„Die Motivklingel“ – Teil 1

Fotostudio, W. Rösler mit seiner Kamera, Foto Ute Boysen

Fotostudio Rösler – damals

Was fällt Ihnen so ganz spontan zum Begriff „Fotograf“ ein? Je nach Leser-Alter möglicherweise die Worte Porträt, Hochzeitsfoto oder sogar eine bekannte TV Show, in der ein Top-Model gesucht wird, vielleicht noch Kamera, Objektiv und Schwarz-Weiß-Fotografie. Doch kaum jemand denkt darüber nach, wie bebilderte Prospekte, Kataloge oder anderes Werbematerial entstehen. Und hier nun kommt ein Fotostudio wie das von Wolfgang Rösler ins Spiel.

Ursprünglich aus Dillingen an der Donau stammend machte Rösler (88)  im Anschluss an seine Drogistenlehre sein Hobby Fotografie zum Beruf. Er besuchte die Drogistenakademie in Braunschweig, heute vergleichbar mit einer Fachhochschule, und arbeitete unter anderem ein Jahr dort in der Fotoassistenz. Mit dem Umbruch zur Farbfotografie 1958/59 wurden Weiterbildungen notwendig, da die chemisch veränderten Substanzen der Farbentwicklung von ehemals sieben auf zwei reduziert wurden (Entwickler und Bleichfixierbad).

Die berufliche Laufbahn nahm eine entscheidende Wendung mit einer Stellenanzeige in einer Fachzeitschrift. „Das Fotoladengeschäft und Studio Theo Enk aus Bocholt suchte einen Einzelhandelskaufmann Fachbereich Foto und ich bin hingefahren zum Vorstellungsgespräch“, erinnert sich Rösler gern an die Zeit zurück. Er kam – und blieb. Lernte seine erste Frau im gleichen Geschäft kennen, legte seine Gesellenprüfung ab und erlangte später den Meisterbrief. Seine etwa 1956 erworbene erste „richtige“ Systemkamera mit wechselbaren Objektiven, die Sucherkamera Contax der Firma Zeiss steht noch heute im Regal des Büros und erinnert an die ersten Jahre.

Fotostudio, Erstes Studio 1963, Linhof-Fachkamera und Heißlicht

Die Überlegung sich selbständig zu machen keimte langsam in den nun verheirateten Eheleuten auf und da auch Irene Rösler Inhaberin des Meisterbriefes war, fand am 01.10.1963 die Eröffnung des ersten Fotostudios Rösler im Dachgeschoss des Hauses auf der Hohenstaufenstraße statt. Nach etwa vier Jahren wurde jedoch dieses Fotostudio zu klein. Nun fragen Sie sich vielleicht „Wie kann ein Fotostudio so schnell und überhaupt zu klein werden?“ Erklärung: Röslers hatten sich von Beginn ihrer Selbständigkeit an nur am Rande mit der Privatfotografie beschäftigt, den Hauptkundenstamm bildeten Handels- und Industrieunternehmen mit ihren Aufträgen zu Werbeaufnahmen, was immer so geblieben ist.

Zurück zur Geschichte des Fotostudios. Schon etwa vier Jahre später erfolgte der Umzug zur Neustraße 20. Heute befindet sich an dieser Stelle der Drogeriemarkt dm – damals stand hier das Hotel „Deutsches Haus“, vielleicht erinnert sich der Eine oder Andere unter Ihnen, liebe Bocholter Leserinnen und Leser. „In mühseliger Kleinarbeit, kaum vorstellbar in der heutigen Zeit, musste ich mit Hammer, Meißel und Eimern die vielen Wände der Hotelzimmer abreißen und den Schutt in sieben Lastwagenladungen abtransportieren. Eine unglaubliche Schufterei, um dieses Fotostudio in großzügigen, weiten Räumlichkeiten einrichten zu können, “ berichtet Rösler mit berechtigtem Stolz in der Stimme zu dieser Leistung.

Fotostudio, W. Rösler beim Erweiterungsbau 1981, Foto W. Rösler privat

Doch auch dieses Studio wurde schnell zu klein, da  im Jahr 1968 bereits eine große Nachfrage auch der Bocholter Textilindustrie nach Werbeaufnahmen bestand. Also mietete Rösler weitere Räume auf der Franzstraße 97 an, heute befindet sich dort  das Sportzentrum Hatzky. Immobilieneigentümer Karl-Heinz Mumbeck baute 1971 für Röslers den Ansprüchen des Fotostudios entsprechend im 1. Bauabschnitt einen Neubau an, welcher bereits 1982 durch einen 2. Bauabschnitt erweitert wurde. Die 1987 zusätzlich gegründete Werbeagentur komplettierte das Angebot auf einer letztendlichen Flächengröße von mehr als 2200 m², das Studio von der Neustraße wurde integriert.

Mit ihren Werbeaufnahmen machten sich die Röslers über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen und Firmen rund 100 km entfernt von Bocholt zählen zum Kundenstamm. In den Aufträgen handelt es sich überwiegend um Produktfotos für Kataloge und Prospekte, aber auch um Messefotos oder Plakate unterschiedlichster Größe. Begeistert erzählt Rösler vom größten Herstellungsformat: „Mit den Maßen 12 m x 2,50 m produzierten wir ein Foto eines ICE. Die Deutsche Bundesbahn hatte diesen Auftrag anlässlich der 150 Jahre DB erteilt und es war schon etwas ganz Besonderes.“

Fotostudio, Posterverlag im Studio, Foto W. Rösler privat

Und er erinnert sich weiter: „Ganze Wohnzimmer haben wir in den Studios aufgebaut für die Fotoaufträge zu Möbelkatalogen, oder sogar Autos für die Werbeaufnahmen hier ins Studio gefahren. Das hat sich heute natürlich geändert. Fahrzeuge werden beim Kunden fotografiert. Doch Studioaufnahmen finden selbstverständlich bei kleineren Werbeprodukten wie zum Beispiel Tiernahrung statt.“ Der Fotograf schwelgt weiter in Erinnerungen zu den unterschiedlichsten Arbeitsaufträgen. So erzählt er auch hier wieder begeistert von Modetextilien, welche entweder im Studio oder auch „on location“ fotografiert wurden. Diese Aufnahmen fanden statt in besonders schönen Landschaften und hin und wieder auch im Ausland.

Lesen Sie im 2. Teil, was es mit der „Motivklingel“ auf sich hat.

 

 

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