Kein Ehrenamt ist auch ok!

Ehrenamt, Familie, Foto team-spirit, Anemone 123 auf pixabay

Bei dieser Überschrift wird nicht nur vielleicht der ein oder andere Leser empört fragen: „Wie kann sie so etwas schreiben“? Ganz sicher sogar vertreten viele Mitmenschen die Ansicht, dass nur mit Ehrenamt ausgefüllte Freizeit sinnvoll verbrachte Freizeit ist. Schließlich und endlich gehörte ich für acht Jahre auch dazu und bin nach wie vor tätig im kleineren Umfang und als stellvertretende rechtliche Betreuerin.

Ohne Ehrenamt in unserem Land würde Vieles gar nicht funktionieren und ich habe nach wie vor große Achtung vor all‘ Denjenigen, die ein solches ausüben. Ganz egal mit welchen Fähigkeiten und mit welcher Einsatzbereitschaft die Ehrenamtlichen ihren Aufgaben nachgehen – immer ist es zum Wohle der Allgemeinheit und deshalb nicht hoch genug einzuschätzen! Das ist und bleibt meine Meinung.

Aber dennoch ist mir seit einiger Zeit aufgefallen, dass immer häufiger jüngere und auch ältere Menschen fast schon verschämt davon erzählen, KEIN Ehrenamt auszuüben, sondern in ihrer Freizeit ganz eigenen Hobbies und Interessen nachgehen. Ja und?? Ist das heutzutage gar nicht mehr legitim? Müssen wir alle überall und ständig helfen wollen, einsatzbereit sein für irgendwelche weltlichen oder religiösen Institutionen? Werden wir von vielen Mitmenschen nur noch geachtet, wenn wir jederzeit abrufbereit alles stehen und liegen lassen, um den ehrenamtlichen Aufgaben nachzugehen? Ist es in Ordnung familiäre Interessen und Notwendigkeiten hinten anzustellen?

Ein Thema, das bestimmt schon in vielen Beziehungen oder Familien eine mehr oder weniger große Rolle spielt und nicht zu unterschätzen ist. Denn bei aller Liebe zum Ehrenamt – die Familie sollte immer an erster Stelle stehen und erst die dann verbleibende Freizeit gerne mit Hilfsbereitschaft an ehrenamtlicher Stelle eingesetzt werden.

Warum also sagen ältere Menschen leise und fast schon verschämt, dass sie keinem Ehrenamt nachgehen? Es ist vollkommen in Ordnung. Fast mutet es an wie die ähnlich hervorgebrachten Antworten junger Mütter auf die Frage, ob sie berufstätig seien. „Ich bin in Elternzeit“ ist da noch die Antwort, die am ehesten akzeptiert wird. Doch sagt die junge Mutter, sie sei nicht berufstätig, dann steht in den Augen der Fragenden häufig genug Unverständnis und durch die hochgezogenen Augenbrauen ganz deutlich Geringschätzung. Warum?

Akzeptieren wir nicht mehr, dass Jeder seinen eigenen Plan vom Leben hat? Gibt es ein „Muss“ für Ehrenamt und Co. um akzeptiert zu werden? Oder wollen wir nur irgendwo dazugehören? Können wir freie Zeit nicht mehr unbeschwert genießen und mit vermeintlich „sinnlosen“ Dingen füllen?

Ich möchte an dieser Stelle wirklich ganz deutlich und mit Nachdruck all‘ Denjenigen den Rücken stärken, die sich für sich selbst und die Familie einsetzen ohne Wenn und Aber. Das ist kein Ehrenamt – aber eine große Aufgabe und Stärke! Dafür gibt es keine Ehrenamtskarte und keine Feierstunde mit dem Bürgermeister. Sie werden nicht in Zeitungsberichten gelobt, im Foto dargestellt oder namentlich verlesen. Diese Mitmenschen haben ebenfalls unseren größten Respekt verdient – und ein wenig mehr Wertschätzung – auch ohne die Ausübung eines Ehrenamtes.

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