Kokosblütenzucker

„Probieren Sie einmal…“

Kokosblütenzucker lose, Foto Ute Boysen

Für das heutige Lebensmittel habe ich mich entschieden, um Ihnen einmal eine leckere Alternative zu den meist bekannten Zuckersorten näher zu bringen.  Süßspeisen, selbstbereitetes Eis oder Obstsalate werden oft mit mehr oder weniger Zucker oder Zuckerersatzstoffen verfeinert und auch die Frühstücksflocken erhalten zusätzliches Süß.

Es ist wohl ein Jahr her, dass ich einen TV-Beitrag zur Gewinnung des „Kokosblütenzuckers“ anschaute und mit großem Erstaunen und Interesse die einzelnen Arbeitsgänge der Ernte beziehungsweise Herstellung verfolgte. Mühsam, mühselig, welch ein Geschick, wie arbeitsintensiv – das waren meine inneren Worte, die ich bei diesem Filmbeitrag dachte. Und ich machte mich auf den Weg, den Kokosblütenzucker in den Geschäften zu suchen und auszuprobieren. Überrascht stellte ich fest, dass es tatsächlich gar nicht schwer ist, diesen Zucker zu finden. Im Bioprodukt-Regal der Einzelhändler, im Reformhaus oder Biokaufhaus, sowie im Internet wurde ich fündig. Erstaunt hat mich der höhere Preis nicht, denn durch die Fernseh-Dokumentation hatte ich mir diesen schon vorstellen können.

Kokosblütenzucker wird tatsächlich nur aus der Kokospalme Thailands, den Philippinen, Süd-Indiens und anderer asiatischen Länder gewonnen und sollte nicht verwechselt werden mit Palmzucker anderer Palmenarten, die häufig vermischt werden. Die Einzigartigkeit des Kokosblütenzuckers liegt in der mühseligen und schonenden Gewinnung und Herstellung von Hand. Bei einer Palmenhöhe von 10 bis 25 Metern haben die Kokosfarmer eine ordentliche Höhenstrecke zurückzulegen, um an die Blütenstände der Kokospalme zu gelangen. Aus diesen entstehen später die Kokosnüsse. Doch im Fall der Kokosblütenzucker Gewinnung wird das verhindert, indem die Blütenstände zusammengebunden und eingeritzt werden. Dadurch tritt tropfenweise eine zuckerhaltige Flüssigkeit aus. Die Kokosfarmer stülpen Tüten oder Gefäße über diese gebundenen Blütenstände, um die Flüssigkeit auffangen zu können. Die ganze auch „Melken“ genannte Prozedur bringt pro Palme und Tag etwa vier Liter Blütennektar hervor. Nun kommt es auf Geschwindigkeit an, denn der so gewonnene Nektar muss schnellstens weiterverarbeitet werden. Die Blütenflüssigkeit wird über einer offenen Feuerstelle in großen Pfannen- oder Wok ähnlichen Behältern gekocht. Nach einiger Zeit verliert die Flüssigkeit mehr und mehr Wasser und es bilden sich Kristalle. Im abgekühlten Zustand hat der Farmer eine feste Masse gewonnen, die er nun gewogen und verpackt an Händler verkaufen kann.  Dies war der Arbeitsvorgang eines Kokosfarmers an einer einzelnen Palme. Es kommt also auf die Menge der Palmen und Helfer eines Palmenanbaus an, um größere Mengen Kokosblütenzucker herstellen zu können.

Sehen wir uns einmal an, was bisher über Inhaltsstoffe oder Nährwerte bekannt ist. Der wohl gravierendste Unterschied  liegt im nachgewiesenen „Glykämischen Index“ (abgekürzt GI genannt), der mit einem Wert von nur etwa 35 um einiges niedriger ist, als bei anderen Süßungsmitteln. Wichtig zu wissen ist dies, weil wir mit einem niedrig-glykämischen Nahrungsmittel Heißhungerattacken vorbeugen können. Der Blutzuckerspiegel steigt langsam und gleichmäßig an und nicht sprunghaft und schnell wie bei hoch-glykämischen Lebensmitteln. Und noch etwas ist interessant zu wissen: Menschen, die Wert auf eine ausgewogene Säure-Basen-Ernährung achten können sich freuen, denn Kokosblütenzucker wird basisch verstoffwechselt. Bei einem höheren Zuckerkonsum fällt das wirklich ins Gewicht.

Und wie ist der Geschmack? Stelle ich einen Unterschied fest zum herkömmlichen Haushaltszucker oder braunen Zucker, zum Rohrzucker, Süßstoff, Kandis? Meine persönliche Antwort lautet eindeutig „Ja“. Probieren Sie den Kokosblütenzucker mit dem Löffel, so schmeckt er nicht etwa nach Kokosnuss, sondern dezent leicht nach Karamell oder Malz. Das unmittelbare Auflösen des Zuckers auf der Zunge oder auch in kalten Getränken ist zurückzuführen auf die feine pulverisierte Form des Zuckers. Im Gegensatz dazu knirschen und knacken die kristallisierten Haushaltszucker Körnchen beim Verzehr. Im Getränk macht sich der Geschmack des Kokosblütenzuckers meines Erachtens nicht wirklich bemerkbar, es kommt wohl auf die Menge an. Anders verhält es sich dagegen bei den Süßspeisen oder Obstsalaten, wenn Sie den Zucker als Top obenauf streuen. Aufgrund hoher Zuckermengen beim Backen ist zu überlegen, ob der Geschmack den Preis rechtfertigt. Alles in allem – eine teure, aber interessante Alternative zum Süßen.

In diesem Sinne – Probieren Sie einmal!
(Erstveröffentlichung 05/2017)

 

 

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