„Jerez“ – Stadtbesuch in Andalusien

Von Cadiz kommend nun also „Jerez“. Die Stadt empfängt uns freundlich vom Wetter her und auch der erste Eindruck ist positiv. Wir waren schon einmal hier, doch das liegt 30 Jahre zurück. Und so erkennen wir nicht unbedingt sofort alles wieder, denn auch diese Stadt hat sich im Laufe der Jahrzehnte sehr verändert. Damals hatten wir nur wenige Stunden Zeit und konnten nicht wirklich viel von all‘ den Sehenswürdigkeiten wahrnehmen. Das ist dieses Mal anders.

Jerez, einer der Innenhöfe des Alcázar de Jerez, Foto Ute Boysen

Absolut beeindruckend liegt die Befestigungsanlage „Alcázar de Jerez“ vor uns. Die Bezeichnung „Alcázar“ ist arabischen Ursprungs und bedeutet „Festung“. So ist es nicht nur für Besucher, die noch nie die arabische Bauart, oder besser gesagt die Bauweise des Orients, kennenlernen durften, ein wunderschönes Erlebnis, diese alte von den Mauren errichtete Festung aus dem 11. und 12. Jahrhundert zu erkunden.

Jerez, arabische Bauweise im Alcázar de Jerez, Foto Ute Boysen

Es dauert schon einige Stunden die Anlage, die archäologische Ausgrabungszone, die arabischen Bäderanlagen, die im Gebäude liegende sehr gut erhaltene Öl-Mühle oder die im Außenbereich historischen Wasserräder (Zisterne) zu besichtigen. Wohltuend empfinden wir immer wieder das Schlendern durch die wunderschön angelegten Gartenanlagen.

Jerez, Alcázar de Jerez, Wasserräder, Zisterne, Foto Ute Boysen
Jerez, sehr gut erhaltene Öl-Mühle innerhalb des Alcázar de Jerez, Foto Ute Boysen

Innerhalb der großen Festungsanlage befindet sich der erst im 17. Jahrhundert entstandene Barockpalast „Palacio de Villavicencio“. Es handelt sich hierbei allerdings um ein ehemaliges Herrenhaus des gleichnamigen Bürgermeisters der Stadt Lorenzo Fernández de Villavicencio. Die repräsentativen Säle und Räumlichkeiten dienten jedoch auch in der Folge zahlreichen Stadtvätern.

Jerez, Schautafel über den Palacio de Villavicencio innerhalb der Anlage Alcázar de Jerez, Foto Ute Boysen
Jerez, komplett erhaltene alte Apotheke innerhalb des Palacio de Villavicencio, Alcázar de Jerez, Foto Ute Boysen

Besichtigt man nun diesen Palacio, erstaunt unter anderem eine alte aus dem 19. Jahrhundert stammende vollständig erhaltene und bestgepflegte Apothekeneinrichtung einschließlich sämtlicher damals üblichen Utensilien. Allein schon dafür lohnt sich der Besuch. In den großzügigen Sälen zieren ehemalige Plakate von Flamenco-Festlichkeiten oder Ferias die Wände, Stuckarbeiten an den hohen Decken und Wänden lassen staunen und die gepflegte ruhige Atmosphäre lässt den Besuch zudem zu einem Genuss werden.

Jerez, wunderschöne Gartenanlagen im Alcázar de Jerez, Foto Ute Boysen

Wie es allerdings im Hochsommer oder in der Hochsaison aussieht, können wir natürlich nicht beurteilen. Aber jetzt, mit dem nötigen Hygieneabstand und dem Tragen der Maske ist der Vormittagsbesuch ein Erlebnis. Nur ganz wenige Mitmenschen haben sich ebenfalls diese Tageszeit ausgesucht.

Die Nachmittage in Andalusien dienen in erster Linie der „siesta“, also der Mittagspause. Und so sind von 14.00 bis 18.00 Uhr alle Läden geschlossen und die Einheimischen wie auch die spanischen Touristen sitzen beim Essen vor den Restaurants. Gerne hätten wir uns noch einmal eine „Bodega“ angeschaut, doch die bekannten Weinkellereien der Region Jerez, wie beispielsweise Osborne, oder Tío Pepe haben derzeit nur an bestimmten Wochentagen und zu bestimmten Zeiten für einen Touristenbesuch geöffnet. So hatten wir leider das Pech, uns am falschen Tag in der Stadt aufzuhalten.

Wir bummelten nachmittags noch ein wenig durch die Stadt und freuten uns am nächsten Tag auf die Hauptstadt Andalusiens – auf Sevilla.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here