Die Bayerischen Rauhnächte

Rauhnacht, fellbekleidete Gestalt im verschneiten Bayerischen Wald, Foto Ute Boysen

Im Dezember 2017 führte uns eine Winterreise zwischen den Feiertagen zur bayerischen Verwandtschaft nach Waldkirchen. Pünktlich zu unserer Ankunft begann es zu schneien und der Schnee blieb liegen. Was bei uns in Nordrhein-Westfalen liegen bleibt oder aber im tiefen Bayern – dazwischen scheinen Welten zu liegen. Wir freuten uns jedenfalls über diese Mengen an Schnee.

Und was wir nicht erwartet oder eingeplant hatten – direkt am ersten Tag fand im Städtchen eine der „Rauhnächte“ statt. Es war der 27. Dezember und wie gesagt – wir waren nicht vorbereitet. Schon nachmittags begegneten wir während eines Spaziergangs der ein oder anderen schaurigen Gestalt, am Abend jedoch wurde es laut und ja, auch unheimlich. Ein Reisebus voller Rauhnachtsdämonen erreichte ein Hotel und ein bayerisches Ritual nahm seinen Lauf.

Rauhnacht, verkleidete Männer mit Instrumenten und grässichen Fratzen, Foto Ute Boysen

Das Buch „Rauhnächte im Bayerischen Wald“ von Josef Probst, Ohetaler Verlag, ISBN 978-3-95511-052-9 mit einem Vorwort von Landrat Michael Adam brachte mir später zu Hause sehr anschaulich und detailliert die Antwort auf viele Fragen zu diesen Rauhnächten, die auch als „böse Nächte“ bezeichnet werden. Wer sind nun diese Gestalten, die in Lumpen und Felle gekleidet sind, grässliche Teufels- oder Dämonen-Masken aus Holz tragen, Lärm machen mit Trommeln, Blechkanistern mit Inhalt und anderen Krach erzeugenden Gegenständen? Die Glocken und Schellen stammen aus der Hirtenzeit, um wilde Tiere von den Herden fernzuhalten, aber wen sollen die verkleideten Männer darstellen? Was sollen die Handlungen bewirken?

Rauhnachtgestalt in Wildtierfellen und Tiermasken, Foto Ute Boysen

Das o. g. Buch berichtet darüber, dass die „Rauhnächte“ auch in Norddeutschland bekannt sind und eine ganze Zeitspanne von 12 bis 13 Tagen umfassen. Immer beginnend mit dem 24. oder 25. Dezember. Sie gehen auf unsere keltischen, heidnischen Vorfahren zurück, die in diesen Nächten ihren Göttern huldigten. Genau diese Nacht (vom 24. auf den 25. Dezember) ist die größte und bedeutendste Rauhnacht. Der Überlieferung zufolge sollen sich in dieser Nacht die heidnischen Götter dafür rächen, dass die Menschen zum Christentum konvertierten. Um die Menschen von diesen Göttern abzubringen, erklärte die katholische Kirche sie zu „bösen Nächten“ und die Rauhnächte zu Böses-bringende-Nächte, wenn sich die Menschen nach Einbruch der Dunkelheit im Freien aufhalten würden. So sollte untersagt werden, dass gefeiert, getrunken und getanzt wurde. Besinnung auf das vergangene Jahr sollte fortan im Vordergrund stehen während dieser Zeitspanne. Allen Rauhnächten (auch denen, die innerhalb des Jahres zu bestimmten Daten stattfinden) liegt eines zugrunde: still besinnen auf das vergangene Jahr und dankbar sein für das, was man hat.

Rauhnacht, auch auf verschneiten Wanderwegen begegnet man den Dämonen, Foto Ute Boysen

Viele Kinder erlebten in der fernsten Vergangenheit eine schimme Zeit während dieser Rauhnächte im Dezember. Blutrünstig und angstmachend brachten die „Dämonen“ viel Leid über die Kleinen. Viele Verbote für diese Nächte bestehen noch heute und werden mal mehr mal weniger eingehalten. Von einem Verbot erzählte mir meine Schwiegermutter, die aus dem Kreis Passau stammte, direkt zum ersten Weihnachtsfest, das wir gemeinsam feierten: Wäsche dürfe ich niemals während der Rauhnächte trocknen! Und bis heute halte ich mich daran, denn der Sinn dahinter soll sein, dass Böses oder sogar der Tod damit ins Haus geholt werde. So werden alte Überlieferungen bis heute weitergegeben.

Die Rauhnächte sind durchzogen von Magie und auch Ängsten. So werden auch heute noch zu Hause die Zimmer „ausgeräuchert“ mit Weihrauch, um das Heim zu säubern und zu schützen. Früher, bevor des den Weihrauch gab, verbrannten die Menschen Harze  oder Kräuter dafür.

Im oben erwähnten Buch werden alle weiteren Rauhnächte von großer Bedeutung, die innerhalb des Jahresverlaufs stattfinden, erwähnt und erläutert. Bräuche, Orakel, Mythen und Sagen werden ebenso beschrieben wie unser noch heute stattfindender Brauch, in der Silvesternacht Raketen und Böller abzufeuern. Hiermit sollen die bösen Geister vertrieben, Dämonen verscheucht werden.

Sollten Sie einmal während der Haupt-Rauhnächte im Bayerischen Wald unterwegs sein – keine Angst, streicht Ihnen eine dieser angsteinflößenden Gestalten mit einem besenähnlichen Federbuschel über den Kopf, dann bedeutet es Glück für das kommende Jahr!

 

 

 

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