Die Kirmes

Kirmes, Hexenfigur mit Schild, Foto Ute Boysen

Welche Bedeutung hat sie?

Nun befinden wir uns schon wieder im Herbst und die letzten Städte für eine Kirmes, oder Jahrmarkt, je nach Bundesland, werden von den Schaustellern angefahren. Viele sind es nicht mehr, denn die Saison neigt sich dem Ende zu. Wurde soeben die Großkirmes „Oktoberfest“ in München und die Kirmes auf der Canstatter Wasen in Stuttgart (hier heißt es aber eher Volksfest) beendet, machen sich zahlreiche Fahrgeschäftsinhaber und Schausteller auf den Weg in kleinere Städte des Landes.

Hat die Kirmes auch heute noch die enorme Anziehung der vergangenen Jahre, ja Jahrhunderte? Es gibt sie unter dem Begriff „Jahrmarkt“ schon seit dem Mittelalter. Dieser damals einmal im Jahr stattfindende Jahrmarkt sah hingegen völlig anders aus als unsere heutige Kirmes. In erster Linie wurde dort noch etwas vorgeführt, erzählt, ausgestellt, mitgeteilt. Erst sehr viel später entwickelte sich das Kirmesfest zu einem „Mitmachen, Teilnehmen, Mitfahren“. Und erst seit dem Jahr 1869 unterliegt der Jahrmarkt in Deutschland der Gewerbeordnung, wonach „für eine zeitlich begrenzte Zeit Anbieter Waren aller Art feilbieten dürfen“ (Quelle: Wikipedia).

Damals, so stelle ich mir vor, war es wirklich noch eine Attraktion. Eine willkommene Abwechslung im ständig gleichen arbeitsreichen Alltagstrott der Menschen. Wohnten und lebten sie außerhalb der Städte, so war die Bedeutung dieses Volksfestes erst recht nicht zu unterschätzen. Neuigkeiten in Wort und Schrift, durch Vorführungen oder Erzählungen, erreichten die Landbevölkerung gerade auf diesem Weg des Jahrmarktes. Kuriositäten wurden ausgestellt und Süßes verkauft, welches ansonsten nicht erhältlich war. Man traf sich dort auf dem Jahrmarkt, genoss die Geselligkeit und zehrte lange von dem Erlebnis.

Und heute? Zumindest in unserer Stadt ist das fast noch genauso, denn die im Oktober stattfindende Kirmes ist schlicht DAS Ereignis des Jahres. Nicht selten sparen die Kinder das ganze Jahr für diese Kirmestage und erhalten von den Großeltern zusätzliches „Kirmesgeld“. Die Erwachsenen fiebern den Tagen ebenso entgegen, denn viele verschiedene Möglichkeiten, sich auf der Kirmes zu amüsieren sprechen die unterschiedlichsten Menschen an. Die einen lieben je nach Altersstufe immer noch die schwindelerregenden Höhen der Fahrgeschäfte, den Kick der Geschwindigkeit oder das Drehen und Schleudern der Karussells. Andere dagegen freuen sich über die leckeren Kleingerichte von Stand zu Stand, lieben Zuckerwatte und gebrannte Mandeln und schauen sich alles nur an.

Ganz anders verhält es sich wiederum bei den feierfreudigen Mitmenschen. Diese genießen ganz besonders die vielen Bierstände mit Musikhintergrund, teilweise mit kleinen Tanzflächen und/oder Lifemusik. Die Summe aller Dinge, das Treffen von Familienangehörigen, Bekannten, Nachbarn, Freunden, Menschen, die man lange nicht gesehen hat – die gute Stimmung und das fröhliche grellbunte Durcheinander mit teilweise überlauter Geräuschkulisse – all das macht die Freude und den Spaß an einer Kirmes aus. Auch heute noch – oder gerade heute.

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