“Die Frisur” – Wichtig? Oder eher nicht?

Wie ich auf dieses Thema kam? Ganz einfach: durch einen kritischen aber erfreuten Blick in meinen Spiegel. Denn meine Haare sind in den vergangenen drei Jahren wieder richtig lang geworden. Lang für mich, denn von Null auf diese Länge – das hat halt gedauert.

Nun möchte ich aber nicht über mich schreiben, denn auch zu diesem Thema fand ich wieder eine aufgeschlossene Interviewpartnerin. Dieses Mal handelt es sich um Gabrielle Brune (63 zum Zeitpunkt des Interviews), die seit mehr als 30 Jahren in Spanien lebt und arbeitet, gebürtig aber aus der deutschsprachigen Schweiz stammt. Die Haarfarbe? Weiß-Blond-Grau oder irgendetwas dazwischen, wie sie selbst sagt.

Ihre umgehende Antwort auf meine Frage „Ist Ihnen die Frisur generell wichtig? Oder eher nicht?“ lautete mit Nachdruck „Nein – mir war und ist die Gesundheit meiner Haare viel wichtiger“! Ok, dachte ich mir, das ist doch wohl bei fast allen Frauen und Männern so, oder? Aber nein, berichtigte ich mich in Gedanken sofort selbst wieder, denn, wenn man sich die unüberschaubare Angebotsvielfalt an Haarpflegeprodukten im Einzelhandel einmal anschaut, dann stellt sich auch die Frage, ob wir dies alles für gesunde Haare wirklich benötigen…

Nun gut, ich hakte nach und Gabrielle erzählte darüber, dass sie bereits im Alter von 15 Jahren die ersten grauen Haare feststellte. Sie war nicht ganz so entsetzt, wie man es vielleicht vermuten würde, denn dies war genetisch bedingt und auch ihre jugendliche Mutter trug diese Naturfarbe. Niemals sei ihre Mutter oder sie selbst auf die Idee gekommen, die Haare zu färben oder zu tönen. Eben aus Gesundheitsgründen. Auch eine Dauerwelle wäre niemals in Frage gekommen. „Also generell gesagt, ich hasse es, wenn mir jemand oberhalb des Halses herumfummelt“, lacht Brune und fährt fort, dass sie es einfach nicht möge, stundenlang in einem Friseursalon herumzusitzen und dann auch noch Gespräche aufgezwungen zu bekommen. Ich schmunzle vor mich hin, denn so rigoros hat sich aus meinem Bekanntenkreis noch niemand geäußert. „Zur Kosmetikerin gehe ich aus diesen Gründen auch nicht“, erzählt Gabrielle weiter.

„Meine Frisur habe ich nie geändert, die Farbe auch nicht. Und weil ich jeden Morgen um 7.30 Uhr schwimmen gehe, ich nenne es auch Altweibergymnastik, muss meine Frisur absolut praktisch sein.“ Überhaupt sei sie sehr sportlich veranlagt, hätte früher Volleyball gespielt und ginge heute im Freizeitsport auf. Denn Bewegung sei ihr sehr wichtig und da würde eine komplizierte Frisur nur stören. „Zum Glück sind meine Haare immer in dieser Form gewachsen und ich muss wirklich nur bei einer mir nicht mehr zusagenden Länge für einen ganz kurzen Termin den Friseur aufsuchen.“

Brautfrisur, Foto Ulrike Mai auf pixabay

Es war ein sehr lustiges Interview, in dem wir beide wirklich häufig lachen mussten und wir uns die Frage stellten, warum in allen Frauenmagazinen Jahreszeiten unabhängig seitenweise Frisur Vorschläge veröffentlicht werden, warum die Haarfarbe im Frühjahr und Sommer als „blondes Wunder“ angepriesen wird und im Herbst spätestens alle Frauen plötzlich nussbraune Strähnchen tragen sollen… Im Frühjahr sind Kurzhaarfrisuren absolut angesagt, im Herbst sollen wir, um modisch auf dem Laufenden zu sein, eine langhaarige Lockenfrisur tragen… Ja es ist verwunderlich. Und auch die Brautfrisuren müssen ständig dem Zeitgeist angepasst werden.

Rockstar Frisur, Foto Ryan McGuire auf Pixabay

Doch zu allen Zeiten, und das seit bereits fast 6000 Jahren, war der natürliche Kopfschmuck, also das Haar, ein großes Thema in allen Kulturen. Etwa 4000 Jahre vor Chr. sollen laut ägyptischer Ausgrabungsfunde Haarschmuckbeigaben gefunden worden sein. Und sogar Perücken waren im alten Ägypten bereits 1000 Jahr später ein Thema. Im alten, vorchristlichen Griechenland trugen beide Geschlechter lieber Perücken, als mit eigener Körperbehaarung herumzulaufen… (Quelle: www.wikipedia.de). Und über die Jahrtausende und Jahrhunderte variierten sowohl die Haarlängen, als auch die Haarfarben, denn das Färben der Haare war ebenfalls schon früh bekannt. Blondes Haar galt als erstrebenswert (was ja bis heute so geblieben ist). Erklären lässt es sich sicher dadurch, dass der Größte Anteil der Weltbevölkerung kulturbedingt schwarze Haare trägt.

Ob nun die Frisuren lockig, wellig, glatt am Kopf anliegend oder mit Gel in Form gezupft daherkommen, ob die „vokuhila“ (vorne kurz und hinten lang) dem Schönheitsideal entsprach oder die Rasterlocken der Bob Marley Anhänger für Aufsehen sorgten. Blaugefärbte Irokesen Haarschnitte empörten oder Marilyn Monroes Blondschopf begeisterte – immer entsprechen Frisuren auf die eine oder andere Art dem Zeitgeist. Doch zum großen Glück wissen die meisten Männer und Frauen trotz aller Vorgaben oder Vorschläge, was ihnen am besten steht, denn die Frisur ist wichtig genug, um den eigenen Typ herauszustreichen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here