„Ins Fettnäpfchen treten“

Aus dem Fundus unserer Sprache

Serie, Ins Fettnäpfchen treten, Cremetöpfchen, Foto Ute Boysen

Neulich im Bad stehend schaute ich mir, aus welchem Grund auch immer, mein Cremetöpfchen etwas genauer an. Während ich Form, Farbe, Größe und Material genauestens in Augenschein nahm fiel mir das  Sprichwort  „Ins Fettnäpfchen treten“ ein. Hat diese Redewendung etwas zu tun mit einem Kosmetik- oder Pflegeprodukt? Dem wollte ich nun mal wieder auf den Grund gehen, denn ich datierte diese Worte in weiter zurückliegende Zeiten. Also fragte ich erneut einen jüngeren und einen älteren Mitmenschen nach Bedeutung, Herkunft oder auch Anwendung dieses Ausspruches.

„Ja natürlich, das ist mir bekannt und manchmal benutze ich es auch noch selbst“, erzählt die 74jährige Seniorin Erika B. „Etwas Gesagtes oder Gesprochenes, was dem Gegenüber nicht passt“, meint sie weiter und dass dieses für sie so richtig gewesen sei, für ihr Gegenüber aber nicht. „Etwas, was jemand anderem unangenehm war“, schließt sie ihre Überlegungen zur Bedeutung. Die Seniorin schätzt diese Redensart als sehr alt ein und meint zur Herkunft: „Gute Frage, früher gab es noch oft die Hausschlachtung. Vielleicht ist jemand in den Schmalztopf getreten und Gutes war so nicht mehr verwertbar.“

Soweit die Überlegungen einer Seniorin. Und was sagt die 19jährige Verena F. dazu? Ihr steht sofort eine peinliche Situation vor Augen, wenn sie dieses Sprichwort hört. Als Beispiel führt sie an: „Die Verwechslung von Mutter und Tochter etwa, wenn die Tochter älter eingeschätzt wird. Das ist eher etwas Negatives.“ Und ja, sie benutze die Redensart sogar öfter. Die junge Frau ist sogar der Meinung, dass dieses Sprichwort fast Jedem bekannt und auch schon recht alt sei. Es könne mit einer Schüssel Wasser zu tun haben, in die jemand hineingetreten sei oder darin ausrutschte.

Möglicherweise entstand die Redensart bereits im Mittelalter. Zu einer Zeit also, als das tägliche Leben in Haus und Hof noch äußerst arbeits- und entbehrungsreif war und für uns heute kaum vorstellbar. Licht, Elektroherde oder Heizungen? Fehlanzeige. Eine Zeit, in der nicht nur auf Bauernhöfen mit einem Küchenofen geheizt wurde.

Nun gibt es verschiedene Varianten zur Herkunft unseres heutigen Sprichwortes.  Eine besagt, dass neben dem Herd fetthaltige Lebensmittel wie etwa große Speckstücke aufgehängt wurden. Durch die aufsteigende Wärme tropfte jedoch Fett auf den Boden. Um dieses nun nicht zu vergeuden, sondern auffangen zu können, standen Näpfe unter den Speck- oder Schinkenstücken auf dem Boden. Das so gewonnene Fett konnte anschließend zum Kochen, Backen oder auch zum Bearbeiten und Pflegen von Lederschuhen oder anderen Lederteilen wie Sätteln oder Taschen benutzt werden. Es handelte sich also um ein sehr wichtiges und durchaus wertvoll zu nennendes Mittel zum Leben.

Eine andere Erklärung weist auf die Räucherung von Lebensmitteln hin, um diese haltbar zu machen. Dazu wurden Fleisch oder Fische einige Wochen lang über einer Feuerquelle (zum Beispiel einem holzbefeuerten Küchenherd) aufgehängt. Auch bei dieser Darlegung tropft Fett herunter und konnte in entsprechenden Töpfchen, eben Näpfen, aufgefangen werden.

Wie auch immer es entstanden sein mag, wichtig ist uns hier und heute die Bedeutung des Sprichwortes.  Durch Unachtsamkeit oder Schusseligkeit in solch ein Auffangbehältnis zu treten war schon mehr als unangenehm. Nun tritt man ja nicht mal eben so in eine kleine auf dem Boden stehende Schüssel. Doch stellen Sie sich vor, wie es damals war: kein Licht, kein Strom, keine Heizung. Allenfalls Kerzenlicht erhellte die Wohnstuben. Da konnte es schon schnell passieren, dass ein Gast des Hauses ins sogenannte „Fettnäpfchen“ trat – wohl bemerkt „unabsichtlich“. Allerdings wurde damit wertvolles Fett zum Weiterverzehr unbrauchbar gemacht. Eine peinliche Situation entstand, die nicht selten großen Ärger und Unmut bei den Hausbewohnern hervorrief.

„Ins Fettnäpfchen treten“ bedeutet heute also immer noch eine negativ zu nennende Aussage/Situation, wenngleich es sich um eine nicht geplante, sondern unüberlegte handelt. Ohne Überlegung hervorgebrachte Äußerungen oder Handlungen, die den Gesprächspartner kränken, beleidigen oder schmerzhaft für ihn sind und so dafür sorgen, dass der Redner selbst peinlich berührt ist – das ist wohl die Kernaussage des Sprichwortes. Und mit einem Cremetöpfchen hat es nun wirklich so gar nichts zu tun.

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