Liebesgeschichte – Teil 2

Liebesgeschichte, Tanzstundengruppe Gerhard + Christl vorne Mitte, Foto Chr. H. privat

…in den Wirren des Krieges

Nun also nach Flensburg. Ohne großartige finanzielle Absicherung, ohne Auto, Führerschein, Proviant, Unterkünfte, saubere Kleidung oder regelmäßige Waschmöglichkeiten – man stelle sich solch eine Situation einmal vor! Dazu die ständige Angst und auch Gefahr für eine allein reisende Frau. Doch Chistl verfolgte zielstrebig nur eins: ihren Gerd wieder zu sehen!

Dieses Mal leistete sich die junge Frau eine Zugfahrt von Travemünde bis Kiel – was im Nachhinein betrachtet als Schicksalswink bezeichnet werden könnte. Denn hier in diesem Zug kurz vor der Ankunft in Kiel stieg ein Kamerad von Gerd ein – und erkennt Christl von einem Foto her…. An Zufälle mag man da nicht denken. Er sei auch nach Flensburg versetzt worden erzählt der junge Mann. Aber auch zwei Tage später war Gerd noch nicht eingetroffen. Sein Kamerad informierte in der Kaserne die Wache darüber, dass Christl in der Stadt sei und brachte sie bei einer Freundin unter. Am gleichen Abend rief Gerd dort an!

Liebesgeschichte, Christl als junge Frau, Foto Chr. H. privat

Ein Jahr hatten sich die jungen Leute nun schon nicht mehr gesehen. In der Nacht trafen sie sich heimlich. Mit den Worten „Bist Du wahnsinnig, was machst Du hier? Warum bist Du nicht nach Hause nach Reichenberg geflohen? Ich kann Dich doch nicht in die Kaserne mitnehmen!“ begrüßte er Christl voller Sorge, aber auch Freude nach all der langen Zeit. Wie gerade erst gehört hat die Seniorin diese Worte noch heute im Ohr. „Wir haben zwei Tage in Flensburg die Freizeit zusammen verbracht. Am dritten Tag war kein Treffen mehr möglich, denn ich reiste recht enttäuscht per Anhalter Richtung Süden nach Reichenberg zum Elternhaus wieder ab.“

Nähe Berlin ging nichts mehr, schildert die Seniorin die damaligen Zustände. Die Alliierten hatten die einzige Straße, die Richtung Berlin noch geöffnet war, nun geschlossen. Man glaubt es kaum, die junge Frau machte sich wieder auf den Weg zurück nach Flensburg. Groß wurde ihre Angst, als sie feststellen musste, dass in den Dörfern keine Menschen mehr zu sehen waren. „Da bin ich weggerannt und fand nach einiger Zeit endlich wieder eine Fahrgelegenheit. Das ganze dauerte Tage!“ Übernachtet habe sie in Scheunen oder Straßengräben und irgendjemand gab immer ein Stück Brot oder ähnliches – es sei eine tolle Kameradschaft gewesen. Endlich wieder in Flensburg machte sich Christl auf die Suche nach ihrem Gerd, nur um festzustellen, dass er nicht mehr dort war. Eingeteilt zum Umschulen auf Panzerfaustgranaten sollte er verteilt auf viele kleine Ortschaften auf Bauernhöfen arbeiten. Wieder machte sich Christl auf den Weg und graste auf der Suche nach Gerd drei Tage lang von Flensburg aus alle Dörfer ab. Und fand ihn tatsächlich in „Winderad“.

Liebesgeschichte, Gerhard S. in Uniform, Foto Chr. H. privat

Dieses Mal schloss der junge Mann seine Christl überglücklich und froh in die Arme, ohne Vorwürfe, nur erleichtert darüber, sie gesund wieder zu haben. Aber wo jetzt hin mit ihr? „Wir sind dann gemeinsam von Hof zu Hof gezogen und ein Melker-Ehepaar hat Christl ohne irgendeine Gegenleistung auf einem Gutshof aufgenommen. „Endlich wieder Essen“. Die tiefe Erleichterung und Zufriedenheit darüber steht der Seniorin noch heute ins Gesicht geschrieben. Auch heute noch, Jahrzehnte später, erinnert sich die Seniorin mit dankbarem Staunen daran, dass diese Eheleute nur ein Zimmer und eine Küche besaßen und ihr, der völlig Fremden, eine Hälfte ihres Ehebettes überließen. Nun lebte sie dort, nur 20 Minuten entfernt von dem Hof, auf dem Gerd untergebracht war, mit vielen Offizieren im Heu liegend und auf die Panzerfaust-Ausbildung wartend.

An Pfingsten 1945 erinnert sich Christl Hausmann ganz genau, denn da bekamen tatsächlich alle Zivilisten eine Zuteilung Zucker, Alkohol und anderes, wie zum Beispiel selbstgebrannten Likör vom Melker-Ehepaar, auf dessen Hof auch Marine-Offiziere untergebracht waren. Jeden Tag konnten sich Christl und Gerd nun treffen und auch zusammen feiern. Bis es plötzlich vorbei war mit der Ruhe: Mit der Meldung „Empfang Panzer“ wurde der Befehl „Alle antreten“ herausgegeben.

Wieder einige Tage später erhielten sie die Meldung „Kapitulation – Krieg beendet“ – und es passierte gar nichts! Das unbehelligte und friedliche Leben auf dem Gutshof wurde durch nichts gestört oder unterbrochen. Wildeste Gerüchte über Gefangenschaften schwirrten umher, doch alle hier Anwesenden feierten das Kriegsende. Nachts brachte Gerd seine Christl übers Feld nach Hause zum Hof. Sie legten sich zwischen die Kühe in die Stallgasse zum Schlafen – nicht ahnend, was die Zukunft bringen sollte.

Lesen Sie im letzten Teil wie es weiterging.

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