Eier gestalten und sammeln

Hobby Eier gestalten, zwei bemalte Eier, Foto Ute Boysen

Die Hobbies der Senioren

Seniorin Erika Balkenborg (77) begann vor einigen Jahrzehnten mit der Bauernmalerei. „Und dann hat es sich einfach weiterentwickelt, weil ich nach anderen Möglichkeiten suchte, etwas zu bemalen“, besinnt sie sich zurück. Zur Osterzeit begann beim Anblick der leeren, ausgepusteten Hühnereier eine Idee zu reifen, die sie sofort umsetzte.  Balkenborg wollte mit Acrylfarben Motive aufmalen.

Und so begann sie im Kleinstformat Tiere, Figuren, Blumen und Szenen zu malen. „Als Vorlage habe ich Malbücher, Ansichtskarten oder Kinderbücher benutzt und zum Beispiel aus dem bekannten Buch ‚Die Häschen-Schule von Fritz Koch-Gotha und Albert Sixtus‘ für vier größere Gänse-Eier Szenen abgemalt.“ Erschwerend kam hinzu, dass natürlich alle Abbildungen für das jeweilige Ei maßstabsgerecht verkleinert oder vergrößert werden mussten.

Hobby Eier gestalten, bemalte Eier, Szenen aus dem Bilderbuch, Foto Ute Boysen

Neben den Hühnereiern verzierte und bemalte die Seniorin in der Folgezeit auch die größeren Eier von Enten, Gänsen und Strauße, die sie auf dem Markt oder von der Straußenfarm in Wetten bei Kevelaer kaufte. Selbst ein Emu-Ei gehört zu ihren Werken. Meine Frage, ob sie die Straußeneier vorher verzehren musste, beantwortet Balkenborg erheitert, dass diese schon entleert auf der Farm zu kaufen seien. Für ihre Bemalungen und Verzierungen nutzt die Seniorin fast ausschließlich Natur-Eierschalen, versuchte sich jedoch auch an Glaseiern, verzierte ein Porzellan Ei und formte aus Pappmaché ein größeres Ei.

„Ich halte die Eier zum Bemalen immer in der Hand, nehme mir eine Hälfte vor und lasse die Abbildung anschließend erst einmal trocknen. Dafür stecke ich einen Holz- oder Metall-Stab durch die beiden Öffnungen, so wie es auch beim herkömmlichen Ostereier-Bemalen gemacht wird. Nun hängt das Ei frei zum Trocknen, beispielsweise über einer Schüssel. Erst nach diesem Vorgang bemale ich die andere Seite, “ erklärt Balkenborg ihre Vorgehensweise. Abschließender Klarlack oder Fett geben dem kleinen Kunstwerk Schutz und Glanz.

Hobby Eier gestalten und sammeln, Unikat aus der Eier-Sammlung, Foto Ute Boysen

„Eines Tages besuchte ich mit meinem Mann in den Niederlanden einen Flohmarkt und fand ein wunderbar fertig bemaltes Porzellan-Ei – das war der Beginn einer großen Sammel-Leidenschaft“, entsinnt sie sich. Immer auf der Suche nach ausgefallenen Eiern besuchte sie zahlreiche Oster- und Flohmärkte in der Region. Nach und nach entstand eine Sammlung aus kleineren und größeren Unikaten. Umhäkelte Eier, aus Wachs geformte oder mit feinstem Kreuzstich bestickte bewahrt sie in eigens zu diesem Sammel-Zweck angeschafften Hängeborden oder –schränkchen auf. Balkenborg zeigt mir ein Ei, auf dem in kleinster altdeutscher Schrift das „Vater unser“ geschrieben steht. Holz Eier mit russischer Bemalung auf mehreren Lackschichten stehen einträchtig neben den Eiern im so genannten Cloisonné-Stil. Diese meistens aus Kupfer bestehenden Eier sind äußerst kunstvoll mit Emaille Arbeiten versehen und werden überwiegend sehr aufwändig von Hand im chinesischen Kunsthandwerk gefertigt. Seniorin Balkenborg deutet auf ein weiteres, besonderes Ei. „Dies ist ein niederbayrisches Gebets-Ei. Auf schmale Papierstreifen wurde eine Litanei geschrieben. Anschließend klebte man diese der Reihe nach vorsichtig auf das Ei.“

Hobby Eier gestalten und sammeln, Cloisonné-Eier, Foto Ute Boysen

Die vielen unterschiedlichen Eier, die andersartigen Materialien, die verschiedensten Verzierungs-Methoden, zeigen auf, dass weltweit dem „Ei“, als Ursprungssymbol des Lebens, ein besonderer Stellenwert zukommt. Vor vielen Jahren fand  im Hamaland-Museum in Vreden eine Oster-Ausstellung statt, die sich unter anderem mit eben diesem Thema befasste. Nach Anfrage bei Erika Balkenborg  erhielt sie die Gelegenheit, ihre private Sammlung anlässlich einer weiteren Ausstellung in Vreden zu zeigen.

Hobby Eier gestalten und sammeln, Niederbayrisches Gebets-Ei, Foto Ute Boysen

Sollte es Sie liebe Leserinnen und Leser einmal nach Sonnenbühl, Nähe Reutlingen auf die schwäbische Alb führen, dann besuchen Sie doch einmal das 1. deutsche Osterei-Museum, das sich seit über 20 Jahren mit den kleinen Kunstwerken befasst und jährlich viele Ausstellungen zum Thema anbietet.

Seniorin Erika Balkenborg wird auch dieses Jahr wieder ihr Heim liebevoll mit ihren selbst hergestellten und gesammelten Eiern schmücken – und dadurch in so manch einer lieben Erinnerung an die Vergangenheit schwelgen.

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