Die Biographie – Erinnerungen an ein Leben

Bücherstapel Biographien, Foto Iris Hamelmann auf pixabay

Manche Menschen schreiben ihre Lebensgeschichte, ihre Biographie bereits in jungen Jahren. Sei es, weil sie bereits viel erlebt haben, viel gesehen haben, viel erfahren haben, oder aber, weil sie tagebuchähnlich direkt und unmittelbar festhalten wollen in schriftlicher Form, was ihnen wertvoll und Aufschreibens wert erscheint.

Doch wann ist die „richtige“ Zeit, eine Biographie zu schreiben? Erst am Lebensende, wenn der Schreibende nur noch das Wichtigste seines Lebens dokumentieren möchte für die Familie, die Nachwelt? Oder in der Lebensmitte? Wenn die Kindheits- und Jugendjahre noch nicht allzu weit entfernt liegen und recht frisch in der Erinnerung verblieben sind? Es scheint schwierig zu sein, den „richtigen“ Zeitpunkt zum Niederschreiben seiner eigenen Biographie zu finden.

Hinzu kommen Überlegungen darüber, dass in jungen Jahren die Kindheit anders schriftlich festgehalten wird, als rund zehn Jahre später. Denn die Lebenserfahrung, die mögliche Erfahrung mit eigenen Kindern, lässt vieles in einem anderen Licht erscheinen, vielleicht rosiger, vielleicht dunkler. Jedes Lebensalter lässt uns die eigene Vergangenheit anders bewerten. Wann ist es also ratsam, die tatsächlichen Ereignisse, die uns inhaltlich wichtig erscheinen für unsere Biographie, in irgendeiner Form aufzuzeichnen? Ich denke, diese Entscheidung trifft jeder Biograph ganz persönlich für sich selbst, wenn er oder sie sich überhaupt früh genug darüber im Klaren ist, eine Biographie zu schreiben. Bis dahin wird wahrscheinlich das gute alte Tagebuch die Aufgabe übernehmen, wichtige Aufzeichnungen sorgsam zu bewahren.

Nun ist es mit dem Gedächtnis so eine Sache. Wir haben mittlerweile gelernt, dass wir auch ein so genanntes Bauch-Gedächtnis haben, ein Kurzzeitgedächtnis und ein Langzeitgedächtnis. Die wissenschaftliche Bezeichnung lautet dafür „Subsysteme“. Und davon gibt es drei. Das sensorische Gedächtnis, das Langzeitgedächtnis und das Arbeitsgedächtnis (Kurzzeitgedächtnis). Ich möchte jedoch das Wissenschaftliche hier nicht vertiefen.

Die eigenen Erinnerungen sind jedoch manchmal verschwommen, entsprechen gar nicht den Tatsachen, wie uns andere Familienangehörige möglicherweise korrigierend erklären können. Sie sind überschattet von Trauer und daher lückenhaft, verklärt, verzerrt oder voller Euphorie, wo keine angebracht wäre. Ich vergleiche mein Gehirn, mein Gedächtnis gerne mit einer Computerfestplatte, auf der schön sortiert alle Erinnerungen in bestimmten Bereichen ihren Ablageplatz gefunden haben. Je nach Bedarf schaue ich in mich hinein und hoffe die gewünschte Erinnerung zu finden. Was natürlich ein Trugschluss ist, denn so funktioniert unser Gedächtnis leider nicht. Es wäre zwar wunderbar, beispielsweise für alles, was wir jemals gelernt haben, aber wie gesagt. So ist es nicht.

Und man kann getrost sagen – Gott sei Dank. Denn viele Menschen erleiden in ihrer Kindheit Schreckliches, viele Soldaten weltweit sind froh, wenn sie Erlebtes zwar nicht völlig vergessen, aber wenigstens in die Tiefen des Gedächtnisses verschieben können, viele Flüchtlinge erleben Traumatisches, Katastrophenopfer leiden häufig zeitlebens.  Und all‘ diese Erinnerungen beeinträchtigen das gesamte weitere Leben, verändern die Sichtweise, das allgemeine Verhalten.

Mich interessierte vor vielen Jahren die Biographie von Marilyn Monroe und ich las die Lebensgeschichte von Rod Stewart. Harpe Kerkelings Bücher „Ich bin dann mal weg“ und „Das Kind muss an die frische Luft“ gehören ebenfalls in den Bereich der Biographien und sind äußerst lesenswert, wenn man sich denn für diese Künstler interessiert. Aber muss es gleich ein Filmstar, ein Komiker oder Musiker sein, der seine Biographie zum Besten gibt? Natürlich nicht. Die ganz alltäglichen Mitmenschen haben häufig solch‘ interessante Lebensgeschichten, dass sie tatsächlich einen Filmstoff bilden könnten. Man muss nur zuhören.

Kinder, Enkelkinder, Urenkelkinder oder noch spätere Nachkommen werden sich bestimmt eine interessante Lebensgeschichte aus der eigenen Familie gerne anschauen, wenn die Biographie Ereignisreiches enthält. Eine langweilige Autobiographie dagegen wird sicher schnell zur Seite gelegt, weil der Bericht beispielsweise über 45 Jahre tägliches Berufs-Einerlei nun mal nicht sonderlich lesenswert erscheint. Doch wie auch immer – wer für sich selbst oder für seine Nachkommen seine Erinnerungen, sein Leben dokumentieren möchte, wird sicher viel länger in Erinnerung verbleiben.

Vielleicht war dieser Bericht für Sie liebe Leserinnen und Leser ein kleiner Ideengeber. Entweder greifen sie zu Notizbuch und Stift und beginnen zu schreiben, oder Sie erinnern sich am Computer sitzend und schreiben drauf los. Eine weitere Möglichkeit, die sicher von vielen jüngeren Familienangehörigen gerne aufgegriffen wird, ist das Erzählen über das eigene Leben. Und jemand schreibt es auf. Bleiben Sie in Erinnerung, wie auch immer.

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