“Die Bohrmaschine” – Wichtig? Oder eher nicht?

Von meinem heutigen Interviewpartner wollte ich schlicht und ergreifend wissen, ob für ihn als „Mann“ ein bestimmtes Werkzeug wichtig sei. Oder eben nicht. Nun ist die Erwartungshaltung fast immer darauf ausgerichtet, ein vehementes „aber sicher“ auf diese Frage zu erhalten. Weshalb ich auch nicht in einem Baumarkt nachfragte, denn diese Kunden dort, so stelle ich mir vor, sind in erster Linie handwerklich geschickt oder tätig und den meisten ist wohl die Handhabung einer Bohrmaschine nicht fremd.

Peter Scharler, Foto Ute Boysen

Und so stellte ich meine heutige Frage dem Salzburger Peter Scharler (64), der mir mit österreichischem Charme gerne für ein Gespräch zur Verfügung stand. Nicht erwartet hatte ich ein mit Nachdruck ausgesprochenes „Nein, eine Bohrmaschine wichtig? Überhaupt nicht und ich finde sie auch total unwichtig und habe in meinem Leben noch nie eine besessen!“ Erstaunt ob dieser Antwort frage ich Peter S., ob er denn auch als Kind nie Interesse an handwerklichen Arbeiten oder Maschinen gehabt habe. Und tatsächlich erzählt er mir folgende Geschichte: „Meine Eltern waren sogar Inhaber eines großen Bauunternehmens und eines Sägewerkes mit mehr als 200 Mitarbeitern, Fachleuten auf ihrem jeweiligen Gebiet. Aber ich hatte wirklich nie das Interesse daran, dort zuzuschauen oder etwas auszuprobieren.“

Scharler’s Vater vertrat immer die Meinung, dass jeder nur das machen solle, was er könne. Es sei denn, es mache Spaß. Was im Klartext eine Interessen- und Berufsfreiheit für den Sohn bedeutete. Dennoch hatte Peter S. schon immer ein großes Technikverständnis in der Theorie und technische Zusammenhänge oder Abläufe waren für ihn absolut nachvollziehbar. Nur halt an der „Ausübung hatte ich kein Interesse“, sagt er. So absolvierte er eine technische Fachausbildung mit Matura, was dem deutschen Abitur gleichgestellt ist. Es folgte eine dreijährige Praxiszeit. Mit 22 Jahren war Peter S. „fertiger“ Ingenieur. Um aber Diplom-Ingenieur zu werden muss ein Studium folgen. Doch der Senior hatte andere Ziele und beschloss Wirtschaftswissenschaften (bei uns Betriebswirtschaft) mit dem Schwerpunkt Marketing zu studieren. Es folgte eine Anstellung zu einem technischen Unternehmen ins Marketing. Doch nach wie vor hatte er noch nie eine Bohrmaschine zur Hand genommen.

Bohrmaschine, Foto bru-nO auf pixabay

Und so frage ich nach, wie es denn in späteren Jahren, als Ehemann oder Vater gewesen sei. Es gäbe doch immer mal im Haushalt das Eine oder Andere aufzuhängen… „Oh nein, für all‘ solche Arbeiten rief ich immer Handwerker. Und eine Glühbirne habe ich auch noch nie eingeschraubt,“ erzählt der Senior und ich bin mehr als überrascht. „Natürlich habe ich oft zugesehen, wenn Handwerker Dübel gesetzt haben für Bilder oder Möbelteile. Ich traue es mir auch selbst zu. Allerdings würde es mit großer Sicherheit schon daran scheitern, dass ich den Bohrer nicht in die Bohrmaschine einsetzen könnte oder die Dübel zum Vorsatz nicht passen. Nach zwei oder drei Versuchen, denke ich, würde es passen,“ sagt der Senior. Man merkt ihm allerdings an, dass er lieber Fachleuten solcherlei Arbeiten überlässt und sich dem widmet, was er selbst gut beherrscht.

Und sein Sohn? Peter Scharler schmunzelt. Der habe auch kein handwerkliches Geschick, aber keine zwei linke Hände wie sein Vater. Es ist ja nicht so, dass Scharler noch nie einen handwerklichen Versuch unternommen habe, erfahre ich ziemlich spät im Gespräch und fast so nebenbei. Nein, nein, vor rund 40 Jahren habe er tatsächlich einmal das große Ziel gehabt, Möbel einer weltbekannten schwedischen Möbelkette aufzubauen… Was nicht klappte. Und so beschloss er, nie wieder solche Arbeiten auszuprobieren. Das sei bis heute so geblieben.

Ich stelle ihm nach wie vor verwundert die Frage, ob es ihn denn nicht vielleicht sogar stolz machen würde, mit der Bohrmaschine und anderen handwerklichen Geräten oder Maschinen etwas zustande zu bringen? „Nein, überhaupt nicht. Ich bin Perfektionist und mir sind solche Tätigkeiten oder die Bohrmaschine an sich einfach nicht wichtig,“ antwortet der Senior.

Er hat allerdings, das sei noch erwähnt, in seinem Unternehmen, einer Werbeagentur für die Tourismusbranche mit Schwerpunkt TV-Spots, Radio-Werbung und Auftritten in den sozialen Netzwerken keinerlei Bezug zum erfragten Thema und musste sich zeitlebens nie damit befassen. Und so fasse ich für mich zusammen, dass es bei manchen Gegenständen an der Zeit zu sein schein, mit Klischees aufzuräumen. Nicht jeder Mann liebt Baumärkte und das Handwerk. Warum auch?

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