Ein Tag in Nijmegen (Niederlande)

Nijmegen, historische Gebäude + Gastronomie, Foto Ute Boysen

Nachdem die anstrengende Chemo-Zeit hinter mir liegt und die Bestrahlungsphase begonnen hatte, planten wir spontan einen Tag im nahegelegenen Städtchen Nijmegen in den Niederlanden mit Übernachtung. Einfach mal raus, auch wenn es nur für einen Tag ist. Wer die Niederlande ohnehin für einen Urlaub besuchen möchte oder auf der Suche ist nach einem Wochenendziel unweit der Grenze, der sollte in Nijmegen einen Bummel-/Einkaufs-Spaziergeh-Stop einlegen.

Mit rund 175.000 Einwohnern ist die Universitätsstadt in der Provinz Gelderland die wohl älteste Stadt der Niederlande und konnte bereits das 2000jährige Bestehen feiern. Wer nun aber aufgrund der bewegten Geschichte der Stadt (selbst die Spanier herrschten hier einmal vor hunderten von Jahren) viele historische Gebäude erwartet, wird leider enttäuscht. Die mittelalterliche Unterstadt an der Waal (Nijmegener Benedenstad) hingegen blieb weitgehend in gutem Zustand. Doch wurden hier schon vor dem Krieg viele Häuser und Wohnungen aufgrund des schrecklichen Zustandes und fehlender Sanitäranlagen abgerissen. Zwar entstand nach und nach ein neues historisch angepasstes Wohngebiet an dieser Stelle, doch die mittelalterlichen Gebäude waren verschwunden.

Nijmegen, Hotel-Außenansicht, Foto Ute Boysen

Wir hatten uns ein Hotel in unmittelbarer Nachbarschaft zum pulsierenden Innenstadtleben ausgesucht und das Hotel „Blue“, Oranjesingel 14, gebucht. Hier müssen wir leider sagen, dass dieses Hotel unter die Kategorie „Supermodern“ fällt und überhaupt nicht barrierefrei auftritt. Alte Decken, Fußböden oder andere alte Gebäudeteile wurden zwar harmonisch kombiniert mit ultramodernen Gemälden, Tischen, Sitzgelegenheiten, doch hat das Hotel meines Erachtens leider keine Ausstrahlung und keinen Wohlfühlcharakter. (Hotels betrachte ich stets für meine Blog-Beschreibungen unter dem Gesichtspunkt „seniorenfreundlich“, aber meine Beurteilungen beinhalten häufig auch eigenes Empfinden).

Sauberkeit, Service, Freundlichkeit der Mitarbeiter oder das Frühstücks Büfett ließen nichts zu wünschen übrig und wir bewerten es als wirklich gut.
Doch allein schon die Zimmer-Situation würde den ein oder anderen älteren Menschen leicht überfordern. So befindet sich das Waschbecken frei an der Wand im Raum stehend, denn ein Badezimmer gibt es nicht. Die WC-Kabine und die Dusch-Kabine sind separat mit Milchglasscheiben versehen im Zimmer integriert. Ein Kleiderschrank fehlt ebenfalls. Auf 50 cm Breite müssen im Doppelzimmer zwei Personen versuchen, die Kleiderstange zu nutzen, die mit mehreren Baumarktketten als Vorhang gedacht das ultramoderne Bild abrundet.

So gesehen, kann man in dem Hotelzimmer klarkommen – sicher ist das aber nicht. Und Wohlfühlen sieht anders aus. Aber nichts desto trotz – die Stadt ist einen Besuch wert. Wie schon erwähnt, handelt es sich um eine Universitätsstadt, und das bedeutet ein sehr junges Straßenbild. Die niederländische Gastronomie ist vielseitig und erfreulicherweise weit ausgeprägter als in unseren deutschen Städten. So finden sich zahlreiche Cafés, Restaurants oder Kneipen in der Innenstadt, und wirklich jede noch so kleine vorhandene Außenfläche ist mit Tischen und Stühlen versehen.

Nijmegen, Eisenbahn Denkmal, Foto Ute Boysen

Auf Kirchen- oder Museenbesuche muss auch niemand verzichten, denn unter https://de.wikivoyage.org/wiki/Nijmegen finden Sie unter anderem zahlreiche Besichtigungs-Empfehlungen. So gibt es ein kleines, fast unscheinbar anmutendes Stand-Denkmal, das „Eisenbahn-Denkmal“. Und die Geschichte dazu erstaunte mich schon sehr, denn die erste und vorerst einzige Bahnverbindung, die das Städtchen Nijmegen erhielt, führte ins deutsche grenznahe Städtchen Kleve. Erst danach entstand nach und nach die weitere Anbindung an das niederländische Eisenbahnnetz.

Nijmegen, Windmühle, Foto Ute Boysen

Lohnenswert ist auf jeden Fall die am Stadtrand gelegene Windmühle „De witte Molen“ (die weiße Mühle), Looimolenweg 15. Wie im Reiseführer unter https://de.wikivoyage.org/wiki/Nijmegen nachzulesen, wurde ursprünglich in dieser Mühle Eichenrinde gemahlen, welches zum Ledergerben verwendet wurde. Nach einem vernichtenden Brand konnte die Windmühle weitestgehend in den ursprünglichen Zustand gebracht werden. Heute wird hier an sechs Tagen die Woche Korn gemahlen. Das machte mich neugierig und wir fuhren einfach einmal hin. Der Müller und seine Frau luden uns sofort freundlich dazu ein, selbst die steilen Treppen hinauf bis in die begehbare Spitze der Mühle zu klettern und diese zu erkunden. Wir waren begeistert und konnten Schritt für Schritt den Weg des Korns bis hin zum hinabrutschenden Mehl in die Papiersäcke verfolgen. Ein kleiner Abstecher, der sich absolut gelohnt hat.

Nijmegen, Windmühle Innenansicht einer der Etagen, Foto Ute Boysen

Nijmegen – eine Stadt, wie geschaffen für einen Tages- oder Wochenendausflug.

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