Das Militär und die Dessous vor 150 Jahren

Unterwäsche, Beinkleider, nostalgisch, Foto 192635 auf pixabay

Sie werden angesichts der Überschrift vielleicht verwundert sein, oder ungläubig lächeln. Denn wenn zwei Dinge wirklich weit voneinander entfernt sein mögen, dann ist es das Militär und die Vorstellung von Dessous. Doch die Übersetzung des französischen Wortes „dessous“ lautet im Langenscheidt Wörterbuch Französisch – Deutsch „darunter, drunter, unten“.

Mit diesem Begriff verbinden wir jedoch nicht nur einfach „Unter-Wäsche“, sondern stellen uns gerne zarte Stoffe, Spitzen, Schleifen und allerlei reizvolle Varianten dieser Kleidungsstücke vor, in erster Linie für die Frauen gedacht, gerne auch als „Reizwäsche“ deklariert.

Die „Unterhose“, wie das Kleidungsstück bei Männern auch heute noch genannt wird, ist an sich schon einige Jahrhunderte bekannt und wurde ursprünglich in Adelskreisen und am französischen Königshof von den Damen der Gesellschaft getragen. Natürlich war es kein kleiner zarter „slip“, wie wir ihn heute kennen, sondern eine knielange Variante, wenngleich schon damals mit Schleifen und Spitzen versehen. Das einfache Volk jedoch trug keine „Unterhosen“ – und wir mögen uns die hygienischen Verhältnisse nicht wirklich vorstellen. Lange Unterhemden, die weit hinab reichten, wurden sowohl von Männern als auch Frauen getragen. „Mach‘ Dir mal nicht ins Hemd“, eine deutsche Redensart, bedeutet „hab‘ mal keine Angst…“ und ist sicher auf das Tragen der langen Hemden zurückzuführen. Heutzutage hört man die Variante „Mach‘ Dir mal nicht in die Hose“.

Erst etwa 1830 erfuhr die Unterbekleidung der Frauen einen Wandel, indem das „Damenbeinkleid“ beliebt und auch vom einfachen Volk getragen wurde. Dreiviertellang, weitgeschnitten und mit einem Binde-Band in der Taille gehalten. Einige Jahrzehnte später erfuhr das Damenbeinkleid erneut einen Wechsel, nun war es im Schritt geschlossen.

Und was hat nun das Militär mit „Dessous“ zu tun? Das wäre sicher auch einmal eine Frage für die Rateshow „Wer wird Millionär?“.

Vor etwa 150 Jahren wurden die Soldaten des deutschen Militärs komplett mit Baumwoll-Unterhosen ausgestattet, was eine große Erleichterung für die Männer darstellte, denn die groben Stoffe der Uniformen scheuerten die Haut wund. Dies sei der Grund gewesen, dem Kriegsministerium die Erfahrungen aus dem Deutschen Krieg 1866 (auch preußisch-österreichischer Krieg genannt) nahezubringen und „…die Notwendigkeit von Untersachen für die Truppen“ vorzutragen. Der Weg zur Baumwoll-Unterhose war jedoch nicht leicht, denn König Wilhelm I. trat vehement gegen die Einführung dieses Kleidungsstückes auf. Erst die Befragung einiger Soldaten überzeugte schließlich auch den König von der Notwendigkeit.

Womit ein Unterwäsche Kleidungsstück für Männer nach und nach in das allgemeine Alltagsleben Einzug hielt und sich im Laufe der vergangenen 150 Jahre genau wie die weibliche Unterwäsche einem ständigen optischen Wandel unterzog.

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