Inkontinenz – das große Tabu

Thema Inkontinenz, Verpackungen Firma Tena, Foto Ute Boysen

Über Gefühle und Hilfsmittel

Über dieses Thema einen Bericht zu verfassen, der weder ein Naserümpfen noch Erstaunen hervorruft, ist schon eine Herausforderung. Doch ich habe mir gedacht, dass über ein häufiges Problem älterer, aber auch durchaus jüngerer Menschen immer noch hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird – wenn überhaupt.

Und dann erscheint eine attraktive Frau, geschätzte Mitte 40 J. auf dem Fernsehbildschirm und erzählt darüber, dass sie inkontinent sei und unsichtbar für andere Menschen entsprechende Vorlagen benutze. Mit dem Hinweis darauf, dass es auch Höschen aus dem Spezialmaterial gäbe. Das hat mich beeindruckt, denn endlich wird ein größeres „Problem“ offen behandelt. Die Zeitschrift „Stiftung Warentest“ veröffentlichte in ihrer Ausgabe März 2017 einen Bericht über Vorlagen, Windeln und Pants (engl. Begriff für Höschen), und so habe ich mich entschieden, meine Gedanken zum Thema aufzuschreiben.

Zunächst einmal betrifft es nicht nur Seniorinnen und Senioren, das sei einmal vorweg genommen. Sehr viele Frauen, die gerade entbunden haben, leiden ebenfalls an Harninkontinenz, wenngleich nur vorübergehend. Der gesamte Beckenbodenbereich muss sich nach einer Geburt langsam zurückentwickeln, die inneren Organe nehmen wieder ihre ursprüngliche Position ein. So kann es durchaus passieren, dass beim Lachen, Husten oder Niesen der Urin nicht gehalten werden kann, da die entsprechenden Muskeln noch nicht wieder 100prozentig funktionieren. Wie gesagt, das betrifft nicht alle Frauen, aber viele und es ist kein dauerhafter Zustand, sondern ein vorübergehender.

Anders sieht es aus bei Seniorinnen oder Senioren. Leiden sie an Inkontinenz, so ist dies eine bleibende Situation, an die sich die älteren Menschen schlecht oder gar nicht gewöhnen können. Und darüber sprechen scheint völlig unmöglich. Doch warum eigentlich? Was ist so schlimm daran, sich auch darüber auszutauschen? Wir reden über die weibliche Menstruation, erzählen lang und breit über Magen- und Darmbeschwerden, manche beschreiben ausführlich ihre Schönheits-Operationen und für viele sind selbst Sexthemen keine Tabuthemen mehr. Warum also schweigen wir angesichts der Inkontinenz? Nun bin ich keine Psychologin, sondern stelle nur meine eigenen Vermutungen auf. Ich glaube ganz einfach, dass es den Betroffenen peinlich ist. Dass sie Angst davor haben mit dieser Inkontinenz als „tatsächlich alt“ abgestempelt zu werden, als „fast schon pflegebedürftig“ oder zumindest als „krank“.

In einer Zeit, in der Jugend, Gesundheit, Attraktivität und Aktivität ganz vorne auf der Skala der Begehrlichkeiten stehen sind diese Ängste zumindest verständlich. Wer möchte also schon offen zugeben inkontinent zu sein, wenn das Äußere möglicherweise zu den Vorstellungen über dieses „Leiden“ dem nicht entspricht? Wer möchte sich freiwillig „abstempeln“ lassen? So gesehen ist ein Verschweigen also nachvollziehbar.

Aber mal ganz ehrlich, liebe Leserinnen und Leser – offener Umgang mit dieser Lebenssituation erscheint mir der bessere Weg und erspart zahlreiche Erklärungsversuche, warum die eine oder andere Aktivität nicht unternommen wird. Die heutigen Hilfsmittel sind in ihrer Qualität und Handhabung dermaßen sicher und problemlos, dass Ängste gar nicht mehr entstehen. In unserer Verwandtschaft wurde das eine oder andere Produkt schon ausprobiert und mir bestätigt, dass es zu größerer Sicherheit und Gelassenheit führt, diese täglich zu benutzen. Betroffene Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen bekommen notwendige Hilfsmittel erstattet, wenn eine ärztliche Verordnung eingereicht wird. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach! Sicherheit im täglichen Leben – Lebensqualität – soll nicht am Geld scheitern!

Also, liebe Blog-Besucher, ich würde mich freuen, wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, wenn Sie mir einen Kommentar unter dem Bericht hinterlassen oder eine E-Mail schreiben. Als Bestätigung dafür, dass ich auch solche Themen aufgreifen kann.

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