„Daktari“

Unvergessliche TV-Serien

Serie Daktari, Foto Löwe im Allwetterzoo Münster, Ute Boysen

Nachdem ich über die beiden Fernseh-Familien der Serien „Dallas“ und „Die Waltons“ berichtete, überlegte ich mir für diesen Beitrag, einmal in Tier-Serien einzutauchen. Hierzu wurden wirklich zahlreiche Fernsehserien gedreht und spontan erinnerte ich mich an „Daktari“. Unvergessen ist diese Geschichte nicht nur für mich, sondern für viele von mir Befragte ebenfalls, denn die Attraktionen bildeten der schielende Löwe namens Clarence und die energiegeladene Schimpansin Judy.

Was machte diese TV-Serie nun so beliebt, fragte ich mich und kam zur Überlegung, dass es gleich mehrere Gründe dafür gab. Zum einen hatten wir Zuschauer, egal ob groß oder klein, wohl noch nie zwei so zahme und liebenswerte wilde Tiere im Fernsehen zu sehen bekommen. Dazu spielte die Serie in einem Umfeld, das uns Zuschauern ebenfalls noch recht fremd vorkam und letztendlich handelte jede Episode vom Natur- und Tierschutz.

Wir schrieben das Jahr 1969, konnten im TV bereits das zweite Programm ZDF empfangen und hatten somit samstags gegen 18 Uhr ein unterhaltsames Kontrastprogramm zur Sportschau in der ARD. Doch wie in vielen Familien, so gab es auch bei uns oft die Frage, welches Programm nun geschaut werden sollte… Da auch noch nicht alle Haushalte über einen Fernseher verfügten, oder das „fern sehen“ von den Eltern zeitlich limitiert wurde, fanden sich schon mal einige Freundinnen bei uns ein, um diese Serie bei uns zu schauen.

„Daktari“ – mit dieser Bezeichnung sprachen die Massai Kenias die Tierärztin und Umweltschützerin Susanne Hart an. Es bedeutet „Doktor“ auf Kisuaheli. Der ungarische Filmproduzent Ivan Tors entwickelte aufgrund dieser engagierten Ärztin im fernen Afrika und ihrer Arbeit rund um die afrikanischen Tiere den Film „Clarence, der schielende Löwe“ und die Serie „Daktari“.

In den wöchentlichen Episoden der Geschichte handelt es sich um eine im afrikanischen Dschungel angesiedelte Tier- und Forschungsstation, die vom amerikanischen Dr. Marsh Tracy und seiner Tochter Paula ins Leben gerufen und geleitet wurde. Mit großer Leidenschaft verarzten, hegen und pflegen die beiden alle Arten der hier lebenden Wildtiere, unterstützt von zwei Tierpflegern, Jack Dane und Mike Makula. Wie im wahren Leben, kämpfen die Tierschützer immer wieder gegen Wilderer. Hilfreich zur Seite steht ihnen Officer Hedley. Doch auch die Menschen, die sich hilfesuchend an dieses Team wenden, werden selbstverständlich betreut oder unterstützt.

Dies sind im Wesentlichen die Hauptdarsteller. Was die Serie allerdings so beliebt machte, das waren Clarence und Judy. Beide Wildtiere konnten für Filme eingesetzt werden, da sie handzahm waren und der Schimpanse Judy bereits in zahlreichen Filmprojekten mitgewirkt hatte.

Erstaunt konnten wir Zuschauer miterleben, wie ein friedlicher und spielerisch veranlagter schielender Löwe in einen Tierarzthaushalt integriert und gleichzeitig bester Freund eines Schimpansen wurde. Tierpark- und Zoobesuche hatten bis dato eher für großen Respekt und Unnahbarkeit gesorgt, was auch heute noch als äußerst realistisch und wünschenswert sein sollte. Doch Film ist Film. Und dass es überhaupt einen schielenden handzahmen Löwen gab, das war damals noch echt und kein Filmtrick. So verfolgten wir also Woche für Woche die lustigen Begebenheiten in der tierärztlichen Forschungsstation, hervorgerufen durch ein herumtollendes und sehr intelligentes Schimpansenweibchen. Wir empörten uns zu Recht, wenn Wilderer Tiere verfolgten, um Profit zu machen mit seltenen Exemplaren und freuten uns über jedes gerettete Tier. Ganz nebenbei enthielt die Serie „Daktari“ viel Wissenswertes über Fauna und Flora des afrikanischen Dschungels.

Doch nun kommt eine kleine Kuriosität, denn obwohl die Serie in Kenia angesiedelt ist, werden die Episoden in den USA gedreht, und zwar in Kalifornien und Florida. Im Norden Los Angeles gelegen, befand sich ein großer, privater Wildtierpark namens „Africa, U.S.A.“, der erst im Jahr 1998 geschlossen wurde. Hier entstanden die überwiegenden Außenaufnahmen. Einige wenige tatsächlich afrikanische Szenen wurden im Nachhinein filmtechnisch bearbeitet und hinzugefügt. Innenaufnahmen der Forschungsstation oder anderer Gebäude wurden dagegen in Studios gedreht.

Mit viel Freude haben wir Zuschauer dennoch diese TV-Serie angeschaut. Im Jahr 1969 wurde die Produktion eingestellt. Clarence, der schielende Löwe, lebte bei seinem Trainer und verstarb im selben Jahr. Im deutschen Fernsehen im ZDF lief die Serie „Daktari“ allerdings erst von 1969 bis 1970.

Mehrmals wurden die letztendlichen 89 Folgen über die Jahre in verschiedenen TV-Programmen wieder ausgestrahlt, denn das Interesse an „Daktari“ ist bis heute erhalten geblieben. So können Sie, liebe Leserinnen und Leser, sowohl die kompletten Staffeln auf DVD als auch den wohl einzigen bunten Bildband in deutscher Sprache im Internet erwerben.

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