Eine klitzekleine Puppenstuben-Welt

Die Hobbies der Senioren

Puppenstuben, Bauernstube, Foto Ute Boysen

Vor einigen Wochen stolperte ich so zu sagen mitten in ein wunderbares Thema hinein. Ich fand mich wieder inmitten einer klitzekleinen Puppenstuben-Welt und konnte mich kaum sattsehen an den winzigen detailgetreu nachgebildeten Gegenständen unseres Lebens. Und nicht nur des heutigen Lebens, sondern auch eines Alltags vor vielen Jahrzehnten. Doch der Reihe nach.

Erika Balkenborg, 76 Jahre alt geht mit großer Leidenschaft einem Hobby nach, für das vor über 60 Jahren der Grundstein gelegt wurde. Im Alter von 10 Jahren, so sagt sie, bekam ihre Mutter vom damaligen Arbeitgeber, einem Arzt, eine Puppenstube geschenkt, mit der die eigene Tochter nicht mehr spielte. „Dass diese besseren Herrschaften einfach etwas abgaben, das war schon ein Erlebnis für uns“. Noch heute schwärmt die Seniorin von den beiden Zimmerchen der Puppenstube, die mit rot bemalten Bauernmöbeln ausgestattet waren.

Puppenstube, Schwarzwaldzimmer, Foto Ute Boysen

Dieses Spielzeug wanderte später irgendwann auf den Dachboden. Als Balkenborg das Elternhaus verließ und heiratete nahm sie es mit – und wieder stand es einige Jahre auf einem Dachboden. Dann kamen die eigenen Kinder in das Alter, mit solch einem Spielzeug zu spielen und die Familie stellte fest, dass im Laufe der Zeit die Möbelchen abhanden gekommen waren. So blieb die Puppenstube weitere 10 Jahre auf dem Dachboden stehen. Nun erst interessierte sich Erika B. nicht nur für Flohmärkte sondern ganz speziell für kleine und kleinste Puppenhaus-Bewohner und –Gegenstände. Sie holte ihre alte Puppenstube vom Dachboden und begann mit einem bis in die heutige Zeit andauernden Hobby – dem Suchen und Sammeln von Allem rund um diese kleine Welt.

Puppenstube, Musikzimmer, Foto Ute Boysen

Obwohl Männer mit dieser Beschäftigung wohl nicht ganz so viel anfangen können und sich das Interesse sicher bei den meisten in Grenzen hält, hatte Balkenborgs Ehemann von Anfang an Freude daran mit seinem handwerklichen Geschick zum Hobby beitragen zu können, indem er so manch einen Gegenstand bearbeitete oder sogar selbst schnitzte. So brachten die Eheleute einige alte Nähmaschinen-Deckel aus Holz von ihren Flohmarkbesuchen mit, die dann umfunktioniert wurden zu neuen Puppenstuben. Aber auch eine alte Weinkiste diente umgestaltet zu einem Mini-Wohnreich für kleinste Püppchen. „Ich habe die Kiste von außen rosa angestrichen und im Innenbereich mit einer Blümchentapete aus Stoff bespannt. Als Rahmengeber befestigte ich rosa Spitzenband und fertig war ein kleiner antiker Andenkenladen“, freut sich die Seniorin und zeigt mir ihre liebevoll gestalteten Kleinstwelten.

Puppenstube, Wohnstube, Foto Ute Boysen

Eine Puppenstube entstehe immer über einen langen Zeitraum hinweg, erzählt sie und dass für die kleinen Räume, die unter einem bestimmten Motto stehen, viele passende Teilchen gesucht und gesammelt werden müssen. Das gehe nicht alles in einem Rutsch, sondern würde mitunter sogar sehr lange dauern. Anders herum gehe es allerdings auch „wenn ich etwas Passendes oder Außergewöhnliches finde, dann kaufe ich es und zu einem späteren Zeitpunkt in irgendeiner neuen Puppenstube findet dieses Teil seinen richtigen Platz“. Nicht nur im Wohnzimmer der Seniorin finden sich ihre liebevoll hergestellten Puppenstuben, sie hat eigens ein kleines nicht mehr benötigtes Zimmer ausgestattet mit all ihren Schätzen. So staune ich nicht schlecht auch Miniaturräume aus dem Groß Britannien vergangener Jahrzehnte zu  sehen, eingerichtet mit original englischen Möbelchen, die sie in den Städten Bath und York in England erstanden hat. Balkenborg erzählt, dass es in Groß Britannien spezielle Geschäfte nur für Puppenstuben-Zubehör gibt.

Puppenstube, Kinderzimmer, Foto Ute Boysen

Weil die Seniorin nach eigenen Angaben nicht still und tatenlos herumsitzen kann, begann sie die kleinen Puppenhaus-Bewohner einzukleiden. Mit einer Häkelnadel Nummer eins (früher wurden damit Taschentücher umhäkelt) wurden nun winzige Kleidungsstücke hergestellt. „Teilweise muss ich um die Püppchen Körper herumhäkeln, das ist schon knibbelig, das muss ich wohl sagen“, beschreibt Erika B. diese zeitaufwendige Arbeit. Selbst die nur zentimetergroßen Kissen auf den Miniatursofas und Sesseln hat sie genäht und umhäkelt. Jede ihrer Puppenstuben ist somit ein Unikat.

„Ich gehe noch heute zu jedem Antik- und Flohmarkt, den ich besuchen kann und suche immer weiter nach diesen kleinen Raritäten und Kostbarkeiten. Zu den so genannten „Puppenbörsen“ gehe ich allerdings nicht. Dort gibt es zwar alles rund um die Puppenhäuser zu kaufen, aber zu wesentlich höheren Preisen.“

Schlussendlich wage ich dann doch zu fragen „…und das Staub putzen?“ Die Seniorin lacht: „Hin und wieder muss tatsächlich jede Puppenstube komplett ausgeräumt und entstaubt werden. Danach wird alles wieder exakt wie vorher eingeräumt und aufgebaut.“

(Diesen Bericht veröffentlichte ich erstmals in 2014, abgeändert habe ich aktuell nur Zahlenangaben.)

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