Indien

Indien, Textilverkäufer auf einem Wochenmarkt, Foto Ute Boysen

… mal wieder hier

Diejenigen unter Ihnen liebe Leserinnen und Leser, die mich nicht kennen, fragen sich vielleicht angesichts der Überschriften, was genau ich damit meinen könnte. Es ist recht einfach: ich bin derzeit mal wieder hier in diesem fernen Land.

Vor einigen Jahren habe ich mit meinem Mann und unserem jüngsten Sohn hier gelebt. In der damals 7 Millionen Stadt, die heute nahezu 12 Millionen Einwohner hat. Bangalore – oder wie es seit ein paar Jahren heißt „Bengaluru“, war für mehr als drei Jahre unser Zweit-Zuhause. Der Beruf meines Mannes hatte uns hierhergeführt. Nun könnte ich sehr lange, sehr ausführlich und ja, auch sehr emotional über diese Zeit berichten. Es war allerdings nicht die schönste Zeit meines Lebens und deshalb   beschränke ich mich auf meine „heutigen“ Eindrücke und Gefühle.

Indien, Blick vom 16. Stockwerk hinunter, Pausen- und Freizeitplatz für viele hier Beschäftigte, Foto Ute Boysen

Immer mal wieder im Verlaufe der letzten Jahre hat es uns zurück geführt in die indische Großstadt und immer wieder waren es wechselhafte Eindrücke und Emotionen, die mich begleiteten. Doch erstaunlicherweise wurde es mehr und mehr zu Freude und Erwartung und genießen können. Was für mich bedeutet, dass ich nicht nur älter und reifer geworden bin, sondern auch Vieles in meinem Leben mit dem nötigen Abstand anders beurteilen und hinnehmen kann.

Und so gesehen ist jeder Besuch in Bangalore ein kleines Stück nach Hause kommen. Vom ersten Moment an ist alles wieder abrufbar: die Lautstärke, die Gerüche, das Verkehrschaos, die Menschenmengen, der Schmutz, Bruch, Müll usw. usw. Aber im Gegensatz zu früher stört es mich nicht mehr, verunsichert es mich nicht und nervt mich auch nicht. Ich bin es sofort wieder gewohnt und kann nach wie vor eine 6-spurige Straße ohne Ampelanlage oder Zebrastreifen im dichtesten Verkehr überqueren… Ok, das mag jetzt vielleicht nicht so besonders sein – wer allerdings schon einmal in einer indischen Großstadt war oder Filme darüber gesehen hat, der weiß in etwa, worüber ich gerade geschrieben habe.

Indien, traditioneller Marktverkauf am Rande der Stadt, Foto Ute Boysen

Nicht ganz unbedeutend ist es auch, die rund 125 verschiedenen „Ja-Antworten“ auseinanderhalten und noch viel wichtiger, das tatsächliche „Ja“ erkennen zu können. Mir fällt jedenfalls bei jedem weiteren Aufenthalt in diesem Land auf, dass ich damals, vor so langer Zeit sehr viel mehr gelernt habe, als mir bewusst war. Was ich nicht zuletzt daran ausmachen kann, wie ehrlich ausgesprochen freundlich mir die Menschen begegnen, die mich seit langem nun schon kennen. Und hier unterscheide ich bis heute nicht nach Gesellschaftsstand. Wann immer wir zusammen kommen gibt es viel zu lachen und zu erzählen und wir schwelgen in so manch einer Erinnerung.

Indien, Blick auf ein Blumenarrangement in einer Hotelhalle, Foto Ute Boysen

Doch so sehr ich heute die kurzen Zeiten in Indien genießen kann – ich freue mich immer wieder auf zu Hause. Weil ich schon damals etwas sehr Wichtiges gelernt hatte: unser Land mit all seinen Möglichkeiten, der Infrastruktur, dem Gesundheitswesen, der absoluten Sauberkeit, der Schul- und Berufsausbildung und der Freizeitmöglichkeiten – ist ein ganz wunderbares Land mit der überwiegenden Anzahl Mitmenschen, die tolerant allem Fremden gegenüberstehen – sorgen wir dafür, dass es so bleibt!

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