Das Technische Hilfswerk (THW)

„… und was machst Du“? Ehrenämter!

THW, Einsatzfahrzeug, Foto Thomas Max Müller pixelio.de

Neulich fragte mich Jemand, was denn eigentlich der Unterschied sei zwischen dem Technischen Hilfswerk, kurz „THW“ genannt und den ganzen Hilfs-/Sanitätsdiensten wie beispielsweise dem Deutschen Roten Kreuz oder den Maltesern. Das erfahre ich in zwei Sätzen von Erik D. (51) Helfer und Ausbilder beim THW.

„Der Malteser Hilfsdienst e.V. beispielsweise stellt als eingetragener Verein eine katholische Hilfsorganisation dar und hilft in erster Linie den Menschen (Personen). Das THW ist dem Bundesministerium des Inneren unterstellt und dient dem Katastrophenschutz (Menschen und Gebäude). D. erzählt anschließend ausführlich über Einsätze und Aufgaben seiner Organisation.  „Das Technische Hilfswerk kommt, wenn es sich vorrangig um Menschenbergung und dann um Gebäude, Infrastruktur und Sachwerte-Bergung handelt“. Zur weiteren Behandlung reichen die THW-Helfer verletzte Menschen  an einen der Sanitätsdienste weiter.

Maschinenbautechniker D. trat bereits 1976 in die Jugendgruppe des THW ein. 40 Jahre gehört er nun schon dazu. „Grundlagen wie zum Beispiel Knoten machen, in der Fachsprache ‚Stiche und Bunde“ genannt, haben wir in dieser Zeit gelernt. Diese Knoten, die auch aus der Seefahrt bekannt sind, werden eingesetzt, um Behelfskonstruktionen wie beispielsweise Abstützungen, ein Tonnenfloß oder einen Tonnensteg zu bauen.“ Holzkonstruktionen mit Zapfen und Zapfloch zu erstellen gehört zu den weiteren erlernten Fertigkeiten.

„Die Erste Hilfe Ausbildung ist natürlich Voraussetzung und im Gegensatz zu früher werden wir heutzutage auch intensiv geschult in der Personenbetreuung während eines Einsatzes und danach.“ Die 72 Stunden umfassende Erwachsenen-Grundausbildung mit anschließender Prüfung beinhaltet Themen wie Fahrzeuginhalt oder technische Geräte-Ausbildung, die weiterführende 100 Stunden dauernde Fachausbildung beginnt auf der Ebene des Ortsverbandes und endet auf Bundesebene in den Bundesschulen. Dort werden sogenannte „Grade“ erreicht wie beispielsweise „Truppführer“ und „Zugführer“. Zwei Mal monatlich treffen sich die Kameraden des THW in der Unterkunft, um ihre Ausbildung zu vertiefen, erlernte Themen zu wiederholen, Erfahrungen auszutauschen und neue Einsätze durchzusprechen.

Kommen wir zu den Einsätzen, die durch ein Telefonat der Leitstelle oder der Geschäftsstelle erfolgen, beide sind in unterschiedlichen Städten in der näheren Umgebung angesiedelt. „Für den THW muss eine größere Schadensmeldung vorliegen, wie Sturmschäden, Schneechaos, Überflutungen oder Gebäudeeinsturz – Großschadenslage genannt. Das Sturmchaos im Ruhrgebiet im Jahr 2015 mit Tausenden von umgestürzten Bäumen in den Großstädten zählt dazu.“ Allerdings, so erklärt der Ehrenamtler weiter, kämen mehr überörtliche Einsätze, also auch im Ausland vor, da das THW eine Bundesorganisation sei. „Elb-Hochwasser etwa benötigt mehrere 1000 Helfer der verschiedensten THW-Ortsverbände“. Damit diese theoretisch ein wenig vorbereitet sind auf viele Szenarien, tauschen sich alle Kameraden permanent über ihre Erfahrungen aus und Alt und Jung sind immer gemeinsam im Einsatz. Es gibt allerdings auch ein sogenanntes „Nachsorgeteam“, zu dem in Nord-Rhein-Westfalen rund 55 Kameraden gehören. Diese wurden speziell zum damaligen Unglück der Love-Parade in Duisburg hinzugezogen.  THW-Helfer unserer Stadt waren beim Tsunami-Unglück in Indonesien oder auch in Japan beim Erdbebeneinsatz in Fukushima unterwegs. Bei diesen Einsätzen, so sagt D., erfolge im Vorfeld eine gründliche Schulung der „Do’s and Dont’s“ , also der Verhaltensweisen, die im entsprechenden Land sehr wichtig sind oder absolut unterlassen werden müssen, wozu immer auch die Sicherheitsbelehrung gehört.

Eine Stammgruppe muss sich für Auslandseinsätze in ständiger Startbereitschaft halten und innerhalb von sechs Stunden in Frankfurt/Main eintreffen. Der Impfstatus sowie die entsprechenden Reisedokumente sollten demnach immer auf dem aktuellsten Stand sein.

Meine Frage nach dem Einsatz von Frauen beim THW beantwortet D. so: „Unabhängig von Geschlecht, Statur, Religion oder Hautfarbe sind bei uns alle Menschen gleichberechtigte Teammitglieder. Frauen durchlaufen die gleiche Ausbildung. Nur im Team sind wir stark, was auch der Slogan des THW aussagt – Helfen im Team.“ Und er ist stolz auf diesen Katastrophenschutz und seine Kameraden. „Das, was das THW darstellt von der Position her auf Bundesebene, das gibt es in dieser Form in keinem anderen Land.“ Der Ausbilder blickt auf viele Auslandsaufenthalte zurück und Etwas ist ihm tief verankert geblieben in seiner Erinnerung: „Die Menschlichkeit vor Ort in allen Ländern und die Freundlichkeit dort, die Dankbarkeit für unsere Hilfe. Das hat mich immer fasziniert und beeindruckt. Egal, ob wir in der Türkei, in Indien, in Frankreich oder im Iran eingesetzt waren.“

THW, Kinderfahrzeuge mit THW Aufdruck, Foto Ute Boysen

Zur Information erzählt der Pressesprecher des THW Ortsverbandes unserer Stadt, E.M., dass nur ein Prozent der Mitarbeiter vom Staat bezahlt werden – 99 Prozent in 668 Ortsverbänden arbeiten ehrenamtlich beim Katastrophenschutz.

Diesen Bericht veröffentlichte ich erstmals im November 2016.

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