Indien – Teil 2

Indien, National Galery of Modern Art, Gebäude von außen, Foto Ute Boysen

National Gallery of Modern Art, Bangalore

Ich gebe zu – ein Kunstliebhaber bin ich nicht wirklich. Und bei Museums-Besuchen ziehe ich jederzeit ein Naturwissenschaftliches Museum allen anderen Themen vor. Allerdings ist es in der südindischen Stadt Bangalore im Staat Karnataka nicht leicht, überhaupt ein Museum oder eine Galerie zu finden. Und so besuchte ich also die „Nationalgalerie für moderne Kunst“.

Indien, National Galery of Modern Art, Gartenanlage mit Kunstobjekten, Foto Ute Boysen

Vorweggenommen: innerhalb der Räumlichkeiten durfte leider nicht fotografiert werden, so dass ich nur vom Außenbereich des Gebäudes Fotos zeigen kann. Der Eintrittspreis unterscheidet sich (wie überall in Indien) und Ausländer zahlen ein Vielfaches mehr. Doch die 500 Rupien (rund 6 Euro) war mir mein Besuch dort wert.

Zunächst einmal besuchte ich einen Raum, in welchem große farbenfrohe Fotografien ausgestellt sind. Festgehaltene Feierlichkeiten aus dem südindischen Staat Kerala sowie die sehr farbig gestalteten Kostüme und Körperbemalungen lassen lange vor den einzelnen Aufnahmen verweilen. Schaut man aus den zahlreichen Fenstern des Gebäudes, so sind überall Skulpturen aus Stahl oder schwarz lackiertem Metall zu sehen. Diese wurden vom sehr bekannten indischen Künstler und Maler Balan Nambiar (80) angefertigt, der auch in Bangalore lebt.

Indien, National Galery of Modern Art, Innenhof mit Stahlobjekten, Foto Ute Boysen

Wie schon eingangs erwähnt – vor futuristisch anmutenden Stahlkonstruktionen zu stehen und eine Stein-/Stahl-/Zement-Skulptur irgendwie als das zu erkennen, was der Künstler ausdrücken wollte – damit tue ich mich etwas schwer. Und so befasse ich mich hier bei meinen Beschreibungen mehr mit den Fotos, Zeichnungen oder Skizzen der Galerie. Schwarz-weiße Maskenzeichnungen, farbige Porträts (von Balan Nambiar 1963 gemalt), große fantastische Fotos von „Folk dancers“ (Volkstänze darstellende Interpreten) wechseln sich in den verschiedensten Räumen ab und fesseln die Betrachter. Mich persönlich faszinierte am meisten eine sehr große Darstellung des „Palottu Deivami“ in knallenden Orange- und Rottönen. Dieser als Schein-Gottheit dargestellte Mensch trägt eine Maske auf dem überdimensionierten Foto.

Bemalungen, Naturprodukte, Federn, Blätter, Schmuck, Gräser und verschiedenste Metall-Ornamente schmücken die dargestellten oder als Gottheiten verkleideten Menschen, teilweise mit blutenden Opfertieren wie Ziege oder Huhn dargestellt oder aufgenommen. Eine andere Welt.

Der Künstler Balan Nambiar fertigte unter anderem Emaille Arbeiten an, die teilweise aus vier oder sechs einzelnen Quadraten zusammengefügt ein farbiges Muster ergeben. Art der Farben sowie manche Erhebungen innerhalb des Musters machen diese „Bilder“ zu etwas Besonderem.

Indien, National Galery of Modern Art, Innenhofanlage mit Wasserbecken, Foto Ute Boysen

Gemälde wechseln sich ab oder ergänzen sich in anderen Räumen, extrem abstrakte Bilder, die mir nicht gefallen, weil sie eine teilweise verstörend negative Ausstrahlung auf mich haben befinden sich im gleichen Raum mit einem kleinen roten Pferd, gefertigt aus schrottreifen verrosteten Motorradteilen. Wieder ein anderer Raum zeigt Zeichnungen in schwarz/weiß mit nackten Menschen. Hier fällt mir besonders eine  große Schulklasse auf. Jedoch nicht, weil übermäßiges Interesse an dieser Kunst hier vorherrscht, sondern weil die Lehrerin die Kinder hastig durch den Raum hetzt und diese alle lachend oder verschreckt mit abgewandten Köpfen hinter ihr her eilen… Soviel Nacktheit wird in diesem Land nicht gezeigt und der künstlerische Aspekt erschließt sich scheinbar weder der Lehrerin noch den Kindern.

Mir fällt ebenfalls auf, dass auch in anderen Räumlichkeiten keines der Kinder Fragen stellt oder vor einem Bild oder einer Skulptur stehen bleibt. Also sprach ich die Lehrerin an und fragte, warum die Kinder nichts wissen wollen. Ich erhielt die Antwort, dass die gesamte Galerie bereits im Vorfeld in der Schule im Unterricht durchgesprochen wurde. Sollten trotzdem noch Fragen bestehen, könnten die Kinder selbstverständlich im Anschluss an den Besuch dort diese den verschiedensten Lehrkräften stellen… Hm, mir erscheint das sehr schwierig und ich habe andere Schulklassen in Museen in Deutschland vor Augen – 1000 Fragen, Lautstärke und Meinungsäußerungen – das ist hier scheinbar völlig unerwünscht.

Indien, National Galery of Modern Art, Mitarbeiter, Foto Ute Boysen

Nichts desto trotz haben die Schülerinnen und Schüler ihren Spaß, denn eine weiße Besucherin mit blondem Haar ist auch nicht so oft zu „besichtigen“. Ich freue mich einfach mit ihnen.

Mein erklärtes Lieblingsstück dieser Galerie ist jedoch „The secret tree“ (übersetzt „der geheime Baum“). Eine für mich wunderbare schwarz-weiß-Zeichnung des „Baum des Lebens“, unter dem mehrere Frauen sitzen und über dem engelgleiche Figuren schweben. Zumindest ich für mich habe diese Darstellung des Baumes so interpretiert.

In den alten Räumen des Galeriegebäudes knarren hin und wieder die Holzdielenböden. Auch die Treppen sind aus dunklem Holz gefertigt. Manch ein Raum ist ausgearbeitet mit sehr alten farbigen indischen Fliesen und auch die Fenster sind in ihrer ursprünglichen Art und Form des Jahres 1926 erhalten. Ich freue mich, diesen Ort besucht und die Zeit investiert zu haben. Es hat sich gelohnt – auch für jemanden wie mich, der eigentlich so gar keinen Sinn für Kunst hat

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