„Mit Schirm, Charme und Melone“ – unvergessliche TV-Serien

Paar, mit Schirm und Melone, Foto efes auf pixabay

In der Erinnerung an diese Serie gehen wir wieder einmal weit zurück in das Jahr 1966, in eine Zeit, als unsere TV-Geräte völlig anders aussahen als heute und die Ausstrahlung der Sendungen nur in schwarz-weiß erfolgen konnte. Ja, diese Zeiten gab es tatsächlich. Serien wie „Raumpatrouille Orion“, „Schiff Ahoi“ oder „Adrian, der Tulpendieb“ (diese Serie jedoch schon in Farbe) flimmerten über den Bildschirm und boten Unterhaltung auf verschiedenste Art.

Dann eroberte ein britisches Agentenpaar die deutschen Zuschauer im Sturm: Emma Peel (Diana Rigg) und John Steed (Patrick Macnee). Obwohl diese Serie erst ab Staffel vier im deutschen Fernsehen vom Sender ZDF ausgestrahlt wurde, waren die Deutschen mal wieder fasziniert von einem völlig anderen Genre der Serienwelt. Agenten, Kriminalfälle, Kampfsport, Fechten, aber auch Eleganz, das schöne Leben und natürlich, eine umwerfende Frau, brachten in ihrer Gesamtheit ein aufregend exotisches Leben auf die heimischen Bildschirme, das wohl den meisten Zuschauern eher unrealistisch erschien.

Unter dem britischen Titel „The Avengers“ (übersetzt: Die Rächer) startete die Serie bereits 1961 in Großbritannien. Hauptdarsteller „John Steed“ gehörte von Beginn an zur Besetzung, die Hauptrolle allerdings erlangte er erst später, wo hingegen seine Partner(innen) von Staffel zu Staffel immer mal wieder wechselten. Das tat der Serie keinen Abbruch, doch blieb die Hauptdarstellerin „Emma Peel“, erst eingesetzt für die Staffeln vier und fünf, den deutschen Zuschauern nachhaltig in Erinnerung. „Die Karate-Aktionen waren damals bemerkenswert, die Kleidung von John Steed und auch das Fechten“, so mein Mann (67), auf die Frage, an was er sich speziell erinnern könne. „Emma Peel war wohl die Angelina Jolie der frühen Jahre“, ergänzte er lachend.

Um was ging es denn nun in dieser Serie und was bedeutet der deutsche Titel? „Mit Schirm, Charme und Melone“ bezieht sich erstens auf die Kleidung des Agenten John Steed. Immer im eleganten Anzug mit eingesteckter Blume, seinem Stockschirm und seiner nicht wegzudenkenden schwarzen Melone tritt dieser Agent im Auftrag seiner Majestät zu den gefährlichsten kriminalistischen Aufklärungen auf. Das Wörtchen „Charme“ betrifft wohl beide Darsteller, denn charmant gehen sie miteinander um und liebenswürdig und einnehmend treten sie gegen den Rest der Welt an. Verbrechensbekämpfung einmal ganz anders.

Es sind neben dem seriös, extrem elegant gekleideten Steed die Leder- und Lackanzüge der Emma Peel, die in diesen 60er Jahren für Aufmerksamkeit sorgten… Die emanzipierte, starke Agentin, Karatekämpferin und Fechterin im durchtrainierten Körper brillierte durch Garderobe, britischen Humor und Intelligenz – und fuhr zudem noch einen Sportwagen, der Männerherzen höherschlagen ließ: einen Lotus Elan.

Dieses Agentenpaar also wird immer dann von Ihrer Majestät eingesetzt, wenn es sich um äußerst schwierige Verbrechen handelt. Doch anders als bei Kriminal-Serien haben es Steed und Peel mit den absonderlichsten Tätern zu tun, die am ehesten einzuordnen sind unter „Größenwahnsinn, Verwirrtheit, Egozentrik“. So haben sie immer wieder mit verwirrten Anstiftern, intriganten Wissenschaftlern oder anderen bizarren kriminellen Mitmenschen zu tun. Die beiden Agenten stehen dem jedoch nicht mit einer „simplen“ Schusswaffe gegenüber, sondern nutzen beispielsweise höchst unüblich den Stockschirm, in dem sich Steeds scharfer Degen befindet, oder seine Melone, die mit Eisen gefüttert, eine wahre Waffe darstellt.

Geradezu grotesk wirkten manche Fälle, ganz dem britischen Humor hingegeben und immer auch kurios, teilweise sogar völlig abwegig. Doch stets mit Stil und Eleganz! Kein Blut, keine Schramme und nie zerknitterte, beschmutzte Kleidung. Die Frisuren saßen nach jeder Verbrechensbekämpfung wie zuvor – tadellos. Wie gesagt – völlig abwegig und wenig glaubhaft. Dem Zuschauer gefiel die Serie trotzdem.

Das ZDF strahlte ab 1966 in dieser Besetzung 36 Folgen aus. ARD, Tele 5, Sat 1, arte oder auch Kabel 1 sendeten entweder in den Folgejahren Wiederholungen oder noch nicht ausgestrahlte Folgen, in gleicher oder veränderter Besetzung. Im Jahr 1998 gelangte unter dem Titel „The Avengers“ der Actionfilm zur Serie in die Kinos, in dem Uma Thurman, Ralph Fiennes und Sean Connery brillierten.

Eines sollte noch erwähnt werden: In den ersten drei Staffeln wurde die Figur des Agenten John Steed völlig anders dargestellt und entsprach mehr dem üblichen Bild eines Kriminalbeamten Richtung Schimanski. Mit Partnerin Emma Peel veränderte sich das Serienbild nachhaltig.

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