Missionshilfe „Entwertete Briefmarken“

Beitrag in Zusammenarbeit mit meinem ehemaligen Ehrenamtskollegen
Ewald Betting

Briefmarken, selbst gesammelte, internationale, abgestempelt, Foto Ute Boysen

Schon als Ewald vor acht Jahren für das damalige ehrenamtliche Redaktionsteam diesen Bericht über entwertete Briefmarken verfasste, war ich höchst interessiert an diesem Thema. Nun möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass Missionshilfe viele Gesichter haben kann und freue mich, Ewalds Bericht hier auf meinem blog noch einmal online stellen zu können:

Entwertete Briefmarken, eine Kapitalanlage?
Ein Tipp für eine gute Tat

Briefmarken, abgestempelt, auf Umschlag, Foto Ute Boysen

Nicht für Sie persönlich. Bevor sie aber im Papierkorb landen gibt es dafür eine sinnvolle Verwendung. Wenn Sie meinen, unsere Briefmarken auf der normalen Post haben ihren Dienst getan, sind sie dennoch Sammlerobjekte für zig Millionen Briefmarkenfreunde.

Mein lieber Bekannter B. O. (Name dem Autorenteam bekannt) sammelt im Jahr rund 15.000 bis 20.000 Briefmarken. Seit mehr als vier Jahrzehnten macht er das und unterstützt damit Hilfsprojekte in aller Welt. Er sammelt alle abgestempelten Briefmarken und alte Postkarten. Die Marken sollten nach Möglichkeit ausgeschnitten sein, mit einem Zentimeter Platz an den Rändern, falls möglich. Wenn jemand 100 bis 200 Marken gesammelt hatte, holte B.O. diese auch gerne ab.

In all‘ den Jahren hat der jetzt 78jährige, seiner Schätzung nach, wohl 6,7 Millionen Briefmarken gesammelt. Diese gingen und gehen hauptsächlich an den Arnsteiner Pater Dieter Lechtenfeld, um damit arme Menschen in aller Welt zu unterstützen. Wie lernten sich die beiden Männer kennen? B. O. lernte den Pater und das Projekt anlässlich einer Wallfahrt zum Kloster Arnstein bei Obernhof an der Lahn kennen. Jeder Wallfahrer erhielt dort ein kleines Kärtchen, auf dem die Briefmarkenaktion bekannt gemacht wurde. Später ließ B. O. Tausende von Kärtchen jährlich in seinem Heimatort drucken.

Pater Lechtenfeld bekommt Briefmarken aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland, verkauft sie an Briefmarkenhändler und finanziert damit Hilfsprojekte für

Strahlenkranke Kinder in Tschernobyl
Straßenkinderprojekte in Brasilien und Kolumbien
aidskranke Kinder in Afrika
ein Leprazentrum in Indien
einen Schulneubau in Kamerun
ein Kinderhilfsprojekt im Kosovo
Kinder und Jugendliche in Deutschland, die durch Körper- oder Lernbehinderung bzw. familiäre Umstände Probleme in schulischer und persönlicher Entwicklung haben

Missionshilfe muss nicht immer aus finanziellen Mitteln bestehen, auch alter Schmuck, Uhren, Münzen, altes Papiergeld oder Telefonkarten geben die Möglichkeit zu helfen.

Durch B. O. beispiellosen Einsatz bekam er von einem 72jährigen Industriellen, der seit seinem 16. Lebensjahr Briefmarken gesammelt hatte, einen voll mit Alben gefüllten Kofferraum einer Großlimousine gebracht. Eine nicht genannte Frau schenkte ihm 33 Alben mit Briefmarken aus aller Welt. Nach Anfrage bei sämtlichen Bausparkassen half ein Aufsichtsratsmitglied einer großen Bausparkasse aus dem württembergischen Raum. Ein Auszubildender wurde für einen Monat abgestellt, um alle Briefmarken von der Eingangspost auszuschneiden. Über 10.000 Stück fanden einen glücklichen Abnehmer.

Soweit Ewalds Bericht. Aktuell habe ich Kontakt aufgenommen zu B. O. und interessierte mich für weitere Einzelheiten zu diesem großartigen Projekt des Briefmarken-Sammelns. Er habe rund 100 „Kunden“, schrieb mir der Senior, denn die ihm zuliefernden Sammler nennt er „Kunden“. Viele dieser Menschen schicken ihm tatsächlich 5.000 bis 10.000 Briefmarken monatlich. So beispielsweise das Franziskus Pfarrheim in Anholt, das BEW in Bocholt, Privatleute aus dem Umland des Heimatortes, das Seniorenheim in Coesfeld sowie viele andere.

„Ich arbeite mit folgenden Klöstern zusammen: Arnsteiner Patres, Abtei Münsterschwarzach – Missionsbenediktiner (konnten vom Verkauf der Briefmarken eine komplette Schuleinrichtung in Afrika finanzieren), Kapuziner in Bald Waldsee (arbeiten hauptsächlich in Nias – Indonesien), Solanusschwestern in Landshut (arbeiten hauptsächlich in den Slums von Brasilien). Alle Klöster werden von mir mit Briefmarken versorgt,“ schrieb mir B. O. der namentlich nicht mehr genannt werden möchte.

„Einen Briefmarken Kunden habe ich noch vergessen. Herrn Hans Gehrke, früherer Fußballobmann des 1. FC Bocholt. Er konnte mir 35.000 Briefe und Postkarten zur Verfügung stellen (12 Bananenkartons voll) – das war viel Arbeit“, schloss B. O. seine handschriftlichen Notizen ab.

Sein zweites Herzens-Projekt betrifft alte abgelegte Brillengestelle. Doch darüber erfahren Sie demnächst mehr.

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