Regenwürmer – wo sind sie hin?

Regenwurm in Gartenerde, Foto M.Großmann_pixelio.de

Zugegeben, ich denke nicht oft an Regenwürmer, aber wenn, dann fällt mir direkt eine Aufgabe ein, die ich als Kind bekam: Regenwürmer einsammeln für unsere Hühnerschar… Ja, damals gab es noch Regenwürmer in Massen und nach dem Regen konnte man sie im Garten oder im Freiland einsammeln und den Hühnern als nahrhafte Futterergänzung bringen. Ob es richtig war oder nicht? Diese Frage stellte man sich in den 1960er Jahren nicht. Heute ist das anders.

Wenn ich heute in unseren überschaubaren Blumenbeeten die feste Erde betrachte, dann mache ich mir schon Gedanken darüber, wie ich diesen Zustand am „gesündesten“ ändern kann. Chemie möchte ich nicht anwenden und graben, hacken oder harken nach Möglichkeit auf ein Minimum reduzieren. Regenwürmer wären nicht schlecht, denke ich mir, stelle aber zugleich wieder die Frage: warum habe ich gar keine in der Erde? Und dann fiel mir ein kurzer Bericht mit der Überschrift „Regenwürmer vom Aussterben bedroht“ in die Hände. Das war der Grund dafür einmal nachzulesen, was in den letzten Jahrzehnten passiert sein kann.

Zuallererst einmal fällt mir auf, dass alle Gärten oder Vorgärten penibel von Unkraut, Blättern oder verrotteten Pflanzenteilen befreit werden. Häufig sogar täglich. Das mag schön, sauber und ordentlich aussehen, ist aber ökologisch gesehen falsch, denn damit wird schon einmal eine wichtige Lebensgrundlage der Regenwürmer vernichtet. Sie ernähren sich gerade von den zuvor erwähnten „Störfaktoren“. Regenwürmer sind nachtaktive Tiere, die sowohl vermoderte Pflanzenteile, als auch Blätter oder Keimlinge unter die Erde ziehen. Hier wird das Sammelgut gelagert, es verrottet nach und nach und dient später der Nahrungsaufnahme.

Regenwurm, Körper mit Sand bedeckt im Gras liegend, Foto Ute Boysen

Zwei Regenwurmarten der weltweit über 3000 bekannten, sind bei uns am häufigsten zu sehen: der Tauwurm (Lumbricus terrestris) mit einer Länge von 12 bis 30 cm und der Kompostwurm (Eisenia foetida), der bis zu 14 cm lang wird. Der Lebensraum des Kompostwurmes ist selbsterklärend, denn er lebt im Komposthafen und verwandelt mit der Zeit die organischen Abfälle in Erde. Der rund zwei Jahre lebende Regenwurm im Beet dagegen gräbt in „seinem“ Lebensbereich unterirdische Gänge (auch Röhren genannt), die viele Meter tief und bis zu 20 Meter lang werden können.

Wie nun genau der Regenwurm mit seinem Nährstoff angereicherten Kot die Gartenerde düngt, ist unter anderem bei www.wikipedia.de verständlich beschrieben. Erstaunlicherweise erfahren wir auch unter dem Link https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Bildung_der_Ackererde_durch_die_T%C3%A4tigkeit_der_W%C3%BCrmer, dass bereits im Jahr 1881 ein Buch von Charles Darwin mit dem Titel „Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer“ erschien, nachdem er jahrzehntelang dieses Thema bearbeitete.

Mich interessiert jedoch, warum sich die Anzahl der Regenwürmer so dramatisch verringert hat und ich erfuhr aus zahlreichen Berichterstattungen, dass zum erheblichen Teil die veränderten Produktionsweisen in der Landwirtschaft Grund dafür sein sollen. Einerseits sollen die Düngemittel, andererseits die landwirtschaftlichen Maschinen für die Dezimierung der Regenwürmer verantwortlich sein. Das alles kann ich verstehen und auf die Ackerflächen unseres Landes umgelegt auch nachvollziehen. Aber meine kleinen schmalen Gartenbeete habe ich nicht mit Chemie gedüngt, habe keine Maschinen oder Geräte benutzt, die die Regenwürmer zerstörten, streue keine Unkrautvernichtungsmittel aus und bin (vielleicht sogar zum Leidwesen meiner Nachbarn) auch nicht der Typ Gartenmensch, der täglich Unkraut jätet. Ergo gibt es bei uns verrottete Blätter und abgestorbene Pflanzenreste und die Regenwürmer müssten sich angesichts dieser reich gedeckten Tafel freuen. Aber – Fehlanzeige. Unsere Böden scheinen entweder nicht den richtigen pH-Wert zu haben, da zu sandig, oder es liegt daran, dass wir Nadelgehölze lieben, denn darunter finden sich selten Regenwürmer.

Und so habe ich mir nun gedacht, wenn sie den Weg in unsere Beete nicht alleine finden, dann muss ich vielleicht erst einmal einige Regenwürmer kaufen und nach einer Eingewöhnungszeit selbst in der Erde aussetzen. Also habe ich im Internet nachgeschaut, ob so etwas möglich ist und tatsächlich fand ich unter dem Link http://bestworm.de/regenwuermer-kaufen/ den Hinweis, wie ich die Würmer an unser Zuhause „eingewöhnen“ kann. Ich werde es ausprobieren und bin gespannt.

Ach übrigens: Im Jahr 1971 sang Wencke Myhre ein witziges Liedchen mit verstellter Stimme „Max, der Regenwurm“ (Masken-Max), welches nicht alle Hörer witzig fanden, aber immerhin – ein Lied über einen Regenwurm gab es davor noch nicht.

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