Modell-Eisenbahn

Die Hobbys der Senioren

Modelleisenbahn, kleine Modellbahn, Foto Ute Boysen

Ein längst vergessen geglaubtes Hobby brachte mir Senior Alfons B. (77) in aller Ausführlichkeit näher. Unser jüngster Sohn hatte sich zwar vor rund 20 Jahren  noch für dieses Hobby begeistert – doch hielt das nur zwei Jahre an. Anders verhält es sich dagegen bei dem Senior. Er wünschte sich bereits in seiner frühen Kindheit eine Modell-Eisenbahn. „Ein Hobby höchster Klasse und teuer – das war  bei sechs Kindern gar nicht möglich“, erinnert er sich.

„Täglich fuhr an unserem Haus die Eisenbahn vorbei. Ich war von den Geräuschen des Glockentons der Schranke jedes Mal wieder fasziniert und ich sah noch die alten Dampflokomotiven. Später folgten dann ja die Dieselloks.“ Erst viele Jahre später, er war mittlerweile Ehemann und Vater dreier Kinder, erhielt er die Gelegenheit eine alte verstaubte und verdreckte Modell-Eisenbahnanlage zu bekommen, die jahrelang bei Verwandten auf dem Dachboden lag.  Senior B. erhielt eine Trix Express, die es heute nicht mehr gibt. Die Firma Trix wurde von der Firma Märklin übernommen und das Trix-System konnte sich nicht durchsetzen.

Modelleisenbahn, Ansicht der verschiedenen Systeme, Foto Ute Boysen

Als Laie in Sachen Modell-Eisenbahn-Systemen lasse ich mir nun die gravierenden Unterschiede erklären. „Trix war ein 3-Leiter-System (H 0), das nicht digitalisiert werden kann, sondern analog fahren muss“, schildert der Senior. Mir sagt das erst einmal nichts. „Das heißt, dass auch schon 1968 die Möglichkeit bestand, mit diesem System zwei Lokomotiven auf einem Schienenstrang fahren zu lassen. Es war ein großer Vorteil zu den anderen Anbietern damaliger Zeit, “ fährt er fort. Allerdings war dies keine naturgetreue Darstellung der Gleisanlagen und so entwickelte die Firma Trix die so genannte „Spur N“. Auf kleineren und schmaleren Schienen und  (rund 50 prozentige Verkleinerung) war nun viel mehr auf kleiner Fläche unterzubringen.

„Ich fing also mit der Eisenbahnanlage H 0 an und musste zunächst einmal alles reinigen und reparieren. Auf einer Holzfläche von 2,50 m Länge und 1,20 m  Breite war die Anlage bereits vormontiert. Die Häuser, Landschaften oder Gebäude habe ich dann in jahrzehntelanger Hobby-Arbeit bis heute ständig erweitert, ergänzt und vervollständigt. Zusätzliche Electronic habe ich angebracht und immer wieder Verbesserungen vorgenommen,“ erzählt Alfons B. Auch die kleinen Modell-Eisenbahnen müssen regelmäßig geölt, gereinigt, auseinander gebaut und wieder zusammengesetzt werden. Was macht denn nun eigentlich den Anreiz für solch ein arbeitsintensives Hobby aus, frage ich den Senior. „Nicht der Spieltrieb ist für dieses Hobby ausschlaggebend, sondern die Entwicklung, die Veränderung und Instandhaltung sind der Anreiz, sowie die immer weiter gehende Technik“, lautet seine Antwort.

Modelleisenbahn, Teilansicht der Eisenbahn-Anlage, Foto Ute Boysen

Leider ist es heutzutage kaum noch möglich neue Züge zu kaufen, da die Märklin Eisenbahnen nicht kompatibel sind zu seinem vorhandenen System. Deshalb sucht der Hobby-Techniker seit 20 Jahren regelmäßig Flohmärkte auf und schloss sich vor langer Zeit dem „Trix-Express-Club“ an. „Rund 50 Veteranen treffen sich dort jährlich einmal zum Fachsimpeln und Helfen, Ersatzteile austauschen oder Tipps geben“, freut sich der Senior über diese Möglichkeiten des Erfahrungsaustausches. Kinder oder Jugendliche wären dort selten anzutreffen.

Eine Episode bleibt der Familie nachhaltig im Gedächtnis. Ein Umzug und ein zu schmaler Eingangsbereich führten dazu, dass der Senior seine gesamte Modellbahn-Anlage zersägen musste. Nicht nur die Holzplatte fiel der Säge zum Opfer, sondern auch die Gleise, Schienen, Kabel und Leitungen. „Meine Arbeiten von 25 Jahren waren zerstört und ich dachte mir so ‚die bekomme ich nie wieder zum Laufen‘,“ erinnert er sich. Nach der Geburt des Enkelkindes begann er mit hohem Zeiteinsatz und akribischer Genauigkeit den Wiederaufbau und die ständige Weiterentwicklung seiner Modelleisenbahn-Anlage. „Es wurde schon eine absolute Neugestaltung“, sagt er.

Modelleisenbahn, Teilansicht Steuerungstechnik, Foto Ute Boysen

Und dann werde ich in den Bereich geführt, den der Senior in unzähligen Abendstunden für sein Hobby nutzt. Die Modellbahn-Anlage fasziniert auch mich, gleicht sie doch nicht nur einer Miniaturwelt – die Bewegungen und Lichter machen ein kleines Abenteuerland für mich aus. Stolz führt mir B. die einzeln steuerbaren Funktionen vor, mit denen die verschiedensten Eisenbahnen fahren, sich Wasserräder und Windmühlen drehen, Kirchenglocken ertönen oder sogar ein Feuerwehr-Einsatz beweglich dargestellt wird. Elektronisch gesteuert laufen kleine Seilbahnen über die Landschaften hinweg.

Ich bekomme Oberleitungs-Züge zu sehen und in Miniaturausgabe den in Deutschland als ersten gefahrenen Zug „Adler“, der am 02.12.1835 seine Fahrt von Nürnberg nach Fürth antrat. Als sein Hobbykeller zu klein wurde für all‘ die erworbenen Schätze, brachte der Senior kurzerhand an der Decke eine Konstruktion an, auf der eine weitere Bahn durch ein Wein- und Einmach-Regal ihre Runden dreht. Letztendlich fertigte der Hobbyist eine kleinere Platte an, auf welcher er komplett Miniatureisenbahnen der „Spur N“ fahren lässt, sowie die kleinste Modelleisenbahn der Welt „Spur Z von Märklin“.

Nun steht die Weihnachtszeit vor der Tür. Ob die Jungen- oder Männerherzen auch heutzutage noch höher schlagen beim Hobby „Modelleisenbahn“ weiß ich nicht. Aber vielleicht weckt mein Bericht bei dem einen oder anderen Leser unter Ihnen Interesse und Neugier und die Idee für Ihren Wunschzettel.

(Diesen Bericht habe ich bereits im November 2015 erstmals veröffentlicht.)

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