„Der Weihnachtsbaum“ – Wichtig? Oder eher nicht?

Weihnachtsbaum, Deko in einem Kaufhaus, Foto Ute Boysen

Welche Frage zum Serienbeitrag im Dezember liegt näher, als die nach dem Weihnachtsbaum? Wie kein anderer „Gegenstand“ steht dieser Immergrüne für die christliche Weihnachtszeit. Doch ist das in jedem Haushalt so? Ist es eine Glaubensfrage? Hängt am Weihnachtsbaum eher Erinnerung und Tradition? Ich fragte nach.

Inken Kahnert (81) freute sich auf ein Gespräch zum Thema „Weihnachtsbaum“, denn ihre spontane Antwort lautete: „Sehr wichtig! Ohne geht es nicht!“ Gerade ihre Kindheitserinnerungen würden Jahr für Jahr wieder geweckt, wenn es auf das Weihnachtsfest zugeht. „Bei uns auf Sylt in Süderende gab es ein kleines Wäldchen und jedes Jahr haben mein Vater, mein Bruder und ich dort einen Baum selbst geschlagen. Kaufen ging ja nicht, es gab nichts.“ Sie blickt zurück in die Nachkriegsjahre und erinnert sich, dass sogar die Kerzen selbst gegossen wurden, denn auch diese konnten nirgends gekauft werden. Was heute schon als schönes Hobby angesehen wird, galt damals als bittere Not – das Kerzengießen.

Der Weihnachtsbaum, Inken K., Foto Ute Boysen

Dennoch erinnert sich Inken K. gerne an diese Zeiten zurück. „Traditionell durfte der Baum erst am Heiligabend gesehen werden“, sagt sie und fügt hinzu, dass auf Sylt in der damaligen Weihnachtszeit viel Schnee lag. „Wir Kinder legten Heiligabend Heu aus für die Rentiere und warteten gespannt darauf den Weihnachtsmann mit seinem Rentierschlitten am Himmel zu sehen“, lacht die Seniorin. Tatsächlich war das Heu irgendwann verschwunden – aber gesehen hatten sie nichts und niemanden. Und dann erklang aus dem Wohnzimmer das Glöckchen.

„Es war ein wundervolles Erlebnis den glänzenden strahlenden und leuchtenden Weihnachtsbaum zu sehen, damals noch mit echten Kerzen und flackerndem warmen Schein.“ Nicht die bescheidenen Geschenke waren wichtig und nicht ein opulentes Weihnachtsessen. Es war die Schönheit des Weihnachtsbaumes, das heimelige Gefühl im Kreis der Familie, was die warmen Erinnerungen von Inken K. ausmachen.

Im Jugendalter erfuhren Fest und Baum eine Veränderung, so wie es auch bei jeder weiteren Generation geblieben ist. Andere Dinge rücken in den Vordergrund, werden wichtiger, bedeutender. „Aber der Weihnachtsbaum war mir immer extrem wichtig und so war es auch bei meiner Mutter. Bis ins hohe Alter ihrer Selbstständigkeit hatte auch sie niemals auf den geschmückten Baum verzichten wollen. Als es meiner Mutter nicht mehr so gut ging und alles ein wenig beschwerlicher wurde, kaufte sie einen künstlichen Baum. Doch ohne fand auch bei ihr kein Weihnachtsfest statt!“

Man kann wohl mit Recht und Fug behaupten, dass traditionelles Feiern von Generation zu Generation weitergegeben wird und die wärmenden Erinnerungen gerne von Kindern und Kindeskindern aufgenommen werden. Doch im Laufe der Zeit verändert sich auch die „Kultur“ des Weihnachten Feierns. So erzählt die Seniorin, dass ihr erstes Weihnachtsfest fern der Heimatinsel in Düsseldorf ganz schrecklich verlief. In der Familie ihres zukünftigen Mannes erlebte sie eine völlig andere, hektische Feier. Voller Heimweh und Nichtverstehens betrachtete sie die zukünftigen Schwiegereltern und ihren Umgang mit dem Fest. In dem Geschäftshaushalt wurde Heiligabend so gar nicht feierlich begangen. Erst nach Geschäftsschluss suchten alle den Baumschmuck zusammen und recht emotionslos und hektisch verlief der Abend. Wie anders war es doch zu Hause.

„Aber nach unserer Hochzeit habe ich sofort wieder die Advents- und Weihnachtszeit so zelebriert, wie ich es von Daheim kannte. Mein Mann hat es über sich ergehen lassen“, lacht die Seniorin, denn ihm war diese Art Weihnachten zu feiern völlig fremd. In den folgenden Jahren bekamen die Eheleute zwei Kinder und machten sich mit einem Blumenladen selbstständig. „Da hatten wir dann wenig Zeit am Heiligen Abend und konnten auch nicht immer zur Kirche gehen. Aber der Weihnachtsbaum war und blieb uns allen immer wichtig!“

„Jetzt bin ich Witwe und lebe in einer kleineren Wohnung. Aber immer noch ist es wunderschön, Jahr für Jahr einen kleinen, aber echten Weihnachtsbaum zu besorgen und aufzustellen. Zweige in einer Vase, behängt mit ein paar Kugeln – das habe ich ausprobiert. Aber das war nicht das Richtige. Es muss ein Baum sein!

Diese überaus positiven und schönen Worte zum Thema hörte ich sowohl von Frauen als auch von Männern. Und nicht nur Seniorinnen oder Senioren lächelten bei der Frage. Auch jüngere Leute feiern so oder ähnlich das Weihnachtsfest mit einem Weihnachtsbaum. Ich habe niemanden finden können, der diesen Brauch links liegen lässt und ich selbst bin bekennender leidenschaftlicher Weihnachtsbaum-Schmücker.

Vielleicht kehren auch bei Ihnen warme Kindheitserinnerungen zurück, wenn Ihr Baum festlich geschmückt seinen Duft verströmt.

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