Ehrenamtliche Arbeit in der Kleiderkammer

Serie Ehrenamt, Kleiderkammer, Foto Jeansflicken, von PublicDomainPictures auf Pixabay

Wir alle kennen das: Ältere Kleidung oder unmoderne ist entweder zu klein oder zu groß geworden und soll nun endlich entsorgt werden. Doch wohin? Neben Altkleider-Containern bietet sich eine Kleiderkammer an. Irmgard L. (60) erzählt über ihre ehrenamtliche Arbeit in einer Kleiderkammer.

„Zuerst stand die Familienplanung an, und als die Kinder größer wurden und zum Sport gingen, habe ich eine Übungsleiter-Ausbildung gemacht. Dann war ich 14 Jahre lang ehrenamtlich tätig in Kindersportgruppen“, erzählt die Seniorin. Später fragte eine Caritas-Mitarbeiterin an, ob sie sich eine Mitarbeit in der Organisation vorstellen könne und eine Kleiderkammer von Interesse sei. „Die ´Chemie´ zu den Menschen dort passte sofort und ich stimmte zu – 18 Jahre sind seitdem vergangen.“

Serie Ehrenamt, Kleiderkammer, Säcke mit gespendeter Kleidung, Foto Ute Boysen

Seit über 40 Jahren gibt es bereits „ihre“ Einrichtung, doch früher stellten die Bürger die abgelegten Kleidungsstücke als Spende hinter der Kirche ab. Die Arbeit der Kleiderkammer fand damals im Turm der Kirche statt. Später wurden vom Pfarrheim Räume für die Kleiderkammer gebaut, die bis heute diesem guten Zweck dienen. Über eine spezielle Klappe an der Gebäudefront rutschen die Kleidungsspenden einen Schacht hinab und bleiben so sauber und trocken. Mindestens die Hälfte der gespendeten Teile sei aber absolut nicht mehr verwendbar, bedauert Irmgard L.: „Stark verschmutzte, abgetragene oder zerrissene Kleidung kann nicht weitergegeben werden. Diese Teile werden aussortiert, in Säcke verpackt und später abgeholt.“ Zeitweise, so sagt sie, werde sehr viel gespendet, aber leider fehle es immer wieder an richtigen Größen. „Speziell kleine Männergrößen und Sportschuhe werden in großen Mengen benötigt!“

Die Säcke mit den Kleiderspenden werden von mehreren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen nach und nach vom Schacht in die Räumlichkeiten verbracht und ausgeleert. „Einmal die Woche benötigen wir einige Stunden für die Sortier- und Ausgabearbeiten. Früher hatten wir eine Verkaufstheke, doch heute findet der Verkauf in Selbstbedienung statt. Sonst würden wir die Arbeit nicht mehr schaffen“, sagt sie.  Kamen vor rund 14 Jahren 20 bis 25 Kunden pro Ausgabetag, sind es heute etwa 100 Menschen, die sich über die Kleiderkammer einkleiden möchten oder müssen.

Serie Ehrenamt, Kleiderkammer, geordnete sortierte Kleidung, Foto Ute Boysen

Damals, zu Beginn vor 40 Jahren, so erklärt sie,  sei die Abgabe grundsätzlich kostenlos erfolgt. Doch leider wurde immer wieder festgestellt, dass die Leute „rafften“ und teilweise die Kleidungsstücke weggeworfen hätten. Dieses Verhalten führte dazu, die Bekleidung für ganz kleine Beträge, die jeder bezahlen kann, abzugeben. Die Seniorin stellt fest: „Es ist für die Menschen angenehmer sagen zu können: Das habe ich gekauft. Der Almosen-Gedanke entfällt damit.“ Die Einnahmen bleiben vor Ort und werden teilweise für die Kirchengemeinde eingesetzt. Der größte Teil verbleibt bei der Caritas, um unbürokratisch und individuell Bedürftigen zu helfen.

Serie Ehrenamt, Kleiderkammer, aufgefaltete nach Größen sortierte Kleidung, Foto Ute Boysen

Die ehrenamtliche Frauengruppe hat im Laufe der Zeit ein sehr übersichtliches System erarbeitet. Die eingegangenen Kleiderspenden werden nach Kinder-, Frauen- und Männerkleidung sortiert und innerhalb dieser nach Größen. Wie im Einzelhandel ordentlich zusammengelegt, gefaltet, auf Bügel gehängt präsentiert sich die Kleidung in den Räumlichkeiten der Kleiderkammer.

(Persönliche Anmerkung): Während meines eigenen mehrjährigen Aufenthaltes in Indien und Reisen durch asiatische Länder lernte ich schnell, dass die Form der Selbstbedienung erst sehr übersichtlich gehandhabt wird. Denn in den Heimatländern vieler unserer neuen Mitbürger stehen Kommunikation, Beratung, auch Persönliches beim Verkaufsgespräch im Vordergrund und die Kleidung wird vom „Verkäufer“ mengenweise „vorgelegt“.  So erklärt sich ein Verhalten, das uns sehr befremdlich vorkommen muss. Diese Kaufvorgabe der Selbstbedienung, die es nicht in allen Ländern anderer Kontinente gibt, bringt und brachte leichtes Chaos ins System der Kleiderkammer. „Wahllos haben die Frauen und Männer die von uns fein säuberlich geordneten Kleidungsstücke aus den Regalen gerissen“, spricht die ehrenamtlich Tätige von vielen Situationen.

Daher setzten die Frauen der Kleiderkammer einige gute Ideen um und brachten kleine Schilder an, die auf Deutsch, Englisch und/oder Arabisch übersetzt „Frauenkleidung“ oder „Männerkleidung“ anzeigen. Aber auch „Bitte zur richtigen Größe zurückhängen“. Es ist nicht immer einfach, denn auch viele Menschen ohne Sprach- und Schreibkenntnisse suchen die Kleiderkammer auf. Allerdings werden sie nicht alleingelassen, sondern finden immer eine ehrenamtliche Mitarbeiterin in ihrer Nähe für Fragen und Unterstützung bei der Suche nach passender Kleidung.

Bis mittags kann eingekauft werden, dann wird für den Kundenverkehr geschlossen. Die Seniorin lacht: „Dann haben wir mindestens zwei Stunden mit der Chaos-Bereinigung zu tun.“ Dennoch: „Ich habe bei meinem Ehrenamt das gute Gefühl, anderen Menschen, denen es nicht so gut geht, den Alltag und ihr Leben etwas zu erleichtern“, sagt sie abschließend.

(Erstveröffentlichung Juli 2016)

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