„Die Armbanduhr“ – Wichtig? Oder eher nicht?

Mann mit Armbanduhr, Foto 350543 auf pixabay

Ein ganz alltägliches „Etwas“ ist heute Gegenstand meines Berichtes, beziehungsweise meines Interviews. Jeder kennt ihn, fast alle tragen ihn und in schier unzählbaren Varianten gibt es ihn, diesen Gegenstand. Oder vielleicht fällt er auch unter den Oberbegriff „Schmuckstück“? Es ist wohl Ansichtssache, denn heute berichte ich darüber, ob „die Armbanduhr“ für Jemanden wichtig oder eher unwichtig ist.

Sergio im Sommer 2019, Foto Ute Boysen

Sergio Chiaradonna (62) ist gebürtiger Italiener aus der Nähe Neapels. Doch bereits im Alter von 15 Jahren folgte er seinem Vater, der als Gastarbeiter in Deutschland arbeitete, nach Bergisch Gladbach. Zu diesem Zeitpunkt und in diesem Alter spielte die Armbanduhr für Sergio noch keine Rolle. Eine Ausbildung war wichtiger und so wurde er Maschinenschlosser. In diesem Beruf durften allerdings aus Sicherheitsgründen weder Armbanduhren noch Schmuckstücke getragen werden.

Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm, denn der junge Mann erlitt einen schweren Motorradunfall, der ihn seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben ließ. So schaute er sich nach einer anderen Tätigkeit um und fand schließlich eine Anstellung als Kellner in Bochum. Nun war die Armbanduhr allerdings wichtig geworden für Sergio. „Ich mochte damals die Casio Uhren sehr gern und habe sie auch täglich getragen,“ sagt er und lächelt in Erinnerung an diese lang vergangene Zeit.

Seine Arbeit als Kellner führte Sergio schließlich nach Kleve ins Restaurant „Bacco“. In dieser kleinen Stadt im Münsterland lernte er seine spanische Frau kennen und lieben.  Einige Zeit später wechselte er nach Bocholt in das gleichnamige italienische Restaurant. Das Ehepaar bekam eine Tochter und lebte acht Jahre in dieser Stadt. Doch anschließend zogen sie zurück nach Kleve, denn der junge Mann erhielt die Möglichkeit als Geschäftsführer dort das Restaurant Bacco zu leiten. Nun wurde die Armbanduhr für Sergio Chiaradonna wirklich wichtig, denn aufgrund seiner sehr guten Leistungen erhielt er von seinem Vorgesetzten eine besondere Armbanduhr, eine „Maurice LaCroix“. Diese Uhr, so Sergio, habe er 15 Jahre täglich voller Stolz getragen – und verlor sie dann.

Die Eheleute bekamen in Kleve ihren Sohn und machten sich in der Folge in der Nähe dieser Stadt selbständig mit einem gepachteten kleinen Hotel. Doch voller Heimweh nach Spanien erkrankte Sergios Frau und die kleine Familie beschloss von Deutschland Abschied zu nehmen und nach Andalusien, im Süden Spaniens gelegen, umzuziehen. Die Tochter wollte jedoch in Deutschland bleiben und so zogen Sergio und seine Frau mit dem Sohn nach Malaga.  Ein Jahr später folgte die Tochter. Zunächst arbeitete Sergio wieder als Kellner in dieser großen andalusischen Stadt, erhielt aber durch Kontakte die Möglichkeit in ein Strandrestaurant von Marbella zu wechseln. Zwei Jahre vergingen und dann meinte das Schicksal es gut mit der italienisch/spanischen Familie. Sergio pachtete ein Restaurant unter dem Namen „El rinconcito“ (das Eckchen) und gewann auf Anhieb eine große Anzahl deutscher Gäste. Zu diesem Zeitpunkt lernte ich ihn kennen.

Seine gute Küche und sein gewinnendes Wesen, sowie seine deutschen Sprachkenntnisse und die Kenntnisse darüber, was Deutsche im Urlaub mögen oder nicht ließen das Restaurant im Nu zu einem beliebten Anlaufpunkt werden. Nur aufgrund einer Eigenbedarfskündigung zog Sergio ein paar Jahre später ein Strandrestaurant weiter und bekam die Möglichkeit, dieses zu pachten. Seine Gäste nahm er nicht nur komplett mit, sondern erwarb nach und nach eine noch größere Bekanntheit und Beliebtheit. Und wie ist heute sein Verhältnis zu einer Armbanduhr? Sergio lacht und meint: „Ich brauche keine Uhr mehr, kann mich voll und ganz auf meine innere Uhr verlassen und mache mir auch gar keinen Stress mehr. Nur wenn ich besondere Personentermine habe, dann schaue ich auf die Uhr. Aber ansonsten mache ich mir keine Gedanken mehr über die Uhrzeit.“

Und das, obwohl er ein gut und stark frequentiertes Restaurant betreibt? Ich staune nicht schlecht. „Es kommt allerdings hinzu, dass ich in den Sommermonaten unter einer starken Allergie leide, wenn ich in Berührung mit trockenem Gras komme. Dann bildet sich unter dem Band einer Armbanduhr eine allergische Reaktion,“ erzählt Sergio weiter und da sein Restaurant direkt an einer Düne liegt, kommt er häufig mit trockenem Gras in Verbindung. In den Wintermonaten, so sagt er, könne es schon öfter vorkommen, dass er eine Uhr trage. Aber insgesamt gesehen, so meint der Italiener, der in Spanien lebt, „habe er keine Eile und es passe schon immer“.

Ach übrigens – Sergio liebt es, seiner Ehefrau Armbanduhren zu schenken, denn sie mag diese sehr. Und Heimweh? Heimweh habe er nur nach zu Hause – nach Italien.

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