung zu sein. Wie keine andere Serie vermittelten die einzelnen Episoden das Gefühl „Familie“ ist und bleibt das Wichtigste im Leben. Die Großeltern Ester und Samuel, die Eltern John und Olivia und die sieben Kinder John-Boy, Jason, Mary-Ellen, Benjamin, Erin, Jim-Bob und Elizabeth bilden eine sicht- und spürbare Familieneinheit, wie sie sich wohl jeder Zuschauer selbst gewünscht hat.

Und wie es in jeder Familie mit mehreren Kindern zugeht, wie jedes Kind „seinen“ Platz innerhalb dieses Gefüges ausfüllt, welche Stärken, aber auch Schwächen jedes einzelne Familienmitglied mit sich bringt, das alles ist wie aus dem Leben gegriffen und begeisterte wohl gerade deshalb die Zuschauer. Jeder fand sich in irgendeiner Form wieder. Und Eltern mit gleichaltrigen Kindern haben sicher mehr als einmal erleichtert gedacht „wie bei uns, alles scheint also richtig zu sein wie es ist“.

Warum aber, so fragte ich mich und auch andere, schauten wir uns diese Serie so gerne an, wenn sie doch das alltägliche Familienleben wiederspiegelte? Die Antworten waren eindeutig: weil uns gezeigt wurde, wie einträchtig, wie liebevoll, wie verständnisvoll eine Familie mit drei verschiedenen Generationen miteinander umgehen kann. Das „kann“ ist wohl das Entscheidende. Denn natürlich gibt es in jeder Familie Zwistigkeiten, Eifersüchteleien und Unverständnis. Aber wie man damit umgehen kann, wie man reagieren kann oder was wir daraus lernen können, das zeigte uns diese Familie wieder und wieder.

Mutter Olivia zum Beispiel bürstete ihre unglaublich langen Haare immer und immer wieder abends zu einer Seite hin. Sitzend vor der Frisierkommode flocht sie anschließend einen Zopf. In einer Episode ging es genau darum – immer alles gleich zu machen, das alltägliche Einerlei, die ständigen Gewohnheiten und den Wunsch, einmal auszubrechen, etwas anders zu machen, Gewohnheiten zu durchbrechen. Vater John und Mutter Olivia sind an solch einem Punkt angelangt. Olivia macht sich Gedanken über den Sinn ihres Lebens, fühlt sich nicht mehr wirklich gebraucht. Wie nun die Eheleute damit umgehen und schlussendlich doch spüren, dass allein sie als Partner und die Familie wichtig sind – das machte die Episoden so sehenswert. Ausgestrahlt wurde die Serie bis zum Jahr 1981 und doch scheint es auch heute wichtiger denn je, den tiefen Sinn und Zusammenhalt einer Familie zu leben.

Als ich zwei jüngere Frauen nach der Serie „Die Waltons“ befragte, lächelten beide sofort. Maike B. (36) erinnerte sich sofort an die Großfamilie und das fröhliche Leben, Silke B. (32) erzählte davon, dass sie häufig im Kindergarten an die Verabschiedungen denken müsse. Wenn sie mit ihren drei Kindern morgens dort eintrifft, werden alle drei namentlich begrüßt mit den Worten „Guten Morgen Luke, guten Morgen Haley, guten Morgen John“. Hin und wieder denkt Silke B. dann an die Familie Walton. Mit den Worten „Gute Nacht John-Boy“ – „Gute Nacht Jim-Bob“ – „Gute Nacht Elizabeth“ verabschieden sich die einzelnen Familienmitglieder zur Nacht und nach und nach werden die Lichter gelöscht und das Haus liegt ruhig und friedlich in der Dunkelheit.

(Erstveröffentlichung Mai 2018)

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