„Die Motivklingel“ – Teil 2

Fotostudio Rösler – damals

Fotostudio, Kernkraftwerk Kalkar, Foto W. Rösler privat

Lesen Sie heute, wie es weiter ging mit dem Fotostudio Wolfgang Röslers, was es mit der Motivklingel auf sich hat und welche Stellplatzgrößen die Farbentwicklungsmaschine beanspruchte:

Ein weiteres Großprojekt beschreibt Rösler: „Das Kernkraftwerk Kalkar sollte vom Aushub an fotografisch begleitet werden. In Phasen über fünf bis sechs Jahre stellte ich bis zur Stilllegung des Kernkraftwerkes sämtliches Fotomaterial her, um den Bauverlauf zu dokumentieren, für Genehmigungen und Veröffentlichungen. Auch dies war ein faszinierender Auftrag“. An zahlreichen Projekten waren ganz sicher viele heutige Kollegen Röslers beteiligt – als Lehrlinge. Schon 1968 begann der Fotograf mit der Ausbildung der jungen Leute. „Einige meiner Lehrlinge haben Preise gewonnen bei Wettbewerben und etwa acht der Ehemaligen zählten bis zum Ruhestand zu meinem direkten Kollegenkreis“, berichtet Rösler erfreut.

Fotostudio, Gruppe ehemaliger Auszubildender und W. Rösler, Foto W. Rösler privat

Früher wie heute werden Lehrlinge auf die Schüppe genommen und auch in dieser Branche gibt es so manche Anekdote. „Die ganz frischen neuen Lehrlinge fragten häufig, welches Motiv sie wählen sollten. Ich erzählte ihnen von einer Spezialkamera, ausgerüstet mit einer so genannten Motivklingel. Sie sollten raus in die Landschaft gehen und nach Motiven Ausschau halten. Wenn ein schönes Motiv erschiene, würde diese Motivklingel läuten …“ lacht Rösler auch heute noch herzhaft bei diesen Erinnerungen. Fast alle in der Werbefotografie Tätigen im größeren Umkreis von Bocholt wurden von ihm ausgebildet, so wie Michael Deutz, Röslers Nachfolger seit dem 1. April 2010. Die Eheleute Mareike und Michael Deutz, ebenfalls selbständig arbeitend in einem Fotostudio, suchten nach Erweiterungsmöglichkeiten oder einer neuen beruflichen Herausforderung. So ergab sich die Nachfolge für das Fotostudio, welches seit 1987 unter dem Namen Rösler Foto + Werbung firmierte.

Sieben Jahre ist nun schon der ehemalige Auszubildende der neuen Generation mit dem Namen „Deutz Produktionsstudios GmbH“ hier selbstständig tätig, um nichts desto trotz das langjährige Fotostudio mit alten und neuen Ideen auszustatten und den guten Ruf aufrecht zu erhalten. Welch‘ gutes Verhältnis der Fotograf stets zu seinen Auszubildenden und Mitarbeitern hatte lässt sich leicht ablesen an der Gästeliste zum 70. Geburtstag. Röslers Ehefrau recherchierte heimlich über einen längeren Zeitraum nach Namen und Anschriften und lud eine große Anzahl Ehemaliger ebenfalls heimlich ein. Deutschlandweit leben sie verteilt von Köln über Nürnberg, Ludwigshafen oder Hamburg. 28 Ehemalige sagten zu und kamen an diesem Montag zum 70. Geburtstag Röslers. Seine Überraschung und grenzenlose Freude über dieses gelungene Wiedersehen steht dem Fotografen noch heute im Gesicht geschrieben.

Fotostudio, Das Fotostudio etwa 1987, Foto W. Rösler privat

Bis zu Beginn der 90er Jahre zählte das Unternehmen 26 Mitarbeiter. Erst mit der Testphase und anschließend mit dem Umbruch zur Digitalfotografie waren weniger Angestellte notwendig zur Auftragsbearbeitung. Durch die Entsorgung der damaligen großen analogen Maschinen konnte die Gesamtfläche auf rund 800 m² zurückgeführt werden. Um den Platzbedarf der ehemaligen Maschinen einmal zu verdeutlichen hier die Maße: die Breite der Farbentwicklungsmaschine betrug 2 m, die vollautomatische Diaentwicklungsmaschine maß sogar 2,5 m in der Länge, 2,5 m in der Höhe und ca. 0,8 m in der Breite! Kein Vergleich zu heute, merkt Rösler an.

Ganz besonders hervorheben möchte der Fotograf außerdem die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit mit einigen Stammkunden: „Seit Jahrzehnten sind uns einige Kunden treu geblieben, wie beispielsweise die Bocholter Eisengießerei Hulvershorn.“ Das Fotostudio unter Michael Deutz firmierte zu Produktionsstudios. Im Sinne des Fotografen, der mit seiner Liebe zur Fotografie, mit seinem unermüdlichen Schaffen und viel Mut in seinen fast fünf Jahrzehnten Tätigkeit viel erreicht hat, führt heute die Firma Deutz das Studio weiter. Einfließen lässt Deutz die eigene Kreativität – und das ist verbunden mit Tradition ein gutes Team.

 

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