Papiermaché und Co.

Die Hobbies der Senioren

Hobby Papiermaché und Co., Lampenschirm mit Stempelmotiven, Foto Ute Boysen

Geben Sie für Dekorationsgegenstände auch viel Geld aus? Haben Sie ein Händchen für das jahreszeitlich wechselnde „Schmücken“ Ihres Heimes? Und ist Ihnen letztendlich der Wunsch nicht fremd, selbst einmal ausgefallene Gegenstände, absolute Unikate, herzustellen? Dann ist vielleicht die heutige Hobby-Vorstellung genau das Richtige für Sie.

Angelika R. (65) verschönert Flaschen und andere Behälter mit Papiermaché. Obwohl sie schon immer gerne gebastelt und gewerkelt hat, begann sie erst nach Eintritt in den Ruhestand mit diesem für sie völlig neuen Hobby. „In einer Zeitung sah ich die fertiggestellten Flaschen mit Pappmaché und begann sofort Spargelgläser, Öl- und Weinflaschen, aber auch Konservendosen zu sammeln – und natürlich Pappe und Zeitungspapier“, erzählt die Seniorin vom Beginn. Dieses Zubehör fällt in fast jedem Haushalt an und landet meistens im Müll.

Schneebeseneinsatz

Hobby Papiermaché und Co, verschiedene Techniken auf Flaschen, Foto Ute Boysen

Detailliert und anschaulich schildert sie mir nun die Vorgehensweise. „Pappe und Papier werden etwa zwei Stunden in Wasser eingeweicht, bis sie ziemlich weich sind. Dann drücke ich die Masse durch ein Sieb. Leider bleibt immer wenig übrig. Und nun rühre ich herkömmlichen Tapetenkleister mit wenig Wasser an, gebe die Papiermasse dazu und rühre mit einem Schneebesen sehr kräftig durch. Einen Mixer sollte man nicht benutzen, dann würde die Masse zu fein und die erwünschten kleinen Stücke für die Struktur bleiben nicht übrig.“

Bis hierhin hört sich alles recht einfach an, doch die folgende Vorgehensweise muss sicher geübt werden. „Meine gereinigten Flaschen oder Behälter stehen nun bereit und mit Einweghandschuhen drücke ich nun das Material ganz nach eigenem Geschmack auf die Gegenstände“, beschreibt die Seniorin die Arbeitsgänge. Geschmack bedeutet hier, die Menge und die Form, die letztendlich erhalten werden soll. Eine ganze Woche Lufttrocknung benötigt die gräulich klebrige Masse nun, bis Angelika R. mit der Bemalung beginnen kann. „Je nach eigenem Farbgeschmack können Acrylfarben oder einfache weiße Wandfarbe benutzt werden. Für schöne Effekte oder einen besonderen Farbverlauf werden in unterschiedlichen Schichten die Farben aufgepinselt, allerdings muss jede Schicht für sich erst trocknen, bevor weiter eingepinselt werden kann.“

Knüddeltechnik

„Eine andere Möglichkeit für andersfarbige Effekte erreicht man dadurch, dass weißes Papier zerknüddelt, in Farbe getaucht und dann vorsichtig auf den Gegenstand gedrückt wird. Zum Abschluss, nachdem alles wirklich getrocknet ist, wird eine Versiegelung (Firness) aufgetragen, damit die Leuchtkraft der Farben erhalten bleibt.“

Hobby Papiermaché und Co, Flaschendeko, Foto Ute Boysen

„Nach längerer Beschäftigung mit dieser Technik wurde ich neugierig auf andere Materialien und fand heraus, dass die Gipsverarbeitung wesentlich schneller zu Ergebnissen führt als Pappmaché, weil Gips schnelltrocknend ist“, sagt die Hobbykünstlerin. Auch die Formbarkeit sei besser, beispielsweise um Tierköpfe auf Flaschen zu modellieren. Gips könne weiß bleiben oder auch in nach und nach trocknenden Schichten mit Acrylfarben bemalt werden. Durch vorsichtiges Abwaschen mit einem stark ausgewrungenen Tuch entstehen hierbei wieder andere Farbeffekte.

Streifen kleben

Das Experimentieren liegt der Seniorin scheinbar im Blut, denn immer wieder kommen ihr neue Ideen. So arbeitet sie auch mit Acryl-Sprühfarben, womit Verlauf-Strukturen erreicht werden können. Doch besonders hebt sie die Papierstreifen-Variante hervor. „Aus Packpapier schneide ich Streifen zu und streiche sie, wie auch die Flasche, schön satt mit Kleister ein. Jetzt klebe ich die einzelnen Papierstreifen von unten beginnend kreuz und quer über die Flasche. Immer unter den Streifen einkleistern und dann wieder darüber, damit alles zusammenhaften kann. So entstehen willkürliche Muster durch das Kreuz- und Quer-Kleben. Allerdings sollte der Verlauf der geklebten Streifen immer in gleichen Runden erfolgen. Immer die Streifen so übereinander kleben, dass sie keine Lufträume freilassen. Dann mit beiden Händen alles andrücken und etwas glätten.“

Vier bis fünf Tage Trocknungszeit später erhält die Flasche ihren Grundanstrich nach eigener Gestaltung, wobei ein dunkel gewählter Farbton für spätere Effekte mit hellen Farben geeigneter erscheint. Die oberste, nicht verdünnte, Acrylfarbe wird mit einem trockenen Pinsel vorsichtig aufgetragen, um Rillen und Falten zu erhalten.

Ich habe einen tiefen Einblick in ein Hobby erhalten, dass mir so noch nicht bekannt war und staune, wie mit einfachen Gegenständen und Zubehör solch‘ interessante individuelle Dekorationen geschaffen werden können. Probieren Sie es einmal aus!

(Erstveröffentlichung Januar 2016)

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