Kerzenlicht – ein Streicheln für die Seele

Kerzen, Kerzenstand auf dem Düsseldorfer Weihnachtsmarkt, Foto Ute Boysen

Nicht nur zur Weihnachtszeit

Nun beginnt die Vorweihnachtszeit und wir genießen den Kerzenschein, die besondere Stimmung, die uns erfasst und befinden uns gleichzeitig in der Jahreszeit mit dem höchsten Kerzenverbrauch. Nicht romantische Gefühle und Eindrücke machten die Kerze zu dem, was sie heute für die Menschen darstellt. Ganz im Gegenteil waren es alltags erleichternde Gründe für die rasche Verbreitung dieser Lichtquelle, die etwa im 3. Jahrhundert  vor Chr. Öllampen und Wachsfackeln ablöste.

Die ersten „Kerzen“, weit entfernt von Schönheit, Wohlgeruch oder Formenvielfalt, verbreiteten sich jedoch rasch durch die erhöhte Benutzung in den Kirchen. In den Wohnunterkünften dienten sie den Menschen vorrangig als Lichtquelle.

Eine brennende Kerze symbolisiert heute wie früher je nach Religion oder Kultur tatsächlich „Licht, das die Dunkelheit erhellt“ – im doppelten Sinne also. Hoffnung und Auferstehung Jesu, aber auch nordeuropäische Bedeutungen wie Sieg der Sonne über die Finsternis zeigen die Gefühle und Wünsche der Menschen, die sie in das Anzünden der Kerze projizieren. Und unsere christliche Religion ist ohne die bedeutungsintensiven Rituale um das Kerzenlicht im Gottesdienst oder daheim nicht vorstellbar.

Außerhalb der Advents- und Weihnachtszeit kommt jedoch ganzjährig der Wunsch nach Gemütlichkeit und warmer Atmosphäre auf und das auch in anderen Ländern oder Kulturen. Das Kerzenlicht erfüllt diesen Wunsch.

Kerzen, indische Diwali-Lichter, Foto Ute Boysen

Eins der bekannten asiatischen Lichterfeste heißt „Diwali“ und wird in fast allen Staaten Indiens sowie zahlreichen anderen Ländern mit großer Freude gefeiert.  Kleine und große buntbemalte, teilweise verzierte Tongefässchen, gefüllt mit brennbarer Masse und Docht, werden überall im und vor dem Haus aufgestellt. Angezündet bei Anbruch der Dunkelheit leuchtet ein wahres Lichtermeer in den Dörfern oder Stadt-Wohngebieten. Auch hier herrscht als Grundtenor der Sieg des Guten über das Böse, das Licht über die Finsternis vor.

Der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupér sagt es mit seinen Worten „So ist das Wesentliche einer Kerze nicht das Wachs, das seine Spuren hinterlässt, sondern das Licht (Die Stadt in der Wüste).

Kerzenlicht – wie ein Weichzeichner verändert dieses Licht die Umgebung oder das Gesicht eines Menschen, das zarte Flackern malt geradezu Wärme auf alles und jeden in nächster Umgebung. Es verwundert also nicht, wenn wir trotz Elektrizität und Beleuchtungsmöglichkeiten aller Art immer wieder auf Kerzen zurückgreifen. Sei es um eine besondere Stimmung in unserem Heim zu erzeugen oder in besonderer Andacht unserer Religion, unserem Glauben nachgehen.

In Laufe der Zeit veränderten sich nicht nur die Herstellungsarten, sondern auch die verwendeten Materialien der Kerzen. Bienenwachs gilt nach wie vor als edles Kerzenmaterial mit einem hohen Anteil an Handfertigung durch das Kneten des Wachses, woraus sich der höhere Preis ergibt. Preiswertere Kerzen, die beliebten Teelichte und auch die Grablichter bestehen überwiegend aus Paraffin. Dieses Material wird meist aus Erdöl gewonnen. Im Gegensatz dazu entsteht das Stearin aus rein pflanzlichen Stoffen wie Palmöl oder tierischen Fetten, was es unschädlicher und biologisch abbaubar macht. Die Preisunterschiede ergeben sich also sowohl aus dem Material, als auch aus dem mehr oder weniger aufwändigen  Herstellungsverfahren.

Damit Sie an Ihren gekauften oder selbst hergestellten Kerzen lange Freude haben gebe ich Ihnen nachfolgend ein paar einfache Tipps:

Achten Sie auf die Dochtlänge – ein zu langer Docht verursacht häufig starkes Rußen
Je länger Sie Ihre Kerzen in der Tiefkühltruhe oder im Gefrierfach des Kühlschranks aufbewahren, umso langsamer brennen sie ab.
Pusten Sie Ihre Kerzen nicht aus – um Rauch und Geruch zu vermeiden biegen Sie den Docht mit einem Zahnstocher kurz in das flüssige Wachs und richten ihn wieder auf.

Genießen Sie jede Stunde, die Sie im flackernden Licht einer Kerze verbringen können. Ich wünsche Ihnen eine gemütliche Advents- und Weihnachtszeit.

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