„Kaffeekannen-Sammlung“

Hobby Kannensammlung, Kannen mit verschiedenen blauen Dekoren, Foto Ute Boysen

Die Hobbies der Senioren

Sammeln kann man ja so ziemlich alles, habe ich an mir selbst über die Jahrzehnte feststellen können. Aus welchem Grund auch immer sammelte ich beispielsweise vorübergehend Streichholzschachteln, ohne Idee für den weiteren Verwendungszweck. Denn benutzen wollte ich die Zündhölzer ursprünglich nicht. Irgendwann erlosch das Interesse und mein Vorrat an Streichhölzern wird sicher noch Jahre halten…

Anders sieht es aus bei Seniorin Inge Betting (76). Vor rund 15 Jahren betrachtete sie kritisch die leeren Borde oberhalb ihrer Küchenhängeschränke und überlegte, wie diese dekoriert werden könnten. „Drei, vier eigene Kaffeekannen hatte ich im Schrank stehen, die schon damals nicht mehr zum Einsatz kamen. Man nimmt ja heute kaum noch Kaffeekannen, sondern eher Warmhaltekannen, “ erinnert sie sich an den Beginn ihrer Sammelfreude. Die Höhe vom Bord zur Küchendecke reichte aus, um diese Kaffeekannen dort platzieren zu können. „Und es sah richtig hübsch aus“, sagt sie.

Schon bald darauf besuchte Betting mit ihrem Mann immer öfter die heimischen Floh- und Trödelmärkte, um nach ergänzenden, ausgefallenen Kaffeekannen zu schauen. „Einige habe ich mit der Zeit schon irrtümlich doppelt erstanden“, erzählt sie lachend. Dies tat der Sammelfreude allerdings keinen Abbruch. So fand die Seniorin Kannen aus englischem Porzellan, aus rot-weißer Keramik, mit Blümchenmustern aller Art oder blau-weißem Zwiebelmuster. Das Zwiebelmuster, so sagt sie, wurde früher vor dem Krieg eher von den einfachen Leuten benutzt, die wohlhabenden Bürger kauften Markengeschirr.

Hobby Kannensammlung, aussergewöhnliche Sammelstücke, Foto Ute Boysen

Betting sammelte in erster Linie Kannen, deren Form sie ansprach. Selbst einige wenige Teekannen fanden so den Weg in ihre Küche. „Aber die sind eher verrückt und ausgefallen, wie zum Beispiel die Loriot-Kanne, die im Jahr 2006 bei Seltmann-Weiden in der Ausstellung (heute Lagerverkauf) für fünf Euro angeboten wurde. Das war ein wirklicher Schnäppchenpreis, “ freut sich die Seniorin selbst heute noch. Solch‘ außergewöhnliche Kannen würde sie gerne weitersammeln.

Die besonderen Formen der Deckel und Ausgießtüllen oder die hübsche Anordnung der Henkel begeistert sie immer wieder. Bauchige und eckige Kannen, glatte Porzellan-Strukturen oder Erhebungen im Dekor, die Fachbegriffe dafür sind nicht geläufig und nicht wichtig – einzig die Freude an der Beschaffenheit. Überhaupt, so Betting, sei nicht der Markenname einer Kaffee- oder Teekanne ausschlaggebend für ihren Kauf, sondern wirklich das Gefallen auf den ersten Blick. Stehe dann ein Markenname unter ihrem Sammelobjekt und der Preis stimme, dann sei die Freude darüber noch größer. Auffällig ist dennoch, dass die Kaffeekannen alle einem eher konservativen Stil angehören, die Farben Weiß und Beige vorherrschen und Blümchenmuster beim Sammeln bevorzugt wurden. Auf die Frage, ob sie die eine oder andere Kaffeekanne auch schon einmal benutzen würde, erhalte ich ein klares: „Nein, die werden nur zum Spülen heruntergeholt“.

Hobby Kannensammlung, Kannen mit verschiedenen Blümchenmustern, Foto Ute Boysen

Als das obere umlaufende Küchenbord zu klein wurde für die vielen Kannen, fertigte ein Schreiner zusätzliche Regale an – die jetzt auch schon vollgestellt einen Blickfang darstellen. Rund 120 Kannen zieren nun die Regalböden, stehen auch schon mal in Zweierreihen. Erweitert wird die Sammlung immer noch, allerdings langsamer als früher, und wenn ein Milchkännchen und eine Zuckerdose passend zur Kaffeekanne angeboten werden, dann ersteht die Seniorin auch diese dazu. Allerdings gibt es ein Preislimit. Mehr als 10 Euro gibt Betting nur für ganz besondere Stücke aus, die dürfen dann auch etwas teurer sein. „Ich habe überwiegend Porzellan-Kannen gesammelt, aber auch vom englischen Hersteller Enoch Wedgwood (Tunstall) Ltd. die Kanne der Serie „River Scene“ aus Keramik.

Während wir am Küchentisch sitzend gemütlich unsere Unterhaltung führen, erzählt sie mir, dass früher immer eine Kaffeekanne zum Kaffeeservice gehörte und heute schon eher als ein Zubehörteil dazugekauft werden muss. Früher wären die Kannen gehegt und gepflegt worden, heute würden sie häufig abgelöst durch eine Warmhaltekanne. Die Gemütlichkeit, die ein Stövchen und eine hübsche Kaffeekanne hervorrufen, sie ist fast unwiederbringlich vorüber. „Und ging dann wirklich einmal eine Kanne kaputt, dann sammelten alle Geld für eine neue Kanne – so war es früher“, erinnert sich Betting.

Wehmütig denkt sie an die Zeit der Goldrand-Kaffee-Services, die für besondere Anlässe auf den Tisch kamen und heute für extrem wenig Geld auf den Flohmärkten zu finden sind. Leider findet diese Art von Geschirr kein großes Interesse mehr. „Das ist der Zeitgeist“, resümiert die Seniorin und freut sich weiterhin über ihre Sammlung.

1 Kommentar

  1. Hallo Ute, schön, dass Du das Thema „Alte Zeiten“ immer mal wieder mit einigen Themen ansprichst.
    Nostalgie pur – wenn man Inges Kaffeekannen in so schönen unterschiedlichen Formen anschaut. Auch ich hatte früher „Sammeltassen“. Man bekam sie gefüllt mit Süßigkeiten bei besonderen Gelegenheiten geschenkt. Bei mir sind nur noch zwei Goldrand-Service als Andenken an die gemütliche Kaffeerunden mit der ganzen Familie übrig geblieben. Diese benutze ich aber auch heute noch und erfreue mich daran. Eins davon ist noch ein Erbstück meiner Mutter. Erinnerungen meiner Kindheit und Jugend. Lang, lang ist`s her!

    Deine Seite gefällt mir sehr!°!

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