Die Behandlung läuft

… und wie es mir geht

Löwenzahnblüte wächst aus Steinfugen, Foto Ute Boysen

Am Donnerstag war es so weit und die erste meiner vier Chemo-Behandlungen hat stattgefunden. Erfreulicherweise (ja es gibt auch jetzt immer noch Anlässe zur Freude!) konnte tatsächlich sofort und problemlos eine Vene im linken Arm gefunden werden und ich benötigte keinen Port.

Das gab mir so viel Ruhe und Erleichterung, dass ich die anschließenden Tropfinfusionen einschließlich der folgenden Kochsalzlösungen gut überstehen konnte. Und wieder einmal stellte ich fest, dass es Patienten gibt, um die es erheblich schlechter steht als bei mir, die sich teilweise schon jahrelang in diesen Behandlungen befinden oder sogar mehrere gleichschwere Krankheiten überwinden möchten…

Angesichts solcher Geschichten bin ich wirklich dankbar.

Nichts desto trotz geht es mir nicht sehr gut. Die Chemo nimmt mich mit, macht mich extrem langsam und müde. Die gleichzeitig für 4 Tage einzunehmenden Medikamente sind auch nicht zu verachten und tragen dazu bei, dass der Körper schwächer wird. Ich kann nicht richtig essen und trinken, da ich Schluckbeschwerden habe, gebe mir aber Mühe, denn der Körper sollte gerade jetzt nicht schlanker werden!

Wie paradox das alles doch ist! Jahrelang versucht man abzunehmen oder zumindest das Gewicht zu halten, lebt weitestgehend vegan und fettlos, hat das Rauchen schon vor 12 Jahren aufgegeben (von 40 pro Tag auf 0!!!) und trinkt so selten Alkohol, dass es überhaupt nicht erwähnenswert ist. Einziges Laster: Zucker! Zucker in jeglicher Form. Ich bin naschsüchtig könnte man so sagen. Süßigkeiten, Kuchen, Torten, Kekse, Puddings, kurz – alles was gesüßt ist könnte ich verschlingen.

Und da kommt dann ein Satz, der sich nun festgesetzt hat: Zucker ist der Nährstoff für Krebszellen!

Aber zurück zum Fortlauf der Behandlung. Am Freitag wurden dann endlich auch die Fäden von der Operation am 19.6. gezogen und ich bin einen kleinen Schritt weiter. Alles ist gut verheilt. Ein anschließender, wirklich sehr kurzer und begleiteter Einkauf zu „dm“, um wichtige Teile zu besorgen, fiel mir extrem schwer und wirkte anstrengend wie ein stundenlanger Einkaufsbummel in der Stadt.

Die Müdigkeit nimmt zu. Schwindelgefühle und langsames Denken und Handeln nehmen zu. Aber im Großen und Ganzen geht es. Heute ist Samstag und ich hatte das dringende Bedürfnis mich „schön“ zu machen, damit ich nicht krank aussehe, wenn ich mit meinem Mann versuche in der Stadt unsere wöchentlichen Besorgungen zu erledigen.

Leider soll ich bis zum Ende der Chemotherapie die Sonne meiden. Das bedeutet, einen hohen Lichtschutzfaktor auftragen und möglichst ausschließlich im Schatten aufhalten, was auch und ganz besonders die Kopfhaut betrifft. Das körpergrößte Organ „Haut“ soll extrem unter dieser Chemo leiden. Das war bei meiner Chemotherapie 2014 nicht so. Also blieb ich im Einkaufscenter und im Schatten. Doch danach konnte ich wirklich nur noch nach Hause gebracht werden. Es war zu viel, zu anstrengend und kräftezehrend.

Doch eines habe ich erledigen können: Ich habe mir ein Buch gekauft über ein zuckerfreies Leben und bin gespannt ob ich alles so umsetzen kann wie damals vor 12 Jahren. Das Buch „Endlich Nichtraucher“ hatte ich damals gelesen und danach von heute auf morgen ohne jegliche Unterstützung meine Rauchsucht aufgegeben. Von 40 Zigaretten täglich habe ich es geschafft zum Nichtraucher zu werden! Und die Erinnerung an das Geleistete motiviert mich jetzt wieder sehr stark, gesund zu werden und auch meinen Zuckerkonsum stark einzuschränken. Natürlich werde ich dies erst wirklich nach der Behandlung starten und momentan darauf achten, dass ich überhaupt essen kann!

Nun folgen wöchentliche Blutuntersuchungen und in 3 Wochen die nächste Chemobehandlung. Von Mal zu Mal wird es anstrengender, denn die Blutwerte werden sich verändern, die Abwehr geschwächt. Das weiß ich ja leider alles noch von damals her. Es ist nun einmal kein Aspirin. Ich versuche weiterhin guten Mutes zu bleiben und freue mich auch sehr darüber, dass sich viele liebe Mitmenschen melden und ich hoffentlich nächste Woche einmal einen kleinen Kaffeeklatsch unternehmen kann. In diesem Sinne,

Gruß an alle meine Blog-Besucher, Eure Ute

2 Kommentare

  1. Dieser Abschnitt erinnert mich an meinen Mann, der auch von heute auf morgen seine Sucht aufgegeben hat durch das Buch „Endlich Nichtraucher“. Es ist erstaunlich, wie vielen Rauchern das Abgewöhnen erleichtert hat. Man kann es deshalb nur weiter empfehlen. – Dir weiterhin viel Erfolg und Kraft, Marlis –

  2. Auch ich habe es von heute auf morgen geschafft, meine 40 Zigaretten zur Seite zu legen. Während meiner Kur in Bad Neuenahr – wegen Rückenproblemen durch Bandscheibenvorfälle – habe ich auch während der Lektüre „Endlich Nichtraucher“ die Qualmerei aufgegeben. An dem Freitag vor Pfingsten und am gleichen Tag, wo meine Tochter Geburtstag hatte. Meinen damaligen Besitz von einer halben Stange Reval und Feuerzeugen habe ich einem „Bankangestellten an der Ahr“ geschenkt. Als Gegenleistung hat er aufgepasst, dass meiner „Kleenen“ (meine Frau besuchte mich und hat Urlaub gemacht) nix passiert.
    Wir erwarten einen Termin zum Kaffeeklatsch und freuen uns!

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