„Dallas“

(Erstveröffentlichung 2018 im Monatsmagazin „pan“)         

Erinnerungen an TV-Serien

TV Serie Dallas, Foto Stadt Dallas, Texas von David Mark by pixabay

Immer mal wieder in geselliger Runde kommt es zum Austausch über TV-Serien und Staffeln, zugegebenermaßen um die neuesten oder geplanten Ausstrahlungen. Selten, aber immerhin, fällt auch einmal ein Stichwort zu einer sehr alten Serie, werden Szenen oder Dialoge aus der Erinnerung heraus zitiert und bestaunt. Denn wer erinnert sich schon an Serien-Folgen, die teilweise Jahrzehnte zurückliegen? Das sind die Menschen, die ganz sicher im TV nicht alles anschauen, was angeboten wird, aber die eine oder andere Serie mit Leidenschaft verfolgen.

So ging es mir persönlich mit der absoluten 80er Jahre Kultserie „Dallas“, die tatsächlich von 1981 bis 1994 im deutschen Fernsehen ARD ausgestrahlt wurde. Ich war eine junge Frau und wir erwarteten unser zweites Kind, was im Folgenden noch eine Rolle spielen wird. Die USA wurden von Präsident Ronald Reagan regiert und die Serie „Dallas“, angesiedelt im US-Staat Texas demonstrierte mit Industrie, Öl-Baronen und riesigen Farmen das Leben der „Reichen und Schönen“. So wurden wir Zuschauer hineingezogen in eine Welt, die den meisten von uns unbekannt war und umso mehr faszinierte.

Was nicht nur mich, sondern rund 30 Millionen Zuschauer mit mir, regelmäßig vor den Bildschirm zog, war die Tatsache, dass auch das reichste, schönste, abenteuerlichste Leben einer Großfamilie nicht verschont bleibt vor den ganz alltäglichen menschlichen Schwächen und Fehlern. Ich glaube uns allen tat es sogar gut zu sehen und zu hören, dass kleinere oder größere Probleme, die wir immer mal wieder durchleben müssen, auch bei den Familien Ewing und Barnes vorkamen.

Die Geschichte ist eigentlich kurz erzählt: Auf der einen Seite steht die Familie Ewing um den Senior Jock Ewing, Firmen Inhaber von „Ewing Oil“, verheiratet mit Miss „Ellie“, vier Söhne. J.R. Ewing, in der Folgezeit die Hauptfigur der gesamten Serie, Bobby Ewing, Ray Krebbs und Gary. Auf der anderen Seite die Familie Barnes, vertreten in erster Linie durch „Cliff Barnes“. Eine alte Fehde lässt beide Familien nicht zur Ruhe kommen und fortan rankt sich alles um Intrigen, Lügen, üble Nachreden, Fremdgehen, Alkoholismus und Gehässigkeiten. Das ganze eingesponnen in ein wohlhabendes Umfeld und eine Ranch (die Southfork Ranch), die ihresgleichen sucht.

J.R. Ewing wird zum Inbegriff des hinterhältigen untreuen Ehemannes von Sue Ellen Ewing, dem aber gleichzeitig von vielen Zuschauern Respekt entgegengebracht wird angesichts der geschäftlichen Erfolge. Wie die Ehe aussieht, wie sehr Sue Ellen leidet und auch die Brüder untereinander immer wieder in Streitigkeiten verfallen, das alles haben wir damals Woche für Woche mitverfolgen können. Dann kommen auch noch Bobby Ewing und Pamela Barnes zusammen und heiraten – was das Chaos perfekt macht.

Mal haben wir gelacht oder den Kopf geschüttelt über Cliff Barnes, dem nichts so wirklich gelingen wollte und der gegen den übermächtigen J.R. Ewing niemals ankommen konnte. Mal haben wir gelitten mit Sue Ellen, uns erwärmt an Bobby’s Ehrlichkeit und gehofft mit Ray Krebbs, der so ganz anders war als der Rest der Famiie. Kurz – es hat uns Zuschauer fasziniert zu sehen, dass überall nur mit Wasser gekocht wird.

Sicher, es gab auch vorher schon Serien im deutschen Fernsehen, doch so etwas wie „Dallas“ hatte es noch nicht gegeben. Und so zog es tatsächlich dienstags abends Millionen vor den Bildschirm. Dass es sich um den Ausstrahlungs-Tag Dienstag handelt weiß ich mehr als sicher, denn an einem dieser „Dallas-Abende“ begannen meine Wehen… unser zweites Kind kündigte sich an.

Gefesselt von der Handlung saß ich mit meiner Schwiegermutter im Januar 1982 vor dem Fernseher und bemerkte erst nach und nach ein regelmäßiges leichtes Ziehen – allerdings drei Wochen zu früh. Alle 7 Minuten, stellte ich nach mehreren kurzen Blicken auf die Uhr fest. Meine Schwiegermutter wurde extrem aufgeregt und bat mich wiederholt nun doch endlich zum Krankenhaus zu fahren… Aber „Dallas“ war so spannend, dass ich mir die Folge doch noch mehr oder weniger in Ruhe anschaute. Danach ging es los zum Krankenhaus – unsere Tochter kam erst am nächsten Morgen zur Welt.

Auch Andrea U. (56) freute sich jede Woche wieder auf die nächste Folge von „Dallas“. Sie studierte damals in Bonn und lebte in einem privaten Studentenwohnheim. Nicht alle Studentinnen hatten zu dieser Zeit einen eigenen Fernseher. Und so trafen die Serien-Freunde im Zimmer einer Mitstudentin zusammen, um gemeinsam das Leben der Familie Ewing zu verfolgen. „Auf 14 qm war es mit rund 10 Leuten proppenvoll“, erinnert sie sich lachend.

Haben Sie ähnliche Erinnerungen an diese Serie? Lassen Sie Ihre Erinnerungen beim nächsten Kegeltreffen, Mädels Abend oder Familienfest aufleben und stellen Sie fest, wieviel wir tatsächlich im Gedächtnis verankert haben.

Unter www.amazon.de sind auch heute noch die gesamten 14 Staffeln mit allen Folgen auf DVD’s erhältlich.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here