Pastinaken

Pastinaken, Foto Ute Boysen

Als unser erstes Enkelkind vor einigen Jahren im Babyalter das erste Gemüse aus dem Gläschen essen durfte und konnte, stellte sich sehr schnell heraus, dass eine ganz besondere Sorte bevorzugt und vertragen wurde. Erstaunt erfuhr ich, dass es sich hierbei um die Pastinake (auch „der Pastinak“ wäre richtig) handelte. Heute erzähle ich Ihnen mehr über dieses Wurzelgemüse, das auch Rübe, Knollengemüse und sogar Hirsch- oder Hammelmöhre genannt wird.

Nun handelt es sich aber nicht etwa um eine völlig neuartige Züchtung. Weit gefehlt! Die Pastinaken waren bereits bis ins 18. Jahrhundert nicht nur in Deutschland bekannt und beliebt als Grundnahrungsmittel. In zahlreichen europäischen Ländern hält diese Beliebtheit bis heute an, wo hingegen in unserem Land die Leidenschaft für die Kartoffel die Pastinake weitestgehend verdrängte. Mittlerweile sind die Pastinaken wieder häufiger im Anbau und im Handel zu finden, in der Relation zur Kartoffelvielfalt aber immer noch selten. So erstaunt es ein wenig, dass durch den „Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt“ die Pastinake im Jahre 2011/2012 in Deutschland zum Gemüse des Jahres gewählt wurde.

Pastinaken ganz und in Würfel geschnitten, Foto Ute Boysen

Befasst man sich allerdings ein wenig näher mit ihr, dann wird die Neugierde auf das leckere Gemüse geweckt. Vom Aussehen her ähnelt es einem kleinen Rettich, einer übergroßen Möhre oder einer Petersilienwurzel. Die weiße oder beigefarbene Schale kann nach gründlicher Reinigung mit einer Gemüsebürste und je nach Geschmack mitgegessen werden. Die Schale sollte sich beim Kauf glatt anfühlen. Das Grün der Pastinake ist ebenfalls essbar und kann sehr gut zum Würzen oder Dekorieren genutzt werden. Leider findet man häufig nur die reine „Wurzel“ im Angebot.

Was macht denn nun dieses Gemüse besonders? Zunächst einmal ist es ja schon ein Vorteil, wenn wir als Kunden überhaupt wissen, mit was wir es in der Gemüseauslage zu tun haben. Dann stellt sich umgehend die Frage, wie es geöffnet, geschält, kleingehackt oder ausgelöffelt wird – und mit welchem Werkzeug, Hilfsmittel, Küchengerät. Spätestens nach diesen Überlegungen greifen viele Kunden zum altbekannten Gemüse und lassen die Pastinake liegen. Diese Frage stellen wir Verbraucher uns fast immer bei den wenig oder gar nicht bekannten Sorten – erkennen Sie sich vielleicht selbst wieder?

Pastinake + andere Gemüsesorten als Pfannengericht, Foto Ute Boysen

Kommen wir zurück zur Pastinake. Ich habe sie als große Bereicherung kennengelernt und schätze neben der guten Bekömmlichkeit, dem leicht süßlichen, mild nussigen Geschmack die lange Sättigungszeit. Hervorgerufen wird diese durch den hohen Anteil an Stärke. Vegetarier und Veganer sollten vermehrt Pastinaken Gerichte in ihren Speiseplan einbauen, denn der recht hohe Proteinwert der Pastinaken ist als äußerst wertvoll bei einer fleischlosen Ernährung anzusehen. Und nicht nur das – die für den menschlichen Körper sehr wichtige Folsäure ist ebenfalls in der Pastinake enthalten. Diese den B-Vitaminen zugehörige Substanz spielt eine große Rolle in sämtlichen Entwicklungs- und Wachstumsabläufen des Körpers. Das Gemüse überzeugt mit niedrigen Nitratwerten, hohem Kaliumgehalt und verschiedenen Vitaminen.

Wollen Sie nun einmal das Wurzelgemüse ausprobieren, dann greifen Sie gerade in den Monaten Oktober und November zu, die als ideale Zeit der Freilandernten angesehen werden. Obwohl die Pastinaken mittlerweile ganzjährig erhältlich sind, spielt der Geschmack der nachreifenden Gemüseart eine große Rolle. Anders als bei unserer sehr lange lagerbaren Kartoffel sollten Sie die Pastinaken allerdings recht schnell verarbeiten oder trocken und kühl lagern.

Pastinakenpfanne mit Reis, Foto Ute Boysen

Im Internet fand ich zahlreiche Rezepte für die auch Wintergemüse genannten Pastinaken. Selbst Saft, Nudeln, Kuchen oder Chips können aus ihnen problemlos und einfach hergestellt werden, was eine willkommene Abwechslung zu den altbekannten Gerichten darstellt. Und genau hierzu wollte ich nun einmal wissen, ob auch in Restaurants Pastinaken auf den Speisekarten zu finden sind. Ich besuchte Peter Löber, Küchenchef des „filetgran“ in Bocholt und fragte nach, in wie weit er Gerichte mit Pastinaken anbiete. „Wir legen großen Wert darauf, uns mit den angebotenen Speisen abzuheben von anderen Anbietern. Deshalb verwende ich von Oktober bis etwa Januar gerne Pastinaken für eine Cremesuppe oder verarbeite das Gemüse zu einem Püree. Der sehr viel intensivere Geschmack als beim herkömmlichen Kartoffelpüree kommt bei den Gästen gut an,“ berichtet Löber.

In diesem Sinne – versuchen Sie sich doch einmal an einem Pastinaken-Rezept oder lassen Sie sich im Restaurant auf Ihr erstes Pastinaken-Erlebnis ein. Probieren Sie einmal – guten Appetit!

Das schnelle Gericht zu meinen Fotos finden Sie hier:

http://www.chefkoch.de/rezepte/2128601342468560/Reis-Gemuese-Pfanne-mit-Pastinake-Kohlrabi-und-Paprika.html

 

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