Die Persimone

„Probieren Sie einmal…“

Früchte, Persimone, Foto Ute Boysen

Die Holzkiste, in der sauber eingeordnet die gelb-orangefarbenen Früchte lagen, fiel mir sofort ins Auge. Fremd sahen sie aus, diese glatten etwa pfirsichgroßen Obstteile und auch der Name „Persimon“ klang fremd. Vorsichtig nahm ich eine dieser Früchte in die Hand. Fest, etwa schwer wie eine Nektarine oder ein Pfirsich gleicher Größe und an einer Seite vertrocknete Blättchen am Stiel. Neugierig geworden kaufte ich zwei Persimonen und freute mich auf ein neues Geschmackserlebnis. Laut Duden wird die Frucht  „die Persimone“ genannt.

…doch muss sie geschält werden? Entkernt? Gewaschen? Auch hierzu war es wieder erforderlich zu recherchieren.  Andere Kunden standen ebenfalls etwas ratlos vor besagter Holzkiste und auf Nachfrage zur Verarbeitung erhielt ich nur einige Achselzucken. Also holte ich mir Rat im Internet und erfuhr, dass beide Enden der meist oval förmigen Persimonen nach dem Waschen einfach abgeschnitten werden. Die etwas festere Haut ist ebenfalls essbar und es ist reine Geschmackssache, ob Sie diese mit verwenden oder die Frucht abschälen.  Ich habe die Persimone also der Länge nach durchgeschnitten und nur ganz wenig vom Innersten entfernt, da sie kernlos, also ohne Gehäuse heranwächst.

Das Aroma dieser Frucht erinnerte mich entfernt an eine feste Birne, nur leckerer. Ohne herauslaufenden Saft oder matschige Spelten lässt sich die Persimone praktisch und sauber wie ein Apfel am Stück essen, schmeckt aber auch wunderbar kleingeschnitten im Fruchtsalat. Auffallend ist die fehlende „Süße“. Dieses Obststück ist weder schreiend süß noch bitter wie Grapefruit oder sauer wie häufig die Kiwis oder auch schon mal die Orangen, was am minimalen Anteil der Tannine (Bitterstoffe) liegt.  Der Geschmack ist eher als angenehm mild süßlich einzuordnen.

Nun fragte ich mich bei all‘ meiner Begeisterung, warum mir die Persimonen noch nie aufgefallen sind und stellte fest, dass die Oberbezeichnung „Kaki“ lautet und die Früchte „Sharon“ oder eben „Persimone“ eine besondere Zuchtform der Kaki darstellen. Diese Kaki, am bis zu zehn Meter hohen Kaki Baum (Kiospyros kaki) wachsend,  wird auch Dattelpflaume genannt – und Datteln mag ich nicht. So kann es passieren, dass durch falsche Bezeichnungen oder falsch verstandene Beschreibungen eine Frucht erst nach und nach bekannt wird und an Beliebtheit zunimmt.

Mit der Beliebtheit ist es allerdings nun auch wieder so ein Ding. Denn obwohl die Persimonen ursprünglich überwiegend in einigen asiatischen Ländern angebaut wurden, hat vor vielen Jahren Spanien den Anbau im großen Stil für sich entdeckt. An der Ostküste des Landes, genauer gesagt rund um das katalonische Valencia, entscheiden sich zunehmend mehr Obstbauern vom Orangenanbau zum Persimonen Anbau überzugehen. Ganze Orangen Plantagen fallen der „neuen“ Frucht zum Opfer. Der Grund? Wie so häufig hat es mit Ertrag zu tun. Die Orangen, oder auch Apfelsinen genannt, bringen längst nicht mehr so viel Ertrag wie die Persimonen. Im Gegensatz zur Orange, der ein Kilogramm-Preis zu Grunde liegt, besitzt die Persimone noch einen Stück-Preis. Und der liegt schon mal leicht bei 80 Cent (im Angebot allerdings auch bei 29 Cent). Was den Wechsel von einer Anbausorte zur anderen sehr reizvoll macht. Steigen allerdings die Verkaufszahlen langsam aber stetig an und erfährt die Persimone auch nur annähernd solch‘ eine Beliebtheit wie die guten alten Apfelsinen – dann wird die Gewinnspanne für die spanischen Obstbauern auch hier kleiner und kleiner ausfallen.

Kommen wir zurück zur Frucht. Die Persimonen erscheinen hier in unserem Land überwiegend in den Monaten Oktober bis Januar im Angebot der Obstabteilungen. Interessant werden sie für uns Kunden dadurch, dass erheblich weniger Früchte in diesen Monaten aus heimischen Regionen zur Verfügung stehen. Um uns aber auch weiterhin gesunde Frischevielfalt  anbieten zu können, greift der Handel mehr und mehr auf „unbekanntere“ Früchte zurück und probiert den Verkauf bei uns aus. So lange wir wissen, wie wir dieses „Unbekannte“ behandeln oder zubereiten müssen, ist das eine gute Idee – doch leider greifen wir nach wie vor nicht freudestrahlend zu, wenn wir etwas nicht kennen. Wie schon in einem früheren Serienbeitrag erwähnt „Was der Bauer nicht kennt …“.

Die Kakifrucht Persimone kann unsere Gesundheit gerade in der kälteren Jahreszeit sehr gut unterstützen. Zahlreiche Nährwerte (Kalzium, Natrium, Magnesium, Kohlenhydrate) sowie Provitamin A (wird vom Körper in Vitamin A umgewandelt und dieses ist wiederum unter anderem zuständig für Abläufe beim Zellwachstum, Vitamin B6 (abwehrkräfte- und nervenstärkend) und Vitamin C (stärkt ebenfalls die Abwehrkräfte und unsere Leber benötigt zur Entgiftung dieses Vitamin), um nur einige zu nennen, machen dieses Obst zu einer ausgesprochen gesunden Ernährungsbereicherung.

Und die Persimonen sind dabei noch lecker! Probieren Sie einmal!

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