Die Senioren-Blaskapelle

Eichenholzbrett mit Noten, Foto Ute Boysen

Seniorinnen und Senioren gehen heute vielerlei Hobbies nach und so manch‘ einer staunt angesichts der Aktivitäten. Wenn auch die modernen Medien für ältere Menschen immer interessanter werden, so gibt es doch noch alte, wohlbekannte und Freude bereitende Hobbies, die sich über Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte erhalten konnten. Die Musik, besser gesagt, das Musizieren.

Blaskapelle, Hans Epping bei der Probe, Foto Ute Boysen

Hans Epping ist 77 Jahre alt und leidenschaftlicher Musiker, was wohl in den Genen liegen mag, denn Eppings Vater spielte in einer Blaskapelle. Schon im Alter von neun Jahren griff Hans E. zu Vaters Musikinstrument „Horn“, ließ sich die Griffe der C-Dur-Tonleiter Noten aufschreiben und lernte ganz schnell zu spielen. Die Familie war begeistert und sein Vater sorgte umgehend für Unterricht bei einem Kapellmeister. Fortan spielte der kleine Hans wöchentlich auf seinem Musikinstrument, nahm die Proben sehr ernst und spielte in späteren Jahren im Jugendblasorchester.

Probestunde einiger Kapellenmitglieder, Foto Ute Boysen

Doch mit 18 Jahren wurde für ihn der Fußball wesentlich interessanter und er stellte seine Musik in den Hintergrund. 20 Jahre und ein Wohnortwechsel mussten vergehen, bis es zur Gründung der ersten Blaskapelle kam – und dort spielt der Senior noch heute (Sporker Musikanten), seit nunmehr 39 Jahren. Aber auch das reichte Epping noch nicht und so trat er vor 11 Jahren in eine zweite Blaskapelle ein – die Senioren-Blaskapelle. Zwei Mal wöchentlich für zwei Stunden proben hier mal neun, mal zehn Musiker und nehmen das zeitintensive Hobby gern in Kauf, ja sie bilden eine eingeschworene Musikergemeinschaft. Der Schlagzeuger aus dem Nachbarort ist 86 Jahre alt und spielt bereits seit 70 Jahren Schlagzeug! Der Akkordeon-Spieler aus Oberhausen ist mit 87 Jahren das älteste Mitglied!

Blaskapelle, Musikinstrument hängend am Notenständer, Foto Ute Boysen
Blaskapelle, Akkordeonspieler + Schlagzeuger, Foto Ute Boysen

Mit dem zeitaufwändigen Proben ist es jedoch nicht getan, denn Auftritte zu verschiedensten Anlässen sollen auch anderen Menschen Freude bereiten. So spielt die Senioren Blaskapelle zu Nachbarschaftsfesten, Gold- und Diamantenen Hochzeiten, oder in Seniorenheimen, um nur einige Anlässe zu nennen. Leider sind die Flächen in den Heimanlagen für die Lautstärke der Instrumente ein wenig zu klein und einige Seniorenheimbewohner hielten sich die Ohren zu, erzählt Hans E. Es muss halt immer der Standort angeschaut werden.

Ich frage nach den Liedern, die gespielt werden und der Senior berichtet stolz: „Wir haben mehr als 100 verschiedene Musikstücke aus der Volksmusik in unserem Repertoire. Lieder der „Egerländer Musikanten“ (https://www.die-egerlaender.de/), der Böhmerländer (https://www.youtube.com/watch?v=xLod3nveXP8) und andere Volksmusikstücke.“ Bei den Auftritten ziert ein besonderes Tuch, bedruckt mit dem Kapellen-Namen, den Notenständer. Dies sei eine gut sichtbare Werbung für Interessenten, erzählt Epping und fährt fort, dass die Senioren Blaskapelle durch die Mundpropaganda weit über die Stadtgrenze hinaus bekanntgeworden sei.

Kann denn einfach jeder Blasinstrumenten-Spieler einsteigen in die bestehende Musikergruppe? Nun erklärt mir der Senior, wie die Idealbesetzung einer solchen kleinen Kapelle aussehen sollte. Zwei Flügelhörner (trompetenartiges Aussehen mit sanfterem Klang), zwei Hörner (davon ein Bariton und ein Tenor), ein Schlagzeug, drei Akkordeons und eine Tuba. In dieser Zusammensetzung wäre es eine ideale Kapelle. „Doch leider fehlt unserer Senioren-Blaskapelle der Tuba-Bläser“. berichtet Epping. Nun stelle ich mir noch eine andere Laien-Frage: Kann denn jeder Musikant in eine jahrelang bestehende Kapelle einsteigen und sofort mitspielen? Braucht es nicht enorme Erfahrung? Epping erklärt mir bereitwillig lächelnd, wie ein neuer Mitspieler in die Kapelle integriert werden kann.

„Ein neuer Mitspieler, zum Beispiel ein neuer Tubist, bekommt eine Ausgabe für ein Musikstück. Diese gibt es passend für jedes Instrument.“ Doch hier sind nicht nur einfach die Noten gemeint, wie ich irrtümlich annahm. Die Ausgabe wird „Register“ genannt und für jedes Instrument gibt es also solch ein Register. „Hörner-Register, Flügelhorn-Register, Klarinetten-Register usw.“ mit jeweils unterschiedlichen eigenen Noten. Der neue Mitspieler, in diesem Fall der neue Tubist, erhält für seine Tuba die passenden Noten und kann somit problemlos in die Kapelle integriert werden.

Meine letzte Frage gilt Hans Epping persönlich. Was gefällt ihm so sehr am Musizieren in der Senioren-Blaskapelle, dass er schon so lange festes Mitglied der kleinen Musikergruppe ist? „Es ist die wunderbare Freundschaft und Kameradschaft und wir sind Patrioten unserer Musik“, beantwortet mir der Senior die Frage und klingt mit sich und der Welt glücklich und zufrieden.

Sollten Sie Tuba spielen und gerne in der Senioren-Blaskapelle mitwirken wollen, dann melden Sie sich bitte unter Telefon 02871 – 2192805 bei Hans Epping.

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