„Gebügelte Kleidung“ – Wichtig? Oder eher nicht?

Gehört das Bügeln zu einer Ihrer Lieblingsbeschäftigungen im Haushalt? Können Sie dabei wunderbar abschalten, zur Ruhe kommen, entspannen? Nein? Dann geht es Ihnen wie mir. Bügeln schiebe ich gerne auf, bis es sich wirklich lohnt die dafür benötigten Utensilien hervorzuholen und aufzubauen. Aber ich fragte zum Thema „Gebügelte Kleidung“ einen Mann und war gespannt auf die Antworten.

Ewald Betting, Foto Ute Boysen

Ewald Betting (80) war zunächst erstaunt über das Thema, doch stand er mir sofort freundlich für ein Interview zur Verfügung. Und ist ihm nun gebügelte Kleidung wichtig? Oder eher nicht? Spontan lautete die Antwort „ja, natürlich wichtig“. Im Verlaufe des Gespräches jedoch erfuhr ich noch Anderes und die spätere Antwort hieß „ja, wichtig, aber bedingt“.

„Von meinem Elternhaus her wurde ich schon früh zur Ordnung erzogen, auch was die Wäsche anging. Aber gebügelt hat immer meine Mutter. In meiner Kindheit wurde ja sogar noch die Unterwäsche gebügelt und auch die Nachtwäsche, “ erzählt der Senior und erinnert sich dann an die späteren Jahre bei der Bundeswehr. „Von 1961 bis 1963 absolvierte ich meinen Wehrdienst. Ich musste aber nicht durch Schlamm kriechen oder über Wiesen robben, sondern war eingesetzt als Bataillons-Zeichner, zuständig für das Zeichnen der Karten für Manövereinsätze. Gleichzeitig unterlag mir die Leitung der Poststelle.“ In beiden Einsatzbereichen war die akkurate Kleidung ein absolutes Muss! „Ach überhaupt, “ erinnert sich Ewald B. „was mir dort alles vermittelt wurde, das war schon eine ganze Menge“.

Ewald Betting, Bataillons Zeichner, Foto Ewald Betting, privat

„Unsere Kleidung, die Ausgehuniform wie auch die Dienstuniform wurden zwar gewaschen, für das Bügeln und die weitere Pflege waren wir aber selbst zuständig. Und die Bügelfalten in den Hosen mussten äußerst präzise sitzen!“ So kam es, dass der junge Ewald Betting zwangsläufig eine wirklich gute Ausbildung in Sachen „Wäschepflege“ erhielt. Nach Beendigung der Wehrpflicht zog er wieder zu Hause bei seinen Eltern ein und Mutter Betting übernahm weiterhin das Bügeln bis zum Auszug und der Eheschließung.

„Zu Beginn meines Berufslebens als technischer Zeichner und Konstrukteur hatten wir in unserem Unternehmen weiße Kittel zu tragen. Ich erinnere mich noch genau an die alten Gruppenaufnahmen des Konstruktionsbüros der Firma Olbrich. Da standen wir alle in unseren weißen Kitteln.“ Diese waren natürlich aus weißer Baumwolle und absolut bügelintensiv. Gepflegte Kleidung, Anzüge, Schlips und Kragen, also Oberhemden mit Krawatte – das zählte zur täglichen Arbeitskleidung und ohne wurde auch kein Kundengespräch geführt. Spätere berufliche Auslandsaufenthalte in Russland und Südkorea machten es ebenfalls erforderlich, in gebügelter Kleidung aufzutreten. Hier kamen allerdings auch noch Farbvorgaben hinzu, denn braun-beige oder gar farbige Krawatten waren so sehr verpönt, dass sich Ewald B. nur noch in dunklen Anzügen und weißen Hemden auf den Weg machte, wie er lachend erzählt. „Höchste Garderobenansprüche“, so bezeichnet er diese Erlebnisse heute. Der altbekannte Spruch „Kleider machen Leute“ scheint nicht an Bedeutung verloren zu haben.

Bügeleisen, Foto RitaE auf pixabay

Im Ehe- und Familienleben übernahm selbstverständlich seine Frau die Bügelarbeiten. Doch hin und wieder zu besonderen Anlässen, stellte sich der Senior selbst ans Bügelbrett. „Als meine Frau im Krankenhaus lag und unsere Kinder geboren wurden oder auch wenn sie mal einen kleinen Kurzurlaub machte, dann habe ich wieder selbst gebügelt. Man vergisst ja nicht wie es geht, “ erzählt er weiter. Aber heutzutage wird scheinbar weniger gebügelt, denn durch Jeans, bügelfreie Hemden und Stoffe oder absichtlich faltig gelegte Materialien wird das Bügeln häufig nahezu überflüssig.

Bei Ewald B. passiert es jedenfalls hin und wieder, dass er ganz nach Lust und Laune und Tagesgeschmack ein Kleidungsstück anzieht, welches keine Gnade findet vor den Augen seiner Frau Inge. „Nein, das muss erst noch einmal gebügelt werden“ heißt es dann. Knicke, die beim Zusammenfalten entstanden, müssen beseitig werden. Hosenbügelfalten müssen hin und wieder nachgebügelt oder kleinere Knicke, durch enges Zusammenhängen entstanden, geglättet werden. Das wäre dem Senior selbst jetzt nicht so aufgefallen und aus diesem Grunde relativierten wir das anfänglich ausgesprochene „ja, natürlich wichtig“ als Antwort.

Infokasten:

Im Juni 2012 veröffentlichte www.t-online.de einen Bericht zur Wäschepflege mit der Überschrift „Die Deutschen sind total heiß aufs bügeln“ … Dort erfahren wir, herausgefunden durch das Meinungsforschungsunternehmen Link-Institut Luzern, dass auch heute noch viele Deutsche ihre Unterhosen bügeln und überhaupt das Bügeln vielen Menschen Freude bereitet.

Ach ja, es gibt sogar Witze über das Bügeln:
Was ist in Krisenzeiten ein Optimist? Ein Banker, der sonntags 5 Hemden bügelt!

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