„Debakel“ – was wir so alles sagen…

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Liebe Leserinnen und Leser, mit dieser neuen Serie greife ich einmal Wörter auf, die wir entweder wie selbstverständlich in unseren Sprachgebrauch aufgenommen haben – oder aber gar nicht kennen. Die Wörter gibt es trotzdem und zum Teil schon wirklich lange. Kann man also vom „Aussterben“ einiger Wörter reden? Wie auch das „Entstehen“ neuer Wortschöpfungen je nach Anwendungshäufigkeit? Frage ich doch einfach einmal jüngere oder ältere Mitmenschen danach.

Als ersten Serienbeitrag habe ich mir das Wort „Debakel“ ausgesucht. Ich selbst verwende es eher selten. Auf meine Frage, ob der Begriff bekannt sei oder die Bedeutung, antwortete Bernd T. (39): „ Ja, das Wort Debakel kenne ich. Es bedeutet große Katastrophe im Sinne von Schlamassel, aber größer? Ist es ein Wort aus dem Holländischen?“ Zur sprachlichen Anwendung komme das Wort bei ihm aber nicht, eher der Begriff „Schlamassel“. Und was sagt eine sehr betagte Dame? Hedwig N. (86) meinte spontan: „Das ist ein Debakel! Ja, das kenne ich. Etwas, was ich nicht verstehe, stimmt das?“ Benutzen würde sie dieses Wort aber nicht.

Serie Wörter, Debakel, Daumen runter, Foto Gerd Altmann auf pixabay

Was bedeutet es denn nun wirklich? Unter www.wikipedia.de erscheint als Beschreibung: „… mit dem Substantiv Debakel wird eine Situation beschrieben, die eine schwere Niederlage darstellt oder einen unheilvollen Ausgang genommen hat. In der deutschen Sprache ist das Wort seit dem 19. Jahrhundert in Gebrauch.“

Weitergehende Erklärungen zum Begriff bietet die so genannte Etymologie, die Wissenschaft von der Herkunft der Wörter. Demnach wurde unser deutsches Wort „Debakel“ vom französischen Wort „débâcle“ übernommen, was so viel wie „plötzliche Auflösung“ bedeuten soll. Geht man in der geschichtlichen Herkunft des Begriffes noch viel weiter zurück, dann führt uns die Etymologie in die Zeit vor dem 13. Jahrhundert der lateinischen Sprache zurück.

„Plötzliche Auflösung“ erscheint mir als einfachste Erklärung zur Herkunft. Denn stelle ich mir doch einmal eine Situation vor, in der vom Wort „Debakel“ Gebrauch gemacht werden könnte. Ein junger Mensch, der sich nichts sehnlichster wünscht, als Musiker zu werden, soll zu einem bestimmten Termin in einer weit entfernten Stadt zum Vorspielen erscheinen. Mit ihm wurden nur zwei weitere angehende Musiker eingeladen. Falsche Planungen und widrige Umstände führen dazu, dass er Stunden nach dem wichtigen Termin eintrifft… Die Entscheidung zur Aufnahme in eine Band (Musikgruppe) ist bereits gefallen. Das ist nun wirklich ein Debakel – nämlich plötzliche Auflösung eines ersehnten Traumes, der unheilvolle Ausgang, die Niederlage aus verschiedensten Gründen.

Oder denken Sie an das aktuell stattgefundene DFB Pokalspiel „BVB gegen den 1. FC St. Pauli“ und die Niederlage der Dortmunder, die damit ausscheiden mussten. Welch ein Debakel. Als ein weit zurückliegendes politisches Debakel wurde die so genannte „Invasion in der Schweinebucht“ genannt, die im Jahr 1961 für eine schwere Niederlage der USA und weltweites Aufsehen sorgte (https://de.wikipedia.org/wiki/Invasion_in_der_Schweinebucht).

Wir hören und lesen vom Treibhaus-Debakel, vom Maut-Debakel oder vom Wahl-Debakel. Und immer liegt eine „Niederlage“ zugrunde, ein unglücklicher Ausgang, ein Fehlschlag – eine Enttäuschung über den Ausgang eines Geschehens.

Genau dies mag auch der Grund dafür sein, dass wir das Wort „Debakel“ nicht häufig oder nicht gern in unseren täglichen Sprachgebrauch übernehmen. Nicht, weil es ein altertümliches, überholtes Wort ist. Sondern möglicherweise, weil es einen so negativ behafteten Begriff darstellt. Andererseits werden gesellschaftlich oder rein persönlich nach einem Debakel Veränderungen vorgenommen. Im Denken, im Handeln, im Planen. Im Kleinen wie im Großen. Mannschaftsumstellungen, persönliche Zieländerungen, politische Aussagen. So gesehen ist ein Debakel vielleicht auch ein richtungsweisendes Ereignis. Wie immer man es sehen möchte.

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