Die Wohnungsauflösung

Die Wohnungsauflösung – Trauer anderer Art

Grabschmuck Rosenherz, Foto Ute Boysen

Länger als 40 Jahre kenne ich (kannte ich), es fällt mir immer noch schwer in der Vergangenheitsform zu denken, das Wohnumfeld meiner Schwiegereltern. Zuerst für Jahrzehnte das gemeinsame, später nach dem Tod meiner Schwiegermutter, das verkleinerte von Vati. Und dann verstarb auch er.

Über die Trauer und die Gefühle möchte ich jedoch hier nicht sprechen. Mir geht es vielmehr darum zu erzählen, wie stark emotional die Wohnungsauflösung verlaufen kann. Wenngleich ich auch von anderen Menschen erfahren habe, dass es in dieser Hinsicht vielschichtigste Situationen und Vorgehensweisen gibt. Je nach Familie, je nach Verhältnis der Familienmitglieder zu einem verstorbenen Eltern- oder Großelternteil.

Es sind die letzten Tage und Wochen, die mich trotz all‘ der Erledigungen, Planungen, Organisationen und Fahrereien unendlich oft innehalten ließen. Etwa beim Anblick der altvertrauten Bilder und Fotos an den Wänden, die auch uns über viele Jahre begleiteten und häufig Anlass boten zu gemeinsamen lachenden Erinnerungen. Oder beim Ausräumen des „guten Geschirrs“ aus der Eiche rustikalen  Wohnzimmerschrankwand, das zu unseren Familienfeiern jeglicher Art auf den Tisch kam. Die „sprechende“ Personenwaage, die mein Schwiegervater, humorvoll wie er war, in den letzten Jahren als Gesprächspartnerin besonderer Art bezeichnete, entlockt mir auch heute noch ein Lächeln. Die Oster- und Weihnachtstischdecken, jahrzehntelang nicht ausgetauscht, die Düsseldorfer Altbiergläser verschiedenster Anlässe, sein rot-weißer Fortuna-Düsseldorf-Fan-Schal oder Vatis Lieblingspullover… Es ist einfach nur sehr sehr traurig, dieses Auflösen eines Wohnlebens.

Wir haben nicht die vielleicht einfachere Lösung gewählt, die Wohnungsräumung in fremde Hände zu legen. Wenngleich es für manche Hinterbliebene aus unterschiedlichsten Gründen nur so zu regeln sein mag. Innerhalb unserer Familie überlegte sich jeder, welche Andenken aus Vatis/Opas Wohnung als ganz persönliche erhalten bleiben sollen. Und so haben wir doch noch sehr viele Gegenstände und auch Möbel behalten. Sicher, die eigenen vier Wände und Schränke werden voller, aber dafür trennen wir uns lieber von unseren eigenen Ansammlungen. Für unsere Familie bleiben auch dadurch die Erinnerungen lebendig. Die Kleiderkammern und das Rote-Kreuz-Kaufhaus freuten sich darüber hinaus über die Sachspenden.

Oft stand ich in den leerer und leerer werdenden Räumen und als die Wohnungsübergabe erfolgte habe ich mich noch einmal wehmütig umgeblickt und verabschiedet von meinem Schwiegervater. Und dankbar gedacht „Du hast mir wirklich viele schöne Erinnerungsgedanken hinterlassen“!

 

 

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