Das Zille-Museum

… Berlin – Du bist so wunderbar!

Berlin Zille Museum, Aussenansicht, Foto Ute Boysen

Drei Jahre sind vergangen, seit ich das letzte Mal meine absolute Lieblingsstadt Berlin besuchte. Und in drei Jahren hat sich unsere Bundeshauptstadt schon wieder verändert. Es sind kleine und große Veränderungen, Neubauten, Abriss-Stellen, ja auch das Weichen von Altbekanntem – alles ist in dieser pulsierenden Stadt auch heute noch ständig in Bewegung. Ich liebe diese Stadt, seitdem wir vor einigen Jahrzehnten hier für zwei Jahre lebten.

Doch heute möchte ich vom Zille-Museum berichten, dass wir nun gerade im Mai besuchten. Ein kleines aber feines Museum, das mit viel Liebe umfangreiche Werke dieses Künstlers ausstellt. Zille, dessen Kindheit durch Armut und Elend geprägt wurde zog mit seinen Eltern im Alter von neun Jahren in die Stadt Berlin und machte die bittersten Erfahrungen großstädtischen Lebens. Als Fremdenführer oder Kofferträger verdiente er sich später sein Geld und beobachtete die Mädchen leichten Gewerbes im Alltag.

Zilles Zeichenlehrer gab ihm schließlich den Hinweis auf seinen zukünftigen Beruf. Nach seiner dreijährigen Ausbildung bekam er im Jahr 1877 eine Anstellung bei der fotografischen Gesellschaft und beherzigte den Rat „…im Freien beobachten und nicht nachmalen!“. So sollte Otto Nagel einmal über ihn sagen: „Er ging auf die Straße und strichelte seine Studien.“ Ein besonderes Lob erhielt Zille von Käthe Kollwitz, die ihn mit folgenden Worten beschrieb: „Er ist restlos Künstler“.

Berlin Zille Museum, kleiner Eingangsbereich, Foto Ute Boysen

Dieser Zille also ging auf die Straßen, suchte Berliner Kneipen auf (auch solche aus der Unterwelt) und skizzierte alles und jeden mit schnellen Bleistiftstrichen. In besagten Kneipen auch schon mal unter dem Tisch, denn nicht jeder Wirtshausbesucher hätte sich über seine Zeichnungen gefreut… Er skizzierte auf Fahrscheinen, Briefumschlägen oder Packpapier, kurz, auf allen Papierarten, die gerade zur Verfügung standen.

Auch das Leben der „leichten Mädchen“ hatte es ihm angetan. Alltagssituationen, wie etwa das Anziehen der Strümpfe, wurden von ihm ebenso gezeichnet wie die etwa erotischen Momente. Doch niemals glitten die Zeichnungen in den Schmuddel Bereich ab, sondern gaben und geben bis heute Zeitzeugnisse der besonderen Art ab.

Berlin Zille Museum, Bücher über den Künstler Zille, Foto Ute Boysen

Von 1908 bis 1913 arbeitet Zille für die Künstleralben des Verlags „Der lustigen Blätter“ (Dr. Eysler & Co.).  Nach dem ersten Weltkrieg, im Jahr 1919 verstirbt Zilles Frau. Es geht ihm Jahre später nicht mehr gut, er wird krank und greift zurück auf alte Skizzen. Mitte der 1920er Jahre schließlich werden die Stummfilme „Der fünfte Stand“ gezeigt, womit Zille „die Vergessenen, das arme Milieu“ meint. Die Texte hierzu werden mit eingeblendet.

Schließlich erlebt er „wie die jungen Leute mit einer Kamera das Leben selber festhalten“. Er stirbt im Jahr 1929.

Dieses kleine Zille-Museum zeigt einen rund 18minütigen Kurzfilm von Irmgard von zu Mühlen mit der Lebensgeschichte des Künstlers. Es zeigt die unterschiedlichsten Lebensabschnitte Zilles, die verschiedenen Interessengebiete seiner Zeichnungen und Skizzen. Und auf unterhaltsame Weise lässt er uns zuschauen und eintauchen in sein „Milieu“.

Ich bin begeistert und kann das Zille-Museum wärmstens empfehlen.

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